Kraftsport nach ausgekugelter Schulter

    Guten Tag,

    Ich habe mir am 10.06 diesen Jahres nach einer Episode sehr schweren Kraftsports ohne adäquaten Pausen und im Anschluss dazu durch unnötiges Rumalbern im Schwimmbad erstmals die Schulter halb ausgekugelt (subluxiert). Das ging blitzschnell, und im Grunde nur ein Rumreiben des Schultergelenks in der Gelenkpfanne. Hatte in den Folgetagen nur leicht dumpfe Schmerzen, die aber auch wieder vergingen.Das MRT sah gut aus, kaum Verletzungen bis auf einen zarten Einriss des vorderen Knorpelbelags und einer Reizung des AC-Gelenks. Unten noch der voller MRT Bericht.

    Mir wurde von den Orthopäden und der Physiotherapeutin versichert, dass es sehr gut aussehe und ich nach 6 Monaten vollständig geheilt wäre, solange ich nichts dummes anstelle. Habe nach ca 3 Monaten nach dem es passiert ist auch wieder mit leichtem Kraftsport angefangen. Nur das Problem ist, dass ich mir am 26.10 bei meiner Polizei Prüfung die Schulter erneut subluxiert habe. Es handelte sich hierbei um die Übung "Achterlauf", bei der man unter Zeitdruck sich auf den Boden schmeißen und durch einen Kasten durch kriechen muss. Vorab wurde auch schon erwähnt, dass sich einige hierbei die Schulter ausgekugelt haben und es an für sich eine gefährliche Übung ist. Erneut habe ich in einem kurzen Augenblick eine komische Sensation in der Schulter gespürt und hatte wieder für die nächsten paar Tage ein leichter dumpfen Schmerz, der auch wieder verging.


    Habe ein weiteres MRT machen lassen und der Befund ist dieses mal komplett Verletzungsfrei. Habe auch 2 weitere Orthopäden zur Rate gezogen, und beide meinten sieht alles sehr gut aus und ich könne in jeglicher Richtung wieder sportlich anfangen. Da diese sich aber sehr kurz gefasst haben, frage ich hier noch mal.

    Habe danach weitere Physiotherapie in Anspruch genommen, und mir wurde wieder einmal Mut gemacht, dass es sehr gute Heilungschancen hat, wenn ich mich vorsichtig verhalte und offensichtlichen Gefahrenquellen aus dem Weg gehe. Auch Kraftsport und Kampfsport wurden mir wieder mit sehr guten Chancen versprochen.



    Mir stellen sich doch jedoch einige Fragen, besonders wegen des Trainings, auf:


    1: Ich hatte vor, nachdem die 2 Monate seit dem Vorfall am 26.09 aufgefüllt sind, in dem ich auch noch die Physiotherapie Zuhause betreibe, wieder mit dem Kraftsport anzufangen. (Habe auch jetzt schon das OK dafür bekommen). Jedoch, wegen dem weiteren Verlauf: Ist es ab dem dritten Monat wieder Realistisch, schweren Kraftsport zu betreiben?


    2. In welchem Zeitlichen Rahmen kann ich mich wieder in Richtung von vertikalen Übungen wie Klimmzügen und Schulterdrücken nähern? Mir wurde nur geraten, auf meinen Körpergefühl zu achten - Jedoch was ist die Faustregel hier?


    3. Welche Übungen außer Überzügen sollten permanent aus meinem Trainingsplan raus?


    4. Hat jemand noch weitere Tipps und Anregungen für mich?

  • 8 Antworten

    privat



    willowzwo schrieb:

    Habe ein weiteres MRT machen lassen und der Befund ist dieses mal komplett Verletzungsfrei. Habe auch 2 weitere Orthopäden zur Rate gezogen, und beide meinten sieht alles sehr gut aus und ich könne in jeglicher Richtung wieder sportlich anfangen. Da diese sich aber sehr kurz gefasst haben, frage ich hier noch mal.

    Das Labrum glenoidale, also die Gelenklippe welche die Pfanne umgibt und auch den Oberarmkopf in der Pfanne zentriert ist intakt und nicht beschädigt worden?


    Hattest du schon mal Probleme mit Schulterinstabilität?


    Sind deine Gelenke Hypermobil ( Überbeweglich)?

    Hyperion schrieb:

    Das Labrum glenoidale, also die Gelenklippe welche die Pfanne umgibt und auch den Oberarmkopf in der Pfanne zentriert ist intakt und nicht beschädigt worden?


    Hattest du schon mal Probleme mit Schulterinstabilität?


    Sind deine Gelenke Hypermobil ( Überbeweglich)?

    1. Dem Anschein nach, ist diese "Labrum glenoidale"/Gelenklippe intakt. Das zweite MRT spricht ja auch von keiner Verletzung: "Regelrechter Gelenkstand. Kein Hinweis auf eine Labrumläsion. Kein flächiges Knochenmarködem nachweisbar. Kein pathologischer Gelenkerguss. Intakte unauffällige Rotatorenmanschette. Lange Bizepssehne mit regelrechtem intra- und extraartikulären Verlauf"


    2. Probleme mit Schulterinstabilität hatte ich noch nie. Immerhin konnte ich auch Kraftsport mit Schulterdrücken bis zu 75kg auf der Langhantel ausüben, und das sehr frequent. Das war aber auch sehr wahrscheinlich der Grund für die erste Subluxation.


    3. Ich kann keine Hypermobilität meiner Gelenke aufweisen. Es wurden auch Zahlreiche Bewegungstests und Verletzungstest anhand von Bewegungen erprobt durch Orthopäde und Physiotherapeut und auch da kam nie so etwas zur Geltung (Im Übrigen auch alle Tests Negativ auf Verletzungen/Einschränkungen). Das Einzige, was ich mir jedoch vorstellen kann, ist, dass durch meine falsche Körperhaltung, bei der die Schultern nach vorne gerollt sind, ich halt anfälliger war für solche Geschichten. Aber an sonsten Nichts.


    Sofern noch weitere Fragen aufkommen, kann ich Sie gerne und würde Sie gerne beantworten. Immerhin wird jeder weitere Einblick den ich gebe, ihnen die Antworten auf meine Fragen erleichtern.

    willowzwo schrieb:

    Nur das Problem ist, dass ich mir am 26.10 bei meiner Polizei Prüfung die Schulter erneut subluxiert habe


    privat


    Das hatte ich vorhin überlesen aber schon vermutet. Ca 50% erleiden eine erneute Sublux oder Luxation der Schulter meist innerhalb der ersten 2 Jahre.


    Was wurde denn bei der Physio so gemacht, wurde Ssnsomotorisch und propriozeptiv /stabilisierend trainiert?

    Hyperion schrieb:

    Das hatte ich vorhin überlesen aber schon vermutet. Ca 50% erleiden eine erneute Sublux oder Luxation der Schulter meist innerhalb der ersten 2 Jahre.


    Was wurde denn bei der Physio so gemacht, wurde Ssnsomotorisch und propriozeptiv /stabilisierend trainiert?


    Ich muss hier aber erwähnen:

    Ich hatte bis vor der zweiten Subluxation am 26.09 KEINE Probleme mehr mit der Schulter. Sie schien überaus stabil und auch sportlich gesehen ging es ohne Probleme. Wie aber auch schon zuvor erwähnt war diese eine Übung das Problem. Offenbar haben sich schon unzählige Personen ohne vorherige Probleme mit der Schulter hier schon diese ausgekugelt, so wie es der Zuständige Polizeisportler uns berichtet hat.. Es handelt sich um diese Übung:

    Es hantelt sich somit um eine dumme Annahme eines Risikos.


    Und so viel ich der Bedeutung von Sensomotorik und Propriozeptik entnehmen kann, wurde genau das bei der Physio gemacht. Die Instabilen Ursachen, Imbalancen und Muskelschwächen wurden adressiert und so gut es geht abtrainiert. Sowie wurden mir auch Übungen für die Mind-Body-Connection gezeigt, bei denen ich meine Muskulatur Rund um die Rotatorenmanschette, umliegenden großen Muskelgruppen und Schulterblättern in einem Zusammenspiel bringen und besseres Gefühl für diese Aufbauen kann.

    Google mal nach dem "Schulterhorn" - das hat mir nach meiner Schulterverletzung wahnsinnig gut geholfen. Ich habe hypermobile Schultern, die ich damit gut in den Griff bekommen habe. Ich denke, damit könntest du auch einer erneuten Luxation entgegen wirken und es in dein Sportprogramm mit aufnehmen. Wenn es dich interessiert, ruf dort einfach mal an, die beraten sehr freundlich und fundiert!

    privat


    Der Achterlauf sieht mit jetzt nicht nach einer besonders Luxationsgefährdenden Übung aus. Ich vermute mal, dass diejenigen bei denen es zu einer Schulterlux bei der Übung gekommen ist, schon eine Vorschädigung gehabt haben wie bei dir z.B.



    willowzwo schrieb:

    2. In welchem Zeitlichen Rahmen kann ich mich wieder in Richtung von vertikalen Übungen wie Klimmzügen und Schulterdrücken nähern? Mir wurde nur geraten, auf meinen Körpergefühl zu achten - Jedoch was ist die Faustregel hier?


    willowzwo schrieb:

    Jedoch, wegen dem weiteren Verlauf: Ist es ab dem dritten Monat wieder Realistisch, schweren Kraftsport zu betreiben

    Nun, eine Schulter braucht Zeit zum heilen und Zeit für die Stabilisation nach Sublux und Lux.

    Bis deine Schulter wieder sportlich Belastbar ist und du auch sportartspezifisch Trainieren kannst dauert es 6 Monate. Bedenken musst du dass deine Schulter sich noch in der Regenerationsphase befindet ( 3. Stadium der Wundheilung/Trauma) Diese kann Wochen bis Monate dauern.

    Nach 6 Monaten kannst du also dein Kraft und Kampfsporttrainig wieder aufnehmen, solltest aber die Luxationsgefährdende Richtung ( Schulterabduktion und Außenrotation) noch meiden wie z.B. Schulterdrücken. Also Bewegungen wo die Schulter nach hinten bewegt oder überstreckt wird.

    Bis zum 6.Monat sollte die Therapie weiter aus Kraftaufbau, Koordinations ( Sensomotorik) und Stabilisationstraining bestehen, sowie Propriozeptives Training.


    Also ab April kannst du dann Kraft und Kampfsporttraining wieder aufnehmen, weil dann die Sportfähigkeit wieder gegeben sein sollte.

    Vielen Dank für die Antworten.

    Jedoch bin ich sehr verwirrt wegen den Aussagen hier. Die Orthopäden und Physiotherapeuten waren der Ansicht, dass ich mich wieder sportlich betätigen kann und in den folgenden Wochen/Monaten auch wieder sportspezifisch die Belastungen intensivieren kann. Immerhin bin ich ja schon beim 2. Monat seit dem letzten Vorfall.


    Weiterhin lese ich auch im Internet, dass man bei kompletten Luxationen des Schultergelenks zwischen 6 Wochen und 3 Monaten auch wieder schweres Gewichtstraining absolvieren kann. Sind das widersprüchliche Auffassungen?

    willowzwo schrieb:

    Immerhin bin ich ja schon beim 2. Monat seit dem letzten Vorfall.

    Wenn du sicher gehen willst das es nicht ein drittes mal passiert, dann 6 Monate Pause und koordinativ Üben und dann sportartspezifisch.

    Schulter darf man nicht unterschätzen.


    privat