Zitat

    Gott plante es so. Er will, dass Männer und Frauen sich am ehelichen Geschlechtsverkehr erfreuen. Jedoch ist der Hauptzweck von Sex nicht Vergnügen, sondern vielmehr die Fortpflanzung. Gott untersagt vorehelichen Geschlechtsverkehr nicht, um uns des Vergnügens zu berauben, sondern uns vor ungewollten Schwangerschaften und Kindern zu bewahren, die Eltern geboren werden, die sie nicht wollen oder auf die sie nicht vorbereitet sind.

    http://www.gotquestions.org/deutsch/Vorehelicher-Geschlechtsverkehr.html


    ** Meiner Meinung nach, wenn ich das so lese ist es Nicht verboten vor der Ehe Sex zu haben.


    Damals gab es keine Verhütungen, die Menschen konnten sich nicht durch ungewollte Schwangerschaften schützen und auch nicht wegen dem Geschlechtskrankheiten.


    Wir leben heute in einer modernen Zeit und ich denke es ist auch von der Kirche aus, nicht mehr so schlimm angesehen!

    **Engel.der.Liebe


    Fakt ist jedoch, dass in der Bibel (siehe Beitrag von Prospero ) es anders geschrieben steht. Und nichts anderes wollte die TE zu dem Thema wissen. Es ging ihr nicht um Meinungen sondern um die Bibel und was diese zu dem Thema schreibt. Wie man nachlesen kann, ist ihre Aussage mehr als eindeutig, es ist alles in der Ehe erlaubt und alles was nicht in die Ehe fällt ist Hurerei, demzufolge nicht erlaubt.


    Das hat in dem Fall wenig mit Meinung zu tun, denn es ist eine Tatsache die Schwarz auf Weiß niedergeschrieben wurde. Jedoch muss ich durchaus zugeben, dass dieses Konzept in die heutige Zeit nicht mehr hineinpasst, deswegen sind Kommentare wie die Bibel entsorgen oder sie als ein Märchenbuch anzusehen durchaus angebracht. Wer jedoch nach diesem Werke leben will und sich auch in der heutigen Zeit daran halten möchte, der sollte sich dann auch an die Schrift halten, statt wild selbst zu interpretieren und sich die Stellen schön zu reden, damit sie zufällig so gedreht werden können, dass es wieder in die gewünschte Lebenssituation passt.


    Aber ich bin mir durchaus sicher, dass das die TE lieber so sehen möchte wie du, denn sonst würde es ja bedeuten, dass sie vor dem jüngsten Gericht ihre Hurerei entschuldigen müsste. Da ist es natürlich viel sinnvoller, es weiter so zu Handhaben wie gewohnt.

    Hallo


    also ich bin auch nen gläubiger Mensch, aber Glauben heißt ned alles zu akzeptieren ...


    Paar Gedankenanstösse hierzu:


    - die Bibel wurde oder ist ein von Männern zensiertes Buch. Was den damaligen Glaubensträgern nicht passte, wurde rausgenommen. Es gibt diese Apokryphen, also Schriften die es nicht in die Bibel geschafft haben. Die bekannteste dürfte sein das Jesus ja mit Maria Magdalena verheiratet war und sie ein Kind hatten.


    Aber was mit die Kirche daraus? Sie ändert die Geschichte, stellt MM als Hure dar und verbietet es diese Geschichte in die Bibel aufzunehmen .. weil sie Jesus als Mensch darstellt


    - dann ist historisch bewiesen dass Kardinäle, ... Sex hatten. Es gibt ja diesen Mäträssengang im Vatikan ...


    - dann kuck dir mal die Natur an .. es gibt nur eine Handvoll Spezien die den Sexualakt auch zum Lustgewinn praktizieren. Dazu zählt auch der Mensch. Das wird schon seinen Grund haben ;-)


    - oder wo z.B. steht in der Bibel das der Mensch Klöster gründen soll und ein zöllibates Leben welches den Glauben verschrieben ist, führen soll? Das ist auch nur was das ein Mensch vorgemacht hat und welcher Nachahmer gefunden hat. In der Bibel steht davon nix


    Fazit:


    Für mich stellt die körperliche Vereinigung zwischen 2 Menschen ein göttliches Geschenk da. Egal ob dies zum seelischen Wohlbefinden, körperlichen Lustgewinn oder zur Fortpflanzung dient. Und es wird sich schon was gedacht worden sein das man soviele Körperöffnungen besitzt welche dafür verwendet werden können :)z

    Zitat

    Wo genau steht das mit der Enthaltsamkeit bis zur Ehe eigentlich?

    Der Abschnitt Genesis 2, besonders der Vers 24 wird gemeinhin als Stiftung der Ehe bezeichnet. Dort aber heißt es in dieser Reihenfolge: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen und sie werden sein ein Fleisch." D.h. erst kommt die formale Loslösung vom Elternhaus, wohlgemerkt zum Zweck der eigenen Familiengründung und nachdem diese Dinge geklärt sind folgt die fleischliche Vereinigung.


    Paulus schreibt in seinem Kapitel 7 des 1. Korintherbriefes (V. 2.9): "Aber um Unzucht zu vermeiden soll jeder seine eigene Frau haben und jede Frau ihren eigenen Mann. ... Wenn sie sich aber nicht enthalten können, sollen sie heiraten, denn es ist besser zu heiraten als sich in Begierde zu verzehren."


    Der alttestamentliche Ausdruck für "Jungfrau" und "unverheiratete junge Frau" (z.B. Jesaja 7,14) ist ein und derselbe. Das bedeutet aber, dass die unverheiratete Nicht-mehr-Jungfrau undenkbar war oder zumindest als problematisch gesehen wurde.


    Bei Jakob z.B. berichtet die Bibel Genesis 29, das zunächst Hochzeit gefeiert (V. 22) und dann der Beischlaf vollzogen wurde (V. 23). (Dass man ihm die falsche Braut untergeschoben hat, spielt für unsere Fragestellung keine Rolle).


    Andererseits kritisiert Jesus die Samariterin am Jakobsbrunnen nicht nur für ihre mehrfachen Scheidungen, sondern auch dafür dass sie momentan in wilder Ehe lebe (Johannes 4,18).


    Es ließen sich gewiss noch mehr Stellen finden.

    Was ich noch zum eigentlichen Thema des Fadens ausführen wollte:


    Es zeigt sich einmal mehr, dass die Bewertung von Intimitäten sehr unterschiedlich und durch die persönliche Brille erfolgt. Viele kritisieren das Ausüben von OV und AV bei gleichzeitigem Verzicht auf vorehelichen GV als Heuchelei oder Inkonsequenz. Die TE sieht hingegen den GV als eine ganz andere Qualität als die oben genannten Praktiken an. In einem anderen Faden http://www.med1.de/Forum/Beziehungen/545581/ wird übrigens aktuell darüber diskutiert, ob nicht ein inniger Kuss viel intimer als GV sei. Eine Ansicht die ich persönlich kurios finde, die aber von nicht wenigen vertreten wird.


    Je nach persönlichem Dafürhalten wird also von einigen diese und jene erotische Praktik (vor der Ehe) als belanglos durchgewunken, während andere rufen: "Dann könnt ihr auch gleich..." Die Fragestellung bezog sich aber nicht auf das persönliche Empfinden, sondern auf den biblischen Befund.


    Dieser sieht aber so aus: Vorehelicher GV – klares Nein. Andere Praktiken ohne direkte Erwähnung, also auch ohne ausdrückliches Verbot (sie vor der Ehe zu praktizieren). Allerdings die Warnung vor Unkeuschheit, die der Freiheit doch wieder Grenzen setzt.


    Wo die Grenze genau liegt? Schwer zu sagen. Ich persönlich habe heavy Petting, auch teils oral für okay gehalten und tue das auch rückblickend noch. Hingegen mit AV vor der Ehe, wie es die TE praktiziert, habe ich ein Problem. Es ist ja doch ein Penetrieren der Frau, wohl auch mit Ejakulation in ihr. Dass noch als Vorspiel durchgehen zu lassen? ":/ :-/ Ich würde davon abraten. Aber wie schon gesagt: Hier spielt das persönliche Empfinden und Gewissen eine Rolle. Einen unzweideutigen, unwiderlegbaren Beweis aus der Bibel anzuführen, ist aus den oben genannten Gründen schwierig.

    amadonna

    Zitat

    Wir sind uns einig das wir erst nach der Hochzeit miteinander schlafen wollen.

    ** Bettina_28s Quelle

    Zitat

    Antwort: Nebst anderer sexueller Unmoral jeder Art wird Geschlechtsverkehr vor der Ehe wiederholt in der Heiligen Schrift verurteilt (Apostelgeschichte 15,20; 1. Korinther 5,1; 6,13.18; 7,2; 10,8; 2. Korinther 12,21; Galater 5,19; Epheser 5,3; Kolosser 3,5; 1. Thessalonicher 4,3; Judas 7). Die Bibel befürwortet Enthaltsamkeit vor der Ehe. Geschlechtsverkehr vor der Ehe ist genau so verkehrt wie Ehebruch und andere Arten sexueller Unmoral, weil sie alle jemanden betreffen, mit dem Sie nicht verheiratet sind. Sex zwischen Mann und Frau ist die einzige Art sexueller Beziehung, die Gott gestattet (Hebräer 13,4).

    @ Bettina_28:

    amadonna sagte bereits, dass sie nicht verheiratet ist und frug, ob es so wie sie es derweil mit ihrem Partner handhabe mit der Bibel vereinbar sei. Die hier zitierten Passagen, die es "erlauben" beziehen sich alle darauf, dass Mann und Frau verheiratet sind. Es ist ganz einfach – NIX VERHEIRATET? NIX SEX IN KEINER FORM! Wenn du schon zitierst, dann zitiere doch bitte die Antwort und nicht die liberale neuzeitliche Interpretation. Vgl auch Dtn 22,20-21. Die o.a. Antwort lässt nämlich keine Interpretation zu! Btw, Glauben heißt nicht wissen, das hast du richtig gut zur Geltung gebracht. Denn die von Dir aufgestellten Behauptungen würde ich dann doch erstmal belegen ... Zu den erwähnten Apokryphen und die nicht in der Bibel aufgeführten Werke, fallen auch beispielsweise die Kanones und den Kanonikon von Johannes Nesteutes (aka Johannes IV oder Johannes der Faster). Da wird explizit der Analverkehr (arsenokoitia) nicht nur erwähnt, sondern auch aufs Schärfste verurteilt. Die Kanones sind übrigens maßgeblich in der kirchlichen Rechtsprechung unter den im Osten lebenden orthodoxen Christen. Aber das das ignoriert wird, ist ja klar, denn es passt nicht ins Konzept, nicht so wie das Evangelium nach Thomas, Phillipus & Friends...

    @ Engel.der.Liebe:

    (auch die anderen Schäfchen) Hast du das studiert? Bist du in irgendeiner Weise qualifiziert die Bibel zu interpretieren? Internetseiten zu zitieren, die gerade das behaupten wonach einem der Sinn steht sieht für mich sehr nach Feierabendchristentum aus: immer dann, wenn's passt stimme ich zu – betrifft es mich direkt, oder widerspricht es meiner Ansicht, dann wird es einfach wegignoriert. Super Hobby.

    @ alle HobbyChristen:

    Nach dem Motto zu leben, wenn es nicht explizit verboten ist, muss es erlaubt sein halte ich für eine sehr fragwürdige These. Viele von euch essen beispielsweise Schweinefleisch, obwohl es in der Bibel heißt:

    Lecker Wurst!! Mjam. Eine Rindswurst darf sich schon so nennen, wenn sie gerade mal 15 Prozent Rindfleisch enthält. Das ist dann OK?


    Im englischen steht der Begriff "sodomy" für Analverkehr im allgemeinen also zwischen Mann und Frau oder Mann und Mann. Zoophilie wird im englischen mit "beastiality" übersetzt. Und in Anlehnung an Sodom und Gomorrah, wie Gott auf die Bewohner dort reagierte sollte bekannt sein. Aber die Damen und Herren Feierabendchristen ignorieren ja gerne solche Belange und erklären dann lieber, dass das alles in Ordnung ist.

    @ uhu2:

    Wo genau sind denn für dich die Grenzen zwischen biblisch und von Menschen erdachte Ergänzungen? Irgendwie ist mir das nicht klar, wenn es lediglich um biblisch ginge, würden wir nur vom AT sprechen, Du zitierst jedoch auch das NT (1. Korinther) – welches erst viel später als "Ergänzung" dazu kam, deswegen meine Frage.

    @ amadonna:

    also gerne nochmal:


    ** NEIN, so wie Du es mit Deinem Freund handhabst, ist es NICHT mit der Bibel vereinbar

    Danke uhu, hochinteressant das alles! [Darf ich fragen, woraus du zitierst? Ist das die Luther-Übersetzung? Vor mir liegt nämlich eine "Einheitsübersetzung, Ökumenischer Text" – und da legt ein/e Übersetzer/in die Interpretation der Adam-und-Eva-Geschichte als Grundlegung der Ehe noch viel näher: Statt "seiner Frau anhangen" steht da "bindet sich an seine Frau"]




    Bevor ich dazu kommen werde, zu einigen gefallenen Punkten und sich aus ihnen aufdrängenden Fragen (u.a. auch die Verwendung und das Verstehen von "Begriffen" wie "Jungfrau", "keusch", "Unzucht"), was zu sagen oder fragen, möcht ich noch eine Frage stellen, die mir bzgl. der Threadfrage grundlegend erscheint:


    Wo in der Bibel steht denn, worin das "ein-Fleisch-werden" besteht, das erst nach der Familiengründung erfolgen darf? Sprich: Uhu, eines deiner wesentlichen Argumente ist, dass sich die Bibel zu bestimmten Themen (so z.B. OV und AV) ausschweigt. – Meine Frage: Benennt die Bibel penetrativen Geschlechtsverkehr zwischen Penis und Vagina irgendwo? Oder muss ich einfach wissen, dass das verkausurierte "ein Fleisch werden" [dieses unter Vorbehalt; diesbezügliche Frage muss ich auch noch aufschieben], "erkennen", "sich zu jemandem legen" bzw. an der Jakobsbrunnenstelle, "Männer haben" so (und nicht anders) gemeint ist?

    Zitat

    Meine Frage: Benennt die Bibel penetrativen Geschlechtsverkehr zwischen Penis und Vagina irgendwo? Oder muss ich einfach wissen, dass das verkausurierte "ein Fleisch werden" [dieses unter Vorbehalt; diesbezügliche Frage muss ich auch noch aufschieben], "erkennen", "sich zu jemandem legen" bzw. an der Jakobsbrunnenstelle, "Männer haben" so (und nicht anders) gemeint ist?

    Naja, mit diesen Fragen sollten sich wohl die Historiker und die Fachleute in althäbräischer Schrift für eine genauere Übersetzung auseinandersetzen. Das ist nicht ganz einfach... und wird wohl unklar bleiben...

    Zitat

    Antwort: Nebst anderer sexueller Unmoral jeder Art wird Geschlechtsverkehr vor der Ehe wiederholt in der Heiligen Schrift verurteilt (Apostelgeschichte 15,20; 1. Korinther 5,1; 6,13.18; 7,2; 10,8; 2. Korinther 12,21; Galater 5,19; Epheser 5,3; Kolosser 3,5; 1. Thessalonicher 4,3; Judas 7). Die Bibel befürwortet Enthaltsamkeit vor der Ehe. Geschlechtsverkehr vor der Ehe ist genau so verkehrt wie Ehebruch und andere Arten sexueller Unmoral, weil sie alle jemanden betreffen, mit dem Sie nicht verheiratet sind. Sex zwischen Mann und Frau ist die einzige Art sexueller Beziehung, die Gott gestattet (Hebräer 13,4).

    In diesen Quellen steht bei mir in den Bibeln nichts von "kein Sex vor der Heirat", vielmehr wird immer Bezug auf Hurerei genommen, was aber nicht gleichsetzbar mit "kein Sex vor der Heirat" ist.

    Zitat

    Im englischen steht der Begriff "sodomy" für Analverkehr im allgemeinen also zwischen Mann und Frau oder Mann und Mann.

    was es im englischen bedeutet ist für den Inhalt der Bibel unbedeutend, das alte Testament (bzw. die Fragmente davon) sind in einer alten häbräischen Sprache gefunden worden-und nur in dieser Sprache im Kontext mit den historisch verwendeten Inhalten, die hinter den Begriffen standen sinnvoll zu verstehen. Auch wenn die Übersetzungen im wesentlichen richtig sein dürften, sind Übersetzungen in diversen Detailfragen keineswegs unstrittig.

    Ich finds toll, wie man das Leben anderer durch die Bibel richten kann.


    Wenn da stehen würde, dass man mit dem 30. Lebensjahr ausm Fenster springen müsste, würde es sicher weniger Christen geben (Achtung Wortspiel ^^) ....

    Liebe amadonna, Jesus ging sehr klug mit Schriftgelehrten um. Sei bitte auch Du auf der Hut, wenn jemand scheinbar ganz genau darüber Bescheid weiß, womit Du kämpfst! Mit dem Glauben prosperiert man – zumindest nach dem, was ich kennengelernt habe – jedenfalls ganz anders . Und eigentlich weißt Du das auch, weil Du es nämlich zur eigenen Verwunderung erfahren hast ;-)

    Ich möchte noch einwerfen, dass man bei der Bibel vielleicht auch die Haltung des Verfassers, bzw. der Redakteure berücksichtigen müsste. Von Paulus ist allgemein bekannt, dass er Frauen nicht wirklich achtete. Er hat aber im Neuen Testament jede Menge Briefe hinterlassen, wo auch Fragen zu diesem Thema in den neu gegründeten Gemeinden sich auftun.


    Das Alte Testament ist eine Redaktion von ziemlich konservativen Juden, die nach der Vertreibung aus Jerusalem nach Babylon die ganze Schuld für eben jene Vertreibung in nicht gottgefälligem Verhalten suchten. Man kann das unter anderem in den Königen oder den Chroniken sehen, wo gottgefälliges Verhalten sofort mit wirtschaftlichen Wohlstand verknüpft wird.


    Für mich persönlich stellt mich der christliche Glaube vor ungeheuere Herausforderungen. Ich finde es wirklich schwierig, auch einen Obdachlosen auf der Straße als meinen Nächsten anzusehen. Ich fände es interessant, die Frage, was sexuell erlaubt ist, als Herausforderung zu sehen. Nicht umsonst gibt es in der katholischen Kirche die Sünde. Denn die Regeln sind ja nicht einhaltbar. Also muss ich auch eine Ausweichmöglichkeit bieten.


    Gruß,

    luomaren

    Zitat

    Ich finde es wirklich schwierig, auch einen Obdachlosen auf der Straße als meinen Nächsten anzusehen.

    Uh. Da kommst du aber nicht nur mit dem Christentum in Konflikt, sondern auch mit den ganzen neuzeitlichen Ideen von Humanismus und Aufklärung. Schwierig, das. Warum ist es nicht "dein nächster"? Und was kränkt dich an der Idee, dass er "frei und [dir] gleich an Würde und Rechten" sein könnte?

    Zitat

    Nicht umsonst gibt es in der katholischen Kirche die Sünde. Denn die Regeln sind ja nicht einhaltbar.

    Die Sünde gibt es in jeder Religion, die Idee ist geradezu konstitutiv für Religionen. Ohne das permanente schlechte Gewissen des Sünders würden die ganzen Heilsversprechen nicht halb so gut funktionieren. Du meinst die Beichte?

    Raj

    Zitat

    Nun gibt es ja in der Bibel meiner erinnerung nach wenig exoplizit normative Textstellen (AB=Sünde), sondern es werden eher komplexe Vorgänge beschrieben, bei denen man mitunter gar nicht so genau weiß, was genau jetzt eigentlich der sündeninduzierende Faktor war.

    Hui ... das dacht ich noch gestern auch – dementsprechend ist ja auch mein erster Beitrag ausgefallen; als ich heute früh dann mal allein nach dem Index die Beiträge zum Thema "Ehe" durchgegangen bin, wurde ich eines Besseren belehrt: Sowohl das Alte als auch das Neue Testament strotzen nur so vor Büchern mit expliziten Handlungs- bzw. Nichthandlungsanweisungen. Zur Illustration der Explizitheit zwei interessante Beispiele aus dem Buch Deuteronomium (das – soweit ich verstanden habe – im Wesentlichen [erweiterte] Reden Moses umfasst, in denen er noch einmal das Gesetz vom Sinai verkündet):


    Zur "Heirat mit einer Kriegsgefangenen" bzw. zur möglichen Auflösung einer ebensolchen steht da:

    Zitat

    Wenn sie dir aber nicht mehr gefällt, darfst du sie entlassen, und sie darf tun, was sie will. Auf keinen Fall darfst du sie für Silber verkaufen. Auch darfst du sie nicht als Sklavin kennzeichnen. Denn du hast sie dir gefügig gemacht. Dtn 21,14

    Und unter der Überschrift "Kleidung und Geschlecht" findet sich:

    Zitat

    Eine Frau soll nicht die Ausrüstung eines Mannes tragen, und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen; denn jeder, der das tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Greuel. Dtn 22,5

    Zwischen diesen 'Gesetzen', Sprichwörtern, Weisheiten, Briefen von Paulus und seiner Gefolgschaft ans 'Kirchenvolk', die allesamt klare Dos und Don'ts beinhalten, die manches aber, gut für dich, uhu2, nicht alles 'regeln', gibt's dann aber auch noch

    Zitat

    David und Salomo und was es da noch an großen Aufreißern gegeben haben mag

    , diese gottgesegneten, die sich offensichtlich so gar nicht an dieses Regelwerk gehalten haben ...




    Wenn ich jetzt – um zum Fadenthema zurückzukommen – einfach nur mal versuch, die paar Stellen, die ich heut so querbeetgelesen hab, zu verstehen, dann hab ich, wenn ich die Fadenfrage beantworten möchte (diverse sexuelle Spielarten find ich im Index der Bibel, aus der ich grad zitiere, nämlich nicht), doch gewaltige Probleme mit der Abgrenzung der hier schon von einigen problematisierten Begriffe Keuschheit, Unzucht ... aber auch Ehe (weil die ja definiert sein muss, um zu wissen, wann vor ihr ist).


    Die Stelle, auf die hier verwiesen wurde (und wahrscheinlich auch implizit in der Auslegung steckt, dass mit Sex die Ehe beginnt; weiß leider grad nicht mehr, wer die eingebracht hat: Mae und noch wer), lautet:

    Zitat

    Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch. Gen 2,25

    und geht aber eben noch weiter, nämlich so:

    Zitat

    Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. Gen 2,26

    Das alles ist vor dem Sündenfall!


    FRAGE 1: Kann man denn eine Ehedefinition tatsächlich an einem Zustand aufhängen, der – glaubt man der Bibel – unwiderbringlich vorbei ist? Kann man sich auf eine Ehedefinition, eine Vorstellung von Vereinigung von Mann und Frau (in der sich dann ja auch ein heterosexuelles Gebot begründen ließe [Oder gibt's andere Stellen, die 'Homosexualität' "verbieten"?]) stützen, wenn doch bestimmende Grundlagen für Sexualität erst in der Folge des Sündenfalls (durch das Erkennen von Gut und Böse bzw. durch die Strafe Gottes) begründet wurden?

    Zitat

    Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren. [...] Gen 3,7
    Zur Frau sprach er: [...] Du hast Verlangen nach deinem Mann; / er aber wird über dich herrschen. Gen 3,17

    Ist DANACH nicht ohnehin alle 'Gefallene'? Ist DANACH nicht jedes "Erkennen" 'sündig'? Und sind Menschen das weniger, nur weil sie vorher geheiratet haben? – > Interessante Stelle dazu: Jesus meint auf die Frage, wessen Frau eine verwitwet Mehrfachverheiratete nach der Auferstehung denn sei:

    Zitat

    [...] Ihr irrt euch; ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. Denn nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel. Matthäus 22,29–30 (bzw. fast im gleichen Wortlaut bei Markus 12,24–25)

    Wenn die Urform der 'Ehe', die zwischen Adam und Eva, mit dem Sündenfall eine völlig neue Form annimmt; wenn sie sich durch das Naschen vom Baum der Erkenntnis als zwei, als different erkennen, die zuvor proklamierte Einsheit in der Form also gar nicht mehr möglich ist; kann man dann überhaupt noch sagen, dass irgendeine Form der – eben nur annährenden, temporären (s. Himmelreich) – Einswerdung richtiger ist als eine andere?




    Meine ZWEITE FRAGE hängt damit zusammen und hebt aber auch darauf ab, dass hier allerlei vom 'jüngsten Gericht' und 'Sünden' usf. die Rede ist: Ist es nicht ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens, dass niemand "ohne Sünde ist", aber Jesus für die Vergebung ebendieser Sünden aller am Kreuz gestorben ist? Heißt das dann nicht, dass sie eben immer schon vergeben sind?




    Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich persönlich natürlich trotzdem ein Problem damit hätte, wenn Sachen, die ich klasse finde, als vergebenswert verstanden würden. Aber darum geht's hier ja nicht.

    Zitat

    Die Sünde gibt es in jeder Religion, die Idee ist geradezu konstitutiv für Religionen.

    So ist es, anders funktionierten sie ja auch gar nicht. Was sexuelle Verhaltensweisen angeht, sind sie ideal für die Idee jeglicher Religion: jeder macht es und jeder braucht es, also kann man es auch verteufeln oder mit Regeln versehen. Auf diese Weise schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klatsche und sichert obendrein den Fortbestand der Mitglieder der jeweiligen Sekte, ääähhhh, Religionsgemeinschaft meine ich natürlich.

    Und noch was, uhu2,

    Zitat

    Der alttestamentliche Ausdruck für "Jungfrau" und "unverheiratete junge Frau" (z.B. Jesaja 7,14) ist ein und derselbe. Das bedeutet aber, dass die unverheiratete Nicht-mehr-Jungfrau undenkbar war oder zumindest als problematisch gesehen wurde.

    Das könnte auch bedeuten, dass Jungfrau ausschließlich "unverheiratete junge Frau" bedeutet und nix darüber aussagt, ob sie schon bei jemandem gelegen hat.

    Zitat

    Andererseits kritisiert Jesus die Samariterin am Jakobsbrunnen nicht nur für ihre mehrfachen Scheidungen, sondern auch dafür dass sie momentan in wilder Ehe lebe (Johannes 4,18).

    Sorry, jetzt brauchts noch mal ein langes Zitat:

    Ich kann da kein Wort der Kritik erkennen. Er überschreitet Grenzen der Ziemlichkeit, um mit ihr zu sprechen; und, er gibt sich ihr dadurch zu erkennen, dass er "alles was sie getan hat" weiß. Und sie sieht in ihm den Messias ... Aber Sünde? Kritik? Scheidungen? Wilde Ehe? --- Kein Wort davon!

    :-D @sensibelman:

    Zitat

    In diesen Quellen steht bei mir in den Bibeln nichts von "kein Sex vor der Heirat", vielmehr wird immer Bezug auf Hurerei genommen, was aber nicht gleichsetzbar mit "kein Sex vor der Heirat" ist.

    Ich behaupte jetzt einfach mal, das speziell diese Quellen aus dem NT nicht unbedingt in Hebräisch verfasst wurden, sondern eher auf Griechisch .... was den Worturpsrung aus dem Griechischen angeht, habe ich mich bereits zu geäußert.


    Ansonsten für die AT Quellen, die es noch so gibt, sei Dir dieses Angeraten: WiBiLex: Bibelwissenschaften über Hurerei im Hebräischen Orginal

    @ nick_10:

    spar dir den zynismus. sagt dir "Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gérichtet werdet" etwas?

    @ piddle:

    lustigerweise hat Jesu Umgang mit Schriftgelehrten keinerlei Nachwirkung, denn ohne das Bedürfnis der Aufrechtserhalten von Kontrolle des damaligen Römischen Oberhaupts (dessen aktueller offizieller Amtstitel immer noch Pontifex Maximus lautet) wäre es garnicht soweit gekommen, dass sich eine Christenheit hätte entwickeln können. Die Urspungslehre Christi kann heutzutage nicht mehr nachvollzogen werden, da alle verfügbaren Texte mit der Motivation geschrieben wurden die eigene Botschaft (nicht die Christis) zu verbreiten und es keine schriftlichen Zeugnisse von besagtem selbst gibt, sondern nur Überlieferungen von seinen Anhängern – Quelle Q ist auch nicht der wahre Jakob. Alle neutestamentlichen Regelungen, Doktrinen, Auslegungen und derlei mehr sind nichts anderes als Versuche eine umgemünzte Philosophie des Volksaufrührers Yeshua ben Yussuf zu verbreiten, um sich gegen die damaligen Machthaber zu widersetzen – Zucker für den Affen getreu dem Motto "Pamen et circensis". Hat es doch tatsächlich geholfen spirituell aufgeschlossenen Menschen ein Motiv gegeben den Machthabern treu zu bleiben und nicht über die eigentliche Botschaft nachzudenken. Nebenbei wurde das ganze zusammen mit dem zusammengelegt, was man heutzutage als heidnische Gebräuche bezeichnen würde, damit all jene, die nicht von dieser Idee angetan waren, bei Gewohnten bleiben konnten; die altgermanische Ostara lässt Grüßen. Schwupps wurde aus JHWE die Trinität und das Symbolverbot aus dem Dekalog ist auch nicht mehr so wichtig, da nun ein Kreuz als Symbol einer Bewegung herhält. Die Ideologie hat interessante Stilblüten erfahren inklusive eine Ikonisierung – aber ich schweife ab. Leute, die also an die gerechte Strafe Gottes glauben und dabei sich in einem Haus mit einem Blitzableiter treffen, um eben diesem Gott huldigen, haben eh eine sehr sonderbare Wahrnehmung der Realität.


    So nebenbei ... Nach Angaben von UNICEF aus dem Jahr 2009 sterben derzeit jedes Jahr 8,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Viele davon an Unterernährung oder Krankheiten, die leicht zu verhindern/behandeln wären. Das sind etwas mehr als 24000 pro Tag. Brot für die Welt – aber die Wurst bleibt HIER! Weiter so ...