@ afri

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    So ist es. Die Freundschaft unterscheidet sich von der Liebe dadurch, dass man das Gegenüber anfassen und liebkosen will. Sex muss nicht sein, aber anfassen ist dabei wichtig. Wer sich nicht anfassen lassen mag oder selbst nicht anfasst, liebt auch nicht sondern hat "nur" freundschaftliche Gefühle.

    Mit diesen strengen Trennungen und Kategorien habe ich auch so meine Probleme. Ich habe durchaus zuweilen das Bedürfnis, eine guten männlichen Freund mal in die Arme zu nehmen, also anzufassen (ohne ihn gleich zu liebkosen), entweder weil ich ihn ewig lange nicht gesehen habe, oder weil er gerade schwer am Boden ist. Ich habe platonische Freundinnen, bei denen irgendwo in der Tiefe durchaus eine erotische Unterströmung da ist, teils einseitig, teils gegenseitig, ohne dass da jemals etwas draus werden wird. Schön ist es trotzdem, und wir fassen uns auch gern mal an. Aber das ist nicht mit sexuellen Gefühlen verbunden, aber mit warmen, zärtlichen, liebevollen. Wo da nun genau die Grenze zum Erotischen liegt, soll mir mal einer erklären. Man kann auch mal nach einer langen durchzechten oder durchquatschten Nacht neben einer platonischen Freundin aufwachen, ohne dass nun gleich eine Liebesbeziehung draus werden muss oder die Freundshaft sofort am Ende ist. Kann alles weitergehen wie vorher, ohne dass man ein zweites Mal mit einander schläft. Muss man auch gar nicht weiter drüber reden, ist einfach klar. Habe vor fast 20 Jahren einer Frau erfolglos den Hof gemacht. Ging schief, war etwas traurig, wir sind einander erst einmal für ein Jahr aus dem Weg gegangen – ändert nichts daran, dass wir seit 18 Jahren die denkbar dicksten Freunde sind, die sich hin und wieder auch gern anfassen, ohne dass dabei sexuelle Regungen aufkommen. Und dann höre und lese ich, dass eine sexuelle Zurückweisung immer zu totalem Beziehungsabbruch führen muss, dass sonst nur Stalking in Frage kommt. Blödsinn, es gibt genug Menschen, die das auseinanderhalten und einen Schritt zurück machen können, ohne dass gleich alles in Trümmer fällt, was sie vorher verbunden hat. Männer und Frauen können nicht einfach nur Freunde sein? Doch, können sie! Sie können es sogar, wenn sie sich einer erotischen Komponente sehr wohl bewusst sind.


    All diese Theorien: von wegen Liebe ist immer erotisch und sexuell exklusiv und nur dann gut, wenn vor Ekstase das Dach davonfliegt, und Freundschaft muss immer total asexuell und rein platonisch sein, sonst geht die Freundschaft kaputt, entsprechen, vorsichtig formuliert, nicht unbedingt meiner Erfahrung. Ich finde, das fließt alles ineinander, die Grenzen sind unscharf. Kaum jemand kann für sich selbst definieren, wo Freundschaft endet und Liebe anfängt. Die Definition von Liebe als Freundschaft + Sex (die du ja letztlich nahelegst) finde ich nicht sehr überzeugend. Wie hier schon jemand schrieb (Sidney?): Es gibt Liebe mit Sex, Liebe ohne Sex und Sex ohne Liebe. Und es gibt auch Freudschaft mit Sex und ("normalerweise") Freundschaft ohne Sex.


    Ich finde, Menschen, die einander in Sympathie begegnen, sollten aus den Gefühlen für einander ganz entspannt das jeweils Angemessene machen, anstatt an irgendwelchen Formeln zu kleben, die bestimmen, was nun "nur" Freundschaft oder "schon" Liebe ist, wo Sex "erlaubt" und wo er "verboten" ist, ob gewisse Zärtlichkeiten noch freundschaftlich oder schon erotisch sind. Was sollen diese akademischen Diskussionen?

    @ LovHus

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    Ich weiß gar nicht mehr, wann das mit dem Riegel bei uns aufgehört hat

    Ich finde eine gewisse Scham durchaus respektwürdig. Sie hat ja auch etwas mit Individualität, Stolz und Selbstbestimmung zu tun. Dieses "Zier dich nich so, zieh dich aus, wir sind alle nackt geboren" ist ganz sicher nicht mein Ding. Das ist zudringliche Gleichmacherei, hat nichts mit "Natürlichkeit" (was immer das überhaupt bedeuten soll) zu tun. Ist schon alles sehr diffizil. ":/

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    Ist schon alles sehr diffizil.

    Und kann nicht immer gut mit der Formel: "Drüber reden + entscheiden" gelöst werden. So verändern sich Dinge des Zusammenlebens eben "einfach so" über die Zeit. Sei es, dass die Liebe "abhanden" kommt oder der Riegel seine Notwendigkeit als Schutz der Intimsphäre verliert, eher lästig ist und damit nicht mehr zum Einsatz kommt, ohne dass man Jahre später noch sagen könnte, wie sich das zugetragen hat.