Rucola

    07.09.05 16:21

    Zitat

    Blassgrün wäre z.B. reines BDSM-Rollenspiel, dann gibt es beliebige Intesitätsabstufungen bis ganz grell,

    Das stimme ich zu, aber nach meiner Erfahrung ist diese Abstufung keine Frage der Identität. Wir haben harmlos angefangen und später wurde es krasser. Es war ein wechselseitiger Aufschaukelungsprozess, in dem wir die Grenzen immer mehr verschoben haben. Es fing also blass an und nahm mit der Zeit immer mehr Farbintensität auf. Je nachdem, wie die Stimmung in der Beziehung war, änderte sich auch das Sexleben, eben weil es nicht unabhängig vom Leben ist, sondern es auch in gewisser Weise spiegelt.


    Dasweiteren stosse ich mich in diesem Thread auch immer an die Frage: Phantasie und Realität. In meiner Phantasie kann ich mir noch viel krassere Dinge vorstellen. Ob sie in der Realität aber auch wirklich so erregend sind, wie in der Phantasie, das ist die Frage. Daraus ergibt sich die Frage, wenn man sich denn nun unbedingt ein Etikett geben will, kann man sich das überhaupt schon geben aufgrund seiner noch nie in die Tat umgesetzten Phantasien? Mein Freund hat seinen Fetisch ja auch erst mit 30 entdeckt, vielleicht war da vorher auch schon die ein oder andere Phantasie, aber man weiss von Phantasien grundsätzlich nicht, ob sie sich bewahrheiten. Ich habe mit meinem Freund auch schon Dinge ausprobiert, die wir uns in der Phantasie ganz toll vorgestellt haben, die in der Reallität dann aber doch blöd waren und es gar nicht brachten. Schwupps, war danach auch die Phantasie nicht mehr da und wir entwickelten neue Phantasien, um sie auszuprobieren. So ist das ja generell mit den Sehnsüchten. Viele zerplatzen dann wie eine Seifenblase, wenn man sie wirklich in die Tat umsetzt und sie sich als gar nicht so toll rausstellen, wie man dachte.


    Wenn man hier also unbedingt von "echt" und "nicht echt" reden will, muss man dann nicht als allererstes Mal Phantasie und bereits gelebte Realität voneinander unterscheiden und ist es nicht ziemlich paradox und auch ein wenig anmaßend, wenn Leute, die vor allem von ihrer Phantasie reden, andere, die es bereits gelebt haben, als "unecht" oder "Du hast keine Ahnung" bezeichnen.


    Das ist auch etwas, was mich in dieser Diskussion stört. Phantasien von grell rot gelten hier als "echt", während Realität in mittelrot als "unecht" gilt, weils nicht rot genug ist.


    Dann stört mich hier dieses Schubladendenken. Ich habe noch viele andere Ziele und Lebensinhalte in meinem Leben und Eigenarten, die meine Persönlichkeit ausmachen. Ich würde daher auch nicht auf die Idee kommen, jetzt vehement nach einem neuen Sexpartner zu suchen, mit dem ich es weiter ausleben kann. Das Ausleben sexueller Wünsche ist prima, aber andere Dinge gehen vor und daher verzichte ich auf jegliche Stempel in einer klardefinierten Farbe.


    Wenn da so viel Wert auf "Ich bin..." gelegt wird, bezüglich der sexuellen Vorlieben, dann frag ich mich eben, ob es keine vielen wichtigen anderen Dinge in diesem Leben gibt, über die man seine Identität definiert und ob dann sogleich das ganze Leben keinen Sinn mehr macht, wenn sich die sexuellen Vorlieben nicht erfüllen. Dieses Definieren der Identität über S/M finde ich einfach extrem übertrieben und in dem Moment, wo man zwanghaft keine anderen Lebensziele mehr verfolgt, als seiner sexuellen Identität gerecht zu werden, da wird es für meinen Geschmack eher bedenklich, als dass es dadurch besonders "echt" wäre.


    wieauchimmer

    wieauchimmer

    07.09.05 16:29

    Zu viel der Worte und Zitate.


    Du benutzt die Worte 'beschränkt' und 'dekadent' im Zusammenhang mit einen selbstbestimmtem Leben als ob es gerade deshalb weniger Wert wäre. Die Prioritäten zu ändern bedeutet keinen Identitätsverlust. Wer alles was seine Identität ausmacht mit dem was ihm wichtig ist bereichert verliert nicht sondern gewinnt. Wenn jemand wirklich aus welchen Gründen auch immer 'beschränkt' ist und gar nicht anders kann als nur eine Teilmenge dessen zu leben was Du Identität nennst hat er Deiner Definition nach also überhaupt keinen Wert.


    "Ich bin" beschränkt und damit raus


    bifu

    sunflower37

    07.09.05 16:32

    Zitat

    der freund von einer von euch ist ja auch letztendlich durch eine unsachgemäße praktik -autoerotik- gestorben.

    Trotz aller Trauer halte ich ihn diesbezüglich auch für einen naiven Idioten. Wut darf auch mal sein. Wegen ein bisschen Sexkick hat er nicht nur mir, sondern seinen Eltern, Bruder und allen, die ihn mochten, sehr weh getan. So ein Ereignis scheint aber bei "echten" S/Mlern lässig als "schlechte Erfahrung" verbucht zu werden.


    Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass diese Praktik kein toller Kick ist, sie ist ja auch meines Wissens ganz schön weit verbreitet. Aber irgendwo muss man bei lauter erotischer Erfüllung auch mal das Gehirn einschalten und eben auf so einen Kick verzichten. Er hatte ja vorher auch kein unbefriedigendes schlechtes Sexleben, ohne diesen Kick. Was heisst da also "brauchen"? Wenns dann erstmal zu einer Sucht geworden ist, kommt man dann schwer von los, wie von allen Süchten.


    wieauchimmer

    bifu

    07.09.05 16:36

    Zitat

    Wenn jemand wirklich aus welchen Gründen auch immer 'beschränkt' ist und gar nicht anders kann als nur eine Teilmenge dessen zu leben was Du Identität nennst hat er Deiner Definition nach also überhaupt keinen Wert.

    Nein, ich sagte nichts von "wertlos" sondern von "beschränkt" und "dekadent", so wie ich es auch dekadent finde, als oberstes Ziel zu haben, wo ich den nächsten Champagner her bekomme, während andere Menschen verdursten, finde ich es eben auch dekadent, als oberstes Ziel seinen sexuellen Kick zu haben, während andere zusehen, wie sie ihre Existenz bestreiten.


    wieauchimmer

    bifu

    07.09.05 16:42


    Oder anderes Beispiel: Ich würde, auch wenn es mir noch so den sexuellen Kick geben würde, solche Spielchen wie mein Freund nicht machen, weil ich nämlich ein Kind habe und somit Verantwortung und daher auf solche riskanten Spiele, die mein Leben kosten könnten, verzichten muss. Wenn man keine Verantwortung hat, dann kann man sich so viel Dekadenz ja vielleicht leisten.


    wieauchimmer

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    07.09.05 16:42


    Squizzel, dass DU das kannst, weiß ich doch.

    Zitat

    Für mich hat Dominanz keines wegs etwas mit BDSM zu tun, sondern hängt ausschließlich von der inneren Einstellung ab

    sehe ich nicht so.


    wai: Provozieren, ja, in der BESTEHENDEN Beziehung. Klar, aber gerne doch, nichts mache ich lieber


    Es geht hier aber um den BEZIEHUNGSANFANG. Einen sex. "unfähigen"Mann provozieren? ja, WOZU denn


    Gespielter Machtkampf mit vorhersehbarem Ausgang, ja. Ein Wechselspiel, richtig, aber eben mit DEM Ausgang.


    Bei Sex will ich auch Wut provozieren, und verlange das auch umgekehrt. Wut, Zorn, Scham, Demütigung, dass alles gehört für mich mit dabei. Besonders das letzte.

    Zitat

    Dominant ist aber m.E. immer der, der provoziert, solange, bis der andere sozusagen mit Gewalt die Herrschaft an sich reisst.

    nö, würde ich nicht so sehen. Situationsweise AKTIV, ja, aber nicht wirklich dominant.


    Sonnenwind

    07.09.05 16:52

    Zitat

    Ist in der Sexualität nicht alles ein gespielter Machtkampf?

    JAAA! Alles. Egal, ob auf gesellschaftl. Ebene, oder anderswo. Deshalb sag ich ja immer gerne: "It's a man' s world." Weil sich da nix geändert hat.

    Zitat

    So ist die Macht über den anderen selbst bei den extremsten Spielchen nur eine Illusion.


    Doch was ist an dem "Spiel" so schlimm? Das Gefühl von Macht und beherrscht werden bleibt. In jedem Spiel verliert einer und in diesem Fall ist der Verlierer derjenige, der sich unterordnet. Verlierer muss hier jedoch in Anführungszeichen gesetzt werden. Denn er gewinnt letztendlich durch den Lustgewinn.

    richtig, aber dieses "Spiel" kratzt verdammt oft an der Grenze zum Ernst. Und damit ist es TIEFER als Illusion.

    Zitat

    So wie Du es beschreibst klingt es so als ob ein dominanter Mann erst dadurch sexuell erregt wird das die devote Frau anzeigt das SIE sich unterwerfen will. Sollte es aber nicht so sein das die devote Frau dadurch erregt wird DAS der dominante Mann SIE unterwirft? Er dadurch erregt wird DAS er fordert?

    ich schätze mal, da gibt es 1001 Variationen von.


    Sexuell dominant bedeutet für mich:


    Warten können, spielen, erregen, warten, so mit Lust unterwerfen. Das erregt den dom. Mann. Umgekehrt die sub-Frau.


    ideal: Er kann fordern, tut das, sie ziert sich, macht mal mit, mal nicht, es gibt keine Regel, ein "spiel", Gewinner steht aber vorher fest.


    Gefahr ist klar: Es kann leicht in einen ERNSTEN Machtkampf ausarten. Und dann ist es nicht mehr schön.


    Sonnenwind

    07.09.05 16:59

    Zitat

    Sich nicht provozieren zu lassen ist eine anerkannte Deeskalations-Strategie.

    STOP. Du hast es nicht verstanden. Er darf sich NICHT um JEDEN PREIS provozieren lassen.

    Zitat

    Der Jagdinstinkt eines Raubtieres wird dadurch angeregt, dass das Opfer Angst zeigt und Adrenalin ausstößt. Ich hatte hier das Beispiel mit der Katze benannt. Eine Maus, die nicht flüchtet, wecht nicht den Schlüsselreiz der Katze, sie zu jagen.

    und? Was sagt uns das jetzt? Wenn du in der KENNENLERNPHASE "nein" sagst, ist der Mann weg... wenn du flüchtest, ist er weg... wenn du zickig bist, ist er weg...


    sonst noch irgendwelche "Weisheiten"? hab ich alles schon durch.


    Kapier doch mal endlich, dass es KEINE männlichen Jäger mehr gibt!


    Weißt du auch warum? Bierbichler hat es hier gesagt: Es gibt genug willige Weiber, die schnell die Beine breit machen. Sex wird zu einfach gemacht. Aber eben NUR Sex.


    Und mehr wollen Männer eben nicht. Sie wollen nicht mehr JAGEN. Sie wollen es BEQUEM. Ansonsten nehmen sie sich die nächste oder ziehen sich zuhause einen Porno rein und wixen dazu.


    Jedwede Schwierigkeit, eine Frau zu erobern (was ist das, bitte schön, "erobern" ), wird doch tunlichst gemieden. Vieeeel zu anstrengend.


    Sonnenwind

    07.09.05 17:00


    Sex spielt sich im Kopf und nicht nur am Körper ab. Daher denke ich eher, dass es ein andauerndes Spiel ist und nicht auf einen Tag begrenzt wird. An manchen Tagen intensiever, an manchen weniger. Sobald das Spiel jedoch abbricht, geht das erotische Knistern in der Beziehung verloren.


    Squizzel

    07.09.05 17:10


    wai:

    Zitat

    Es geht darum, Macht und Gewalt zum Zwecke der Steigerung erotischer Lust, gegenüber Macht und Gewalt zum Selbstzweck und dem Zweck der tatsächlichen Unterdrückung und Quälerei, ohne Luststeigerung, abzugrenzen

    das ist völlig richtig.


    Es soll aber Menschen geben, die tatsächlich GERNE unterdrückt werden. Die GERNE Sklaven sind, einfach wegen des "Sklavendaseins" Hast du vor denen, bzw. deren Wunsch keinen Respekt?


    ich zähle mich nicht dazu, aber es gibt sie. Sie sind vollkommen devot, und glücklich, wenn sie so leben können, hat auch nix bzw. muss nicht unmittelbar mit Lustgewinn zu tun haben.


    Eigentlich sind sie FREI in der Unterdrückung.


    bifu:

    Zitat

    Für Dich ist Sex also ein Spiel. Und für Dich ist auch BDSM ein Spiel. Beides mit Regeln und Grenzen. Etwas was Du mit Deinem Partner in Deiner Freizeit tust. Zur Enstpannung. Oder zum Gegenteil. Den Trieb ausleben. Oder um Gefühle auszuleben. Welchen Stellenwert haben Sex und BDSM denn als Spiel in einer Beziehung? In einem Leben?


    Wohl einen ganz anderen als wenn man sich selbst darüber definiert. Es mit seinem Partner lebt.

    ja, und das macht den Unterschied zwischen wai und mir. In dem Sinne bin ich dann doch "eher" devot. Am Anfang das spielerische, quasi "austesten", kennenlernen, das dauert Jahre, und nachher das LEBEN MITEINANDER, eben so.


    Das muss man dann neu definieren, klar, und es muss auch immer wieder überprüft werden, MIT dem Partner, ob es noch passt, die Ziele passen, etc pp. Das ist aber hier nicht das Thema.


    Sonnenwind

    07.09.05 17:16


    sunflower : Klingt so, als ob du das nicht findest, was du suchst ... da hilft nur weitersuchen.


    Musst du deshalb ALLE devoten/submissiven Frauen niedermachen? Du hast einfach eine andere Vorstellung, das ist alles.


    Phantasien/Wünsche sollten in einer Partnerschaft, egal, welcher ARt die ist, einigermaßen erfüllt werden, oder nicht? Willst du das von DIR nicht? Du hast doch auch ne bestimmte Vorstellung von deiner Wunschpartnerin"?


    Geben und Nehmen sollte sich die Waage halten, das ist alles. Wenn ich SEINE Wunscherfüllerin bin, sollte es umgekehrt möglichst genauso sein.


    Und inwieweit Sex in einer Partnerschaft wichtig ist, hängt ebenfalls von den Beteiligten ab, ist also individuell verschieden.


    Sonnenwind

    07.09.05 17:21

    Zitat

    Sobald das Spiel jedoch abbricht, geht das erotische Knistern in der Beziehung verloren.

    stimme zu. Es muss - sollte - immer latent DA sein.


    wai, rucola, euer Thema geht reichlich weit ab vom topic.


    Wir können uns auf den Begriff "spiel" aber bitte in Anführungszeichen, einigen, denn es ist FÜR MICH mehr als ein Spiel.


    Sonnenwind