Tim, Steven und meine anderen drei Sternenkinder

    Hallo meine Schätze,


    wie so oft denke ich heute wieder sehr an euch.


    Ich frage mich, wie es euch geht, da oben bei den anderen Sternenkindern. Vielleicht seid ihr auch bei eurer Uroma, die euch ganz sicher sehr lieb hat. Die Frau meines Onkels ist seit einigen Monaten auch bei euch. Habt ihr sie schon gesehen?


    Heute habe ich wieder um euch geweint. Ihr hättet noch so viel erleben sollen. Es ist einfach nicht fair, dass ihr vor uns Eltern gehen musstet. Wie geht es meinem Bruder da oben? Auch seinen Tod habe ich noch nicht verkraftet.


    Ihr wisst ja, dass ich seit der Geburt von dir, Steven, in psychologischer Behandlung bin. Ich darf jederzeit zu ihr kommen, wenn es wieder zu schlimm wird und sie meinte, ich solle euch schreiben, wann immer mir danach zumute ist. Ich hoffe, es hilft mir, mit allem umzugehen.


    Wenn ich noch einmal die Chance hätte, ich hätte vieles anders gemacht und ich denke, dass dann drei von euch Erdenkinder sein könntet. Wenn ich die Zeit nur zurückdrehen könnte.


    Tim, du hast mittlerweile zwei Geschwister bekommen. Ich hoffe, du passt gut auf sie auf. Ich wollte dich im Krankenhaus nicht mehr hergeben, habe nur geschrieen, dass sie dich nicht bekommen werden, da sie schon ein Kind von mir haben. Erst eine Beruhigungsspritze hat mich zu schwach gemacht und sie nahmen dich aus meinem Arm.


    Steven, bitte verzeihe mir, dass ich Angst hatte, dich nicht lieben zu können. Wie du weißt, wollte ich dich nicht töten lassen, sondern habe mich für dich entschieden. Doch die Angst blieb so lange, bis du dann freiwillig gegangen bist. Mein schlechtes Gewissen macht mich fertig. Immer noch! Ich habe dich zum Abschied nicht einmal in meinen Armen gehalten. Es ging einfach nicht. Du musst dich sehr unwillkommen gefühlt haben, da ich dir nicht einmal zum Abschied einen Kuss gegeben habe. Dich nicht in meinen Armen gewiegt habe. Die Hebamme fragte mich, ob ich dich sehen möchte, selbst das habe ich verneint. Mein kleiner Schatz, es tut mir so leid, wie alles gekommen ist. Wie leichtsinnig ich mit deinem Leben umgegangen bin. Irgendwie wollte ich, dass du von alleine gehst, doch kaum hatte ich Blutungen, habe ich mich bei dir entschuldigt und bin sofort ins Bett und habe mich geschont. Weshalb wurde uns der Anfang so schwer gemacht. Weshalb hat dein Vater mir das angetan?


    Meine drei Mini Sternchen, wir wissen nicht, ob ihr Mädchen oder Jungs geworden wärt. Deshalb habt ihr neutrale Namen bekommen. Robin, es tut mir so leid, dass ich die Rolltreppe herunter gefallen bin. Hätte ich die Treppe oder den Fahrstuhl genommen, wärst du wahrscheinlich in meinem Leben. Dein Vater hat mir sehr viel bedeutet. Auch wenn er anfangs wollte, dass du nicht geboren wirst, habe ich um dich gekämpft und als er dann ein Baby sah, bekam er Tränen in die Augen und hat gesagt, er möchte auch, dass du zur Welt kommen darfst. Die letzten Wochen waren so schön, doch dann der Unfall und du musstest gehen.


    Kim und Lovis, ihr zwei wart viel zu klein, um euch zu sehen. Kim, du hattest Trisomie 18 und hättest keine Chance gehabt, zu leben. Deshalb war ich erleichtert, dass die Natur so früh entschieden hatte, dass du nicht weiterwachsen sollst. So blieb dir und uns viel Leid erspart. Lovis, bei dir weiß ich nur, dass du ein gesundes Baby geworden wärst. Meine Gyn sagte mir, es wäre "eine Laune der Natur" gewesen, dass du dich dennoch nicht weiterentwickelt hast.


    Ich habe diesen Faden eröffnet, damit ich euch immer Schreiben kann, wenn der Schmerz zu groß wird, oder ich einfach an euch denken möchte. Ich liebe euch und werde keinen von euch jemals vergessen. Bitte lasst es euch gut gehen, ich freue mich schon darauf, wenn ich euch wieder sehen darf. Und dann sind wir zusammen. Für immer und ewig und niemand wird uns dann trennen können. Jetzt muss ich für eure Geschwister bzw. Halbgeschwister stark sein.


    In ewiger Liebe und Dankbarkeit, dass es euch gab und jetzt im Himmel gibt.


    Eure Mama

  • 24 Antworten

    Danke r a l f und TOFU.


    Meine kleinen Schätze, ich frage mich, wann der Schmerz endlich erträglicher wird. Es gibt Zeiten, da komme ich gut damit zurecht. Dann wird es wieder ganz schlimm und ich erlebe die Zeit, in der ich euch verloren habe, immer wieder von neuem. Ihr wärt teilweise schon so groß und ich frage mich bei dir Kim, wenn du gesund gewesen wärst, ob du schon eine/n Partner/in hättest. Wie ihr, meine Jungs, in der Schule zurecht kommen würdet. Ob ihr Spaß daran hättet oder ob ihr froh wärt, wenn sie aus ist und ihr wieder nach Hause könntet. Robin, bei dir denke ich ähnlich wie bei den Jungs. Und du, kleine/r Lovis, wärst jetzt zwei Jahre alt und würdest uns wahrscheinlich mit deinem Trotzköpfchen austesten, wie weit du gehen könntest.


    Ich habe euch so lieb. :-x Eure kleine Schwester schläft endlich. Und unser Lausejunge ist immer noch munter und ist fleißig seiner großen Schwester am helfen. Und mein Großer ist gerade mit seiner Klasse im Landschulheim und kommt morgen wieder.


    Was wäre ich los, wenn ihr Sternchen auch bei uns wärt?

    Danke dir Sally.


    Ich weiß nicht, weshalb der Schmerz in den letzten Wochen wieder so stark ist. Es gab bessere Zeiten. Aber momentan frisst mich mein schlechtes Gewissen regelrecht auf.


    Ich liebe euch für immer, meine kleinen Mäuschen.

    :°_ tut mir leid dass du so viele Kinder gehen lassen musstest :°_


    Ich bin mir sicher sie sind im Himmel und es geht Ihnen gut. Mein Sternchen Moritz (20.ssw, frühzeitige geburtseinleitung weil der kleine Mann krank (Spina bifida & "Wasserkopf" war :-( )


    Und mach dir keine Vorwürfe dass du dein eines Kind nicht sehen wolltest. Ich glaube nicht dass er es dir übel nimmt.


    So eine Situation überfordert jeden, der darin ist und man macht manchmal Dinge die nicht "logisch" erscheinen.


    Ich hab zB bei den presswehen inne gehalten Und geheult dass ich nicht will dass er geht... weil ich mein Baby nicht hergeben wollte - es gehörte doch zu mir, in meinen Bauch .. :°(


    Bitte mach es dir daher nicht schwerer als es ist - doch trifft keine Schuld, du warst einfach nur überfordert, wie jeder es in der Situation gewesen wäre :°_ :)*

    Honey, danke für deine Worte. Ich habe am Anfang auch in deinen Thread geschrieben. Doch als du dann regelmäßig vom sterben deines Kleinen geschrieben hast, konnte ich da nicht mehr mitlesen bzw. etwas schreiben. Ich hoffe, du bist nicht sauer. Aber genau das machte mich so fertig. Ich frage mich bis heute, ob Tim und Steven qualvoll sterben mussten oder ob sie schnell gehen durften. Bei Tim wollten sie noch einen Kaiserschnitt machen, damit er eine kleine Chance hat, zu überleben. Es hat nicht gereicht, er kam spontan. Vielleicht wäre er sonst hier, würde lachen, weinen, mit seinen Geschwistern spielen und streiten. Ach, es wird wohl nie enden, dieser Schmerz. Dieses "was wäre wenn" obwohl es nichts mehr bringt.

    Quatsch das ist doch total verständlich!


    Ich nehm dir das in keiner Weise übel :)_


    Ja dieses "was wäre wenn" kenne ich auch... Man stellt sich sein Kind gesund spielend mit den anderen vor, fragt sich wie es jetzt wohl aussehen würde, wie es wäre ihn zu kuscheln, zu baden, mit ihm zu spielen... Aber all das wird es nie geben, egal wie sehr man es sich wünscht... :°(


    Michelle hatte da ein schönen Lied, das es ziemlich genau beschreibt:

    Das Gedicht ist schön. Ich liebe das mit dem Licht, kennst du das? Jedes mal, wenn ich es lese, fange ich an zu weinen.


    Was gäbe ich dafür, wenn die Minimenschlein wieder bei uns wären. Wenn endlich mal diese Schuldgefühle ein Ende hätten. Wenn ich verstehen würde, weshalb Lovis gehen musste. Ein kerngesundes Kind. Ach, das grübeln ändert nichts. Es ist, wie es ist. Aber gerade heute ist die Sehnsucht wieder so groß.

    Ihr fehlt mir so sehr. Steven, bitte verzeihe mir. Nicht dein Vater war der Grund, dass ich dich nicht im Arm halten wollte. Sondern die Angst, ein totes Baby zu berühren. Kannst du mich verstehen? Ich denke nicht, ich verstehe es auch nicht.


    Ich habe mir nur geschworen, sollte es wieder passieren, dann werde ich das tote Baby lange in meinen Armen wiegen, ihm vorsingen und ein Schlaflied für seinen ewigen Schlaf vorsingen. Ich wusste ja nicht, dass es bei dir, Tim, noch einmal geschehen würde.


    Schlaft gut, meine Schätze. Ihr werdet alle unvergessen bleiben.

    Meine Lieblinge, Mama hat nur einen Wunsch. Sie möchte zu euch. All die verlorene Zeit mit euch nachholen. Ich vermisse euch so sehr.


    Aber ich habe hier Erdenkinder, die mich brauchen. Doch mein einziger Wunsch ist, endlich bei euch sein zu dürfen. Ich liebe euch.


    Tim, ich kann nicht einmal dein Grab besuchen. Es kümmern sich deine Omi und Fremde darum. Das belastet mich auch sehr, weshalb hat eure andere Oma uns das Leben so schwer gemacht. Weshalb nicht geholfen, anstatt uns diese Bürde aufzulasten? Sie kann an das Grab ihres Kindes. Ich nicht. Und bei dir Steven weiß ich nicht einmal, wo du liegst. Deine Oma sagte, sie würde es wissen. Es war mein Weihnachtswunsch, dass sie es mir sagt. Sie hat ihn mir nicht erfüllt. Jahre später sagte sie auf einmal, sie wisse es doch nicht. Was soll das?


    Es geht mir so schlecht ohne euch. Fühle mich schwach, kann kaum mehr stehen, ohne das mir schwarz wird.


    In ewiger Liebe x:)


    eure Mama

    Liebe Jaalma,

    Zitat

    Es geht mir so schlecht ohne euch. Fühle mich schwach, kann kaum mehr stehen, ohne das mir schwarz wird.

    Ich hatte dir drüben in deinem anderen aktuellen Faden gerade geschrieben.


    Hier lese ich deine berührenden Worte, und wollte dazu eigentlich schweigen. Nur kann ich es zu obigen Zeilen einfach nicht.


    Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, wenn ich frage, ob deine Sternchen das wohl gewollt hätten, wenn du dich so unbarmherzig selbst bestraft, dass es dir so schlecht geht. Und deine anderen Kinder brauchen ihre Mutter, wenn möglich eine fröhliche Mama.

    Liebe Hayley M., ich habe ihnen immer die fröhliche Mama vorgespielt, war abgelenkt. Ich kann es seit Tagen nicht mehr. Nun hängt die Kleine an ihrem großen Halbbruder und der Kleine bei seinen Großeltern. Habe Freitag wieder einen Termin bei meiner Psychiaterin. Hoffe, sie hat einen Tipp für mich. So fertig war ich seit Jahren nicht mehr.

    Ach was denkst du, wie es ist, wenn man seinen Erdenkindern nur das Beste geben möchte. Sie sollen glücklich sein, dafür lasse ich mich behandeln, damit es noch schöner wird. Und jetzt bekomme ich hier zu hören, dass ich meinen Erdenkindern auch nicht gut tue.


    Ich bin hier auf Erden wirklich am falschen Platz. Aber egal, ich lebe weiter, denn wenn ich eines weiß, ich liebe meine Kinder und sie mich und das kann kein fremder User hier verderben.

    Jaalma, allein schon die Tatsache, dass Du auf einzelne Beiträge von Usern, die Du gar nicht kennst, direkt mit erneuten Äusserungen à la "Ich bin hier auf Erden wirklich am falschen Platz" reagierst, zeigt, dass Du lieber heute als morgen psychologische Hilfe in Anspruch nehmen solltest. Nach eigener Aussage hilft Dir Deine Therapeutin nicht wirklich, sondern "hört nur zu".


    Auch, dass Du nicht zwischen Usern differenzierst, sondern direkt zum Rundumschlag ausholst, spricht nicht wirklich für Deine emotionale Stabilität.


    Wohlbemerkt ging es hier um einzelne Beiträge, in denen nicht etwa Deine Qualitäten als Mutter in Frage gestellt werden, sondern betont wurde, dass Deine Kinder mehr von einer glücklichen Mutter haben als von einer unglücklichen.


    Aber ich möchte in Deinen Threads nichts mehr schreiben - ich wünsche Dir alles Gute @:)

  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.
  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.