• Dauerhaft wenig Energie - wie lebt ihr damit?

    Sicherlich gibt es hier einige, die chronisch wenig bzw. weniger Energie haben im Alltag. Sei es aufgrund einer Erkrankung, als Nebenwirkung von Medikamenten oder einfach so. Wie äußert sich diese Energielosigkeit bei euch? Welche Beschwerden habt ihr dadurch? Wie habt ihr euch damit arrangiert? Und welche Einschränkungen in eurem Alltag dadurch…
  • 75 Antworten

    Naja, aber auch damit tue ich mich schwer. Ist es der Leidensdruck der mich schließlich etwas machen lässt oder nicht. Ich bin tatsächlich am Grübeln.

    just_looking? schrieb:

    Ich habe diesbezüglich eine ernst gemeinte Frage. Wenn ich mir mich so anschaue, woran erkennt man den Unterschied zwischen Antriebslosigkeit/wenig Energie und Faulheit?


    Hintergrund: ich weiß ich habe weniger Energie als andere, wurde auch schon als faul bezeichnet. Allerdings ich kenne meinen Energie Status nicht anders. Daher fällt mir das jetzt auch nicht direkt auf. Zumindest nicht dauernd, das ist halt irgendwie normal für mich. Und ich kann echt nicht immer unterscheiden ob ich jetzt etwas nicht tue weil ich nicht will oder nicht "kann".

    Gute Frage. Ich bin mir selbst bei mir nicht sicher, ob ich nun einfach faul bin oder es an fehlender Energie liegt.


    Da ich früh an einer Stoffwechselerkrankung erkrankt bin und später eine Lebensmittelunverträglichkeit dazu kam, kenne ich es von mir die meiste Zeit meines Lebens auch nicht anders, als wenig(er) Energie als Gleichaltrige zu haben und auch weniger emotional zu sein.


    Sowohl die Stoffwechselerkrankung, als auch die Lebensmittelintoleranz sind bei mir erst nach vielen Jahren erkannt worden. Vorher haben mir sowohl meine Familie, als auch Ärzte zu verstehen gegeben, dass ich a) doch gar nichts habe, b) mich einfach zwingen/überwinden muss, c) doch einfach mal ausschlafen sollte, d) faul sei bzw. e) dass doch gar nicht sien könnte, dass ich schon wieder müde sei.


    Gut, dass mit dem Faulsein kam ausschließlich von meiner Familie, aber das Ganze prägt über die Jahre. Ich habe meinen Zustand dann auch für normal gehalten und all die Jahre versucht, meine Faulheit irgendwie in den Griff zu bekommen.


    Nach den Diagnosen hat sich meine Familie bei mir entschuldigt, nur ich denke bis heute auch immer noch, dass es mit mehr Willenskraft meinerseits doch gehen müsste und hadere damit, dass ich mich oft nicht mehr zusammenreiße.


    Ich denke schon, dass ich auch faul bin. Am schlimmsten war es in der Schulzeit und während des Studiums. Eben auch, weil nicht einmal Ärzte das ernst genommen haben, ich hatte da irgendwann an Suizid gedacht, weil ich nichts hinbekommen habe und dauermüde und antriebslos war, dazu die emotionale Phlegmatik - mir hat nichts Spaß gemacht und sonderlich stark fühlen tue ich bis heute nichts. Es ist aber seit der Behandlung besser geworden und mein Körper fühlt sich wieder lebendiger an und nicht mehr wie scheintot. Erst nach meinem Studium wurden die Diagnosen gestellt; die Lebensmittelintoleranz habe ich selbst erkannt und mein Hausarzt meinte dazu, dass das passt und einen Wert, der bei mir immer unerklärlicherweise zu hoch war, erklärt.


    Wegen meiner Vorgeschichte ist es mir wichtig, zumindest meine beruflichen Pflichten ordentlich zu erledigen, möglichst auch die privaten Aufgaben, und mich nicht von meinem Körper oder der Psyche daran hindern zu lassen. Zumal ich auch am Anfang des Erwerbslebens stehe und mein Beruf nur in Vollzeit mit langen Anwesenheitszeiten möglich ist. Das verlangt mir gesundheitlich schon ein wenig was ab, wodurch privat nichts mehr viel los ist, andererseits tut es mir auch gut.


    Mir fehlt das Gefühl dafür, wie ich ohne die Erkankung drauf wäre energiemäßig, wo eben mein persönliches Wohlfühllevel läge.

    Im Moment habe ich noch Urlaub, aber wie immer habe ich von den vorgenommenen Aufgaben kaum etwas erledigt. Stattdessen hat sich mein Tag-Nacht-Rhythmus mal wieder gedreht.


    Das ist noch ein weiterer Punkt: Ich bin von meinem Biorhythmus her eine Eule und neige auch eher zu einem längerem Tagesrhythmus, als einem 24h-Rhythmus. Wenn ich mich jeden Tag sehr diszipliniere, klappt es auch mit ausreichedn schlafen und Aufstehen um 7 Uhr, aber es erfordert tägliche Disziplin, die ich leider nicht habe. Die meiste Zeit kämpfe ich damit, dass es nicht zu sehr ausartet.

    Wobei ich auch so wie jetzt im Urlaub nicht unbedingt wach munterer bin, wenn ich so ins Bett gehe und aufstehe, wie mein Körper das von sich aus signalisiert. Außerdem mag ich es überhaupt nicht, den halben Tag zu verschlafen. Dann komme ich mir erst recht faul vor und ehrlicherweise bekomme ich dann auch weniger erledigt, als wenn ich morgens aufstehe.

    Vitamine etc. supplementiere ich übrigens bereits, weil ich da zu Mängeln neige, auch bei guter Ernährung. Medikamentös bin ich bzgl. der Stoffwechselerkrankung (Hashimoto) auch gut eingestellt. Nieren- und Leberwerte werden auch von Zeit zu Zeit kontrolliert, weil ich da familiär vorbelastet bin und vor wenigen Jahren eine Sepsis usw. hatte, bei der die Leber ein wenig was abbekommen hat. Außerdem war da wegen der akuten (und erst übersehenen) Sepsis der Stoffwechsel entgleist. Das ist hat sich aber alles wieder erholt.


    Rein auf dem Papier bin ich sehr gesund und ich möchte mich auch nicht unnötig anstellen; ich komme mir damit eh sehr dumm vor.

    Das ist es was ich meine. Diese Grenze, was ist ich will nicht und was ist ich kann nicht, das ist echt nicht einfach. Und der Leidensdruck, der ist halt auch nicht direkt einfach ausgemacht, finde ich zumindest. Denn ich weiß ja was unbedingt nötig ist. Arbeit zum Beispiel, das muss. Aber wenn ich davon heim komme, dann geht erst mal nicht viel.


    Übrigens, das mit der Eule habe ich auch, wenn ich aber tatsächlich frei habe (länger als einen Tag, sogar beim Wochenende merke ich es schon) verschiebt sich alles. Und wenn das so ist, ich also selbst alles einteilen kann, dann finden produktive Handlungen, wenn überhaupt, in der Nacht vor. Energie oder Antrieb habe ich trotzdem nicht groß, aber das "das muss jetzt" das sonst für die Arbeit drauf geht, kann dann dafür genutzt werden.

    Nessaja68 schrieb:

    ;-D ;-D herrlich, hier wurde grade meine Fibromyalgie ( Die ich übrigens seit 20 Jahren habe. Ich bin über mein Krankheitsbild sehr gut informiert) mit Gymnastik geheilt ":/ Ich weiß grad gar nicht was ich sagen soll. Ausser vielleicht das Fatigue bei mir zum Krankheitsbild gehört und Land_Kind bitte erst informieren bevor man einfach etwas raushaut :|N

    Naja heilen wohl nicht, aber dass Bewegung ein entscheidender Faktor zur Besserung ist ist unbestritten!

    just_looking? schrieb:

    Diese Grenze, was ist ich will nicht und was ist ich kann nicht, das ist echt nicht einfach.

    Nee, das finde ich auch absolut nicht leicht. Versuch und Irrtum hilft leider auch nicht unbedingt weiter.


    just_looking? schrieb:

    Übrigens, das mit der Eule habe ich auch, wenn ich aber tatsächlich frei habe (länger als einen Tag, sogar beim Wochenende merke ich es schon) verschiebt sich alles. Und wenn das so ist, ich also selbst alles einteilen kann, dann finden produktive Handlungen, wenn überhaupt, in der Nacht vor.

    Bei mir finden die auch am ehesten nachts statt. Einmal, weil ich dann plötzlich etwas Energie bekomme, egal wie müde ich vorher gewesen bin. Und andererseits, weil mich das schlechte Gewissen plagt, so nach dem Motto: Jetzt ist der Tag rum und ich habe wieder nichts geschafft.


    just_looking? schrieb:

    Energie oder Antrieb habe ich trotzdem nicht groß, aber das "das muss jetzt" das sonst für die Arbeit drauf geht, kann dann dafür genutzt werden.

    Mir fehlt dieses "das muss jetzt" privat leider trotzdem. Auf der Arbeit herrscht viel Zeitdruck und die Anforderungen sind hoch. Das stresst mich chronisch und hilft mir zugleich, weil ich eigentlich generell zum Aufschieben neige. Ein bisschen hat mir die Arbeit dabei auch privat geholfen. Außerdem hat es sich am Arbeitsplatz mit der Aufgabenverteilung usw. etwas sortiert. So richtig ruhiges Fahrwasser habe ich aber seit meinem Berufsanfang dort vor etwa fast 2 Jahren bislang nicht gehabt. Es wird aber besser. Ich habe jetzt auch erstmalig 2 Wochen Urlaub am Stück nehmen können, das ist auch gut.


    Leider bin ich privat dafür seit meiner Berufstätigkeit auch durch Zeitdruck nicht mehr zu motivieren. Manchmal habe ich den Verdacht, dass mein Körper privat einfach keine notwendigen Stresshormone ausschüttet, die ich bräuchte, um in die Gänge zu kommen. Ich hatte mal überlegt, Cortisol überprüfen zu lassen, aber ich argwöhne, dass ich unbewusst bloß einen Strohhalm suche, um eine Ausrede zu haben.

    Also das "es muss jetzt" ist bei mir privat auch geringer, aber ohne Arbeit davor ist es leichter mal möglich als damit. Wenn ich dann einmal einen Energieschub bekomme (passiert nicht zwingend), dann schaffe ich auch etwas. Aber wenn ich eben arbeiten war, dann ist die Energieanzeige so viel niedriger.


    Zitat

    Bei mir finden die auch am ehesten nachts statt. Einmal, weil ich dann plötzlich etwas Energie bekomme, egal wie müde ich vorher gewesen bin. Und andererseits, weil mich das schlechte Gewissen plagt, so nach dem Motto: Jetzt ist der Tag rum und ich habe wieder nichts geschafft.

    Oh ja, das gerne ich sehr gut.

    Bei deinem Eingangspost habe ich direkt an Schilddrüse gedacht. Etwas weiter unten, hast du es ja dann auch bestätigt. Bist du diesbezüglich sicher, dass du gut eingestellt bist? Bist du bei einem Spezialisten, der zweimal im Jahr eine Kontrolle macht und anhand deiner Symptome (und nicht nach Lehrbuch-Werten) einstellt?


    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zwischen vermeintlich gut eingestellt mit entsprechendem Medikament und wirklich gut eingestellt mit der entsprechenden, ggf von Zeit zu Zeit variablen Dosis, Welten liegen. Und das "wirklich-gut-Einstellen", kann sich durchaus über Monate hinziehen, bis man seinen eigenen Wohlfühl-Punkt gefunden hat, der sich nicht zwingend nach dem Lehrbuch richtet. Erst wenn du dich wirklich fit fühlst, bist du auch gut eingestellt. Und das kann bei Hashimoto durch einen Schub durchaus von Zeit zu Zeit schwanken.


    Da noch mal genauer zu schauen, wäre einen Versuch wert.

    Jetzt frage ich mich ernsthaft wo steht das ich mich nicht bewege??

    Ich gehe trotz allem täglich spazieren, normalerweise auch schwimmen ( schwierig dieses Jahr), wohne im zweiten Stock ohne Aufzug, habe regelmäßig Physiotherapie und gehe bis heute wenn es mir gut geht zum reiten.

    Reicht das an Bewegung ":/

    Als ich auf den Eingangspost geantwortet habe dachte ich eigentlich das sich hier Betroffene vielleicht untereinander austauschen.


    Stattdessen lese ich schon wieder diesen Energie Heini %:|

    _Lynx_ schrieb:

    Mir fehlt das Gefühl dafür, wie ich ohne die Erkankung drauf wäre energiemäßig, wo eben mein persönliches Wohlfühllevel läge.

    Generell ist es doch so, dass Menschen ein unterschiedliches Tempo haben. Wenn sich mein Tempo im Vergleich zu vor einem Jahr ändert, dann stellt sich mir die Frage warum, aber nicht, wenn jemand anderer schneller oder langsamer ist, mehr tut oder weniger. Das hilft mir meinen eigenen Alltag zu bestreiten wenig bis gar nicht. Es kann eine Krankheit der Grund dafür sein, dass ich heute weniger schaffe als gestern, ändert aber nichts, dass ich nur damit haushalten kann, was mir zur Verfügung steht. Insofern geht es mir darum, dass ich meine Energie für die Dinge aufteile, die mir wichtig sind. Ein persönliches Wohlgefühl erreiche ich, wenn ich mich so annehme, wie ich bin. Es gab Zeiten, da hatte ich den Eindruck, dass ich über den Tag "krieche", gerade mal geschafft habe zur Arbeit zu gehen und nach Hause und ich fand es sehr mühsam. Das hat sich dann durch die Behandlung deutlich gebessert, aber so wie früher wurde es nicht mehr. Auch da finde ich es zu vergleichen sinnlos.

    Yoga, Pilates, Spazierengehen, Physio, arbeiten, Haushalt... und das alles muss.

    Muss es das? Läuft da was weg? Meiner Erfahrung nach ist morgen auch noch alles da.

    Und das was "muss", muss vielleicht auch nicht immer zu 100% und total perfekt.

    Runterfahren muss vielleicht eben auch.

    melb1985 schrieb:

    Yoga, Pilates, Spazierengehen, Physio, arbeiten, Haushalt... und das alles muss.

    Muss es das? Läuft da was weg? Meiner Erfahrung nach ist morgen auch noch alles da.

    Und das was "muss", muss vielleicht auch nicht immer zu 100% und total perfekt.

    Runterfahren muss vielleicht eben auch.

    richtig... Chillen muss ein ;)