• Alkohol – willenlos verloren?

    Ich fragte mich in letzter Zeit mehrfach, anhand von Beiträgen hier im Forum, eigenen Erfahrungen und auch Leuten aus dem Bekanntenkreis, ob es sein kann, dass jemand, der Alkoholiker ist, gar keine Chance hat, irgendwas gegen die Sucht zu tun.. ob es das vorbestimmte Schicksal ist, bis zum bitteren Ende weiterzutrinken (und eventuell auf dem absoluten…
  • 174 Antworten

    Allerdings ist die Debatte auch nicht wirklich sinnvoll, finde ich.


    Die Thesen, dass ein normaler Umgang mit Alkohol für Alkis dann möglich wäre, wenn


    a) sie sich mit den hinter ihrer Sucht liegenden Problemen beschäftigen würden


    und


    b) sie, um dies zu vermeiden, lieber die Totalabstinzen wählen


    sind einfach beide vollkommen unzutreffend. Darüber zu diskutieren kommt mir vor als würde man darüber diskutieren wollen, ob Steine, die man vom Balkon wirft, wegen der Schwerkraft runter fallen, oder weil sie der Wind nach unten weht, oder sowas. Vollkommen abwegig.

    @ Nova 2014

    Ja, genau das meinte ich ja.. Zucker mag sowas auslösen, aber er klebt sich nicht selber an die Synapsen (wie Alkohol es aber tut). Beim Zucker wirken nach wie vor NUR körpereigene Neurotransmitter, bei Alk (Benzos, Heroin etc.) wird direkt die Synapse von dem Suchtstoff belegt.

    Hmm … ":/ Deine Rückschlüsse kann ich gerade wieder nicht nachvollziehen. Es geht doch bei all dem um Betrachtungsweisen, Möglichkeiten, Chancen …


    Und ob es die Synapsen sind oder die Neutrotransmitter – ist doch völlig egal, Sucht ist Sucht. Worum gehts Dir denn gerade? %-|

    Zitat

    Wobei, wie wäre es bei Dir denn wenn Du z.B. ein halbes Bier trinkst?

    Das stimmt schon, deshalb sind es ja auch meist 2 Bier, eins reicht mir nicht.


    Aber es mußr dann auch nicht mehr sein, obwohl ich 5-6 trinken könnte ohne besoffen zu sein.


    Ich hatte gerade mit meiner Freundin, so einen Diskussion, über die Elterngeneration, also die schon so um die 80 sind. Und da gibt es halt welche (auch mein Vater), den stellst du 3-4 Flaschen Wein hin und dann sind die weg, da gibt es dann einfach keine Grenze.

    Okay Jan, deine Sucht ist anders und natürlich viel schwerwiegender. Es gibt nur die eine Chance: mit Willenskraft für immer abstinent zu bleiben. Das ist natürlich extrem schwer, weil - siehe oben - deine Sucht so besonders schlimm und hinterhältig ist. Die ganzen Hirnstoffwechselprozesse und dass Alkohol irgendwo andockt, wo Dinge ausgelöst werden, die du nicht mehr steuern kannst, sind natürlich eine ganz logische Erklärung, warum es dir dann hin und wieder passiert, dass du 150ml reinen Alkohol trinken musst. Du kannst ja quasi gar nicht anders, schließlich ist das mit Alkohol eben so.


    Und die paar andere, bei denen das nicht so ist, die sind natürlich gar nicht in echt süchtig gewesen, sondern sind irgendwelche medizinischen Sonderfälle... %-|


    Tja, und genau das ist es, was ich irgendwann mal zwischendrin schrieb hinsichtlich der Übernahme der Verantwortung. So lange du tatsächlich auf so einer Ebene argumentierst, steckst du noch ganz schön tief in der Sucht. Auch wenn du meinst, dass vordergründig das meiste in Ordnung zu sein scheint, diskutierst du wie ein Süchtiger.


    Auf einem guten Weg bist du, wenn du irgendwann nicht mehr betonen musst, wie besonders schlimm die ominöse Sucht doch ist und Dinge aufzählst, warum du ihr ja so hilflos ausgeliefert bist. Das interessiert nämlich niemanden und der Weg zum Erfolg ist scheißegal, sofern du dein Ziel erreichst und irgendwann einfach keinen Alkohol mehr brauchst.

    Ich kann Dir auch nicht so ganz folgen Jan.


    Was ist den der Sinn des Thread?


    Wirklich süchtig bis Du in meinen Augen nicht, offensichtlich kommst Du ja längere Zeit auch ohne Alk. aus. Aber wenn dann, kannst Du dich nicht einschränken.


    Ich frage mich da, muß Du dich einschränken? Den trink halt 2-3 Flaschen, okay dann geht es dir 1 Tag mies, na und?


    Ich meine, ist das Problem nicht, vllt. das Du da ein Problem siehst.


    Klar ist das nicht gesund, aber das Leben an und für sich ist lebensgefährlich ;-)

    Dass der Faden allgemein gemeint ist und es hier nicht speziell um "meine Sucht" geht, ist Dir offenbar entgangen?


    Ich hab nix weiter geschrieben als die Tatsache, dass Deine These, "Komplettabstinenz ist nur deswegen für viele der einzige Weg, weil sie sich so darum drücken können, sich den ihrer Sucht zugrundeliegenden Problemen zu stellen", vollkommen unzutreffend ist. Natürlich kann ich streng genommen nur "meiner Meinung nach unzutreffend" schreiben, aber in diesem Fall bin ich mir wirklich so sicher dass ich zu der Feststellung, dass es so IST, neige.


    Und Du kommst mir nun in etwa wieder mit "all Deine Widersprüche auf meine Behauptungen sind nichts weiter als ein sich-vor-Eigenverantwortung-Drücken von Dir". Das ist so absurd, da fällt mir gar nix zu ein.


    Sich für komplette Abstinenz zu entscheiden hat ÜBERHAUPT NIX mit "keine Eigenverantwortung" und "sich vor den zugrundeliegenden Problemen drücken" zu tun. Kontrolliertes Trinken ist einfach nicht möglich für so gut wie alle Alkis, egal wie viel Verantwortung und Problembewältigung diese Aufweisen. In der Tat ist es so, dass man es tun MUSS und nicht mehr anders kann, wenn der Prozess einmal ausgelöst wurde. Da hilft auch keine Probleme-bewältigen und Verantwortung-übernehmen, und das hat auch keine tief liegenden psychologischen Ursachen sondern simple sucht-chemische Zusammenhänge.


    Natürlich könntest Du darauf jetzt "ja siehst Du Jan, Du scheibst halt wirklich die Verantwortung weg, Du schreibst ja gerade selber – man KANN dann nicht anders, kann also alles darauf schieben". Aber dann erreicht die Diskussion ein Ausmaß an Absurdität das ich sie nicht sinnvoll finde.

    @ Gucky

    der Sinn des Fadens, gute Frage. War halt mal wieder ein Gedanke den ich hatte, den ich diskutieren wollte. Nicht mehr und nicht weniger.


    In der Tat kann ich ab und an auch die gewünchte Menge Wein trinken, am nächsten Tag durchhängen (was gar nicht so wahnsinnig oft vorkommt), es dann wieder sein lassen, und gut ist. Ist ja de fakto auch das, was ich tue. Ich sehe da auch nicht wirklich ein großes Problem drin. Andererseits stelle ich fest, dass es mir schwer fällt, wirklich komplett ohne das Zeug auszukommen.


    Eigentlich gehts mir so in etwa um "ich ahne, dass 'richtige Alkis', die das, was ich in Anflügen zu verspüren meine, richtig intensiv haben, es in der Tat sehr schwierig finden, von dem Zeug wegzukommen bzw. es quasi unmöglich sein könnte. Stimmt das?' ". Das wäre dann der Sinn des Fadens.

    Also ich weiß das auch nur aus zweiter Hand, aber ja für die ist das quasi unmöglich.


    Die haben natürlich die psychologische Abhänigkeit, die wir ja im Gewissen Sinn auch schon haben. Nur sind die Mengen noch größer und fast ständig und dann kommt halt noch die körperlich Abhänigkeit hinzu. Und oft ist es ja auch so, das die Mengen immer größer werden.


    Eine zeitlang, war ich ja auch schon bei 4 Bier, weil 2 nicht mehr gereicht habe. Insofern, war die Herzangst und der hohe BD sogar gut, weil das mußte ich mich einschränken.


    Vorher ging es mir mit den 4 Bier gut (so fühlte ich mich zumindest), mit den Medis, ging es mir dann aber schlecht.


    Also der Alk. ist ja so eine Art Lebenshandlung so nenne ich das mal, man hat sich daruf eingefahren, Gehrin und später auch Körper. Wie ein Fkuß der sich sein Bett gräbt.


    Um das wieder raus zu kommen, muß man (ähnlich wie bei der Angsterkrankung), neue Wege lernen. Aber der alte Weg ist immer noch da und er ist auch bequemer, weil er über Jahre, Jahrzehnte gewachsen ist.


    Trinkt der 'Alki' nun ein Bier, erinnert er sich wieder an den alten Weg und die Chance ist groß, das er ihn benutzen wird.

    Das mit dem "angstbedingt einschränken müssen" war bei mir ja auch so, wie Du weisst.

    Zitat

    Trinkt der 'Alki' nun ein Bier, erinnert er sich wieder an den alten Weg und die Chance ist groß, das er ihn benutzen wird.

    Ja, und das dann allerdings in Kombination damit, dass das eine Bier bereits eine gewisse Wirkung entfaltet, die Lust noch weiter steigt und Hemmungen, Ängste und berechtigte Gründe dagegen über Bord geworfen werden. Ausserdem wird der Alk getrunken, es läuft zum Teil auch einfach über die Regulation des Durstes.

    Das ist für mich selbst jetzt ein interessanter Ansatz, alte Wege, durch Neue ersetzen.


    Als junger Mensch, steckt man ja sehr viel weg, saufen, essen, kiffen, Überanstrengung ....


    Aber ab 40 hinter läßt das alles bleibende Spuren. Man erinnert sich aber noch an die alten Wege. Z.B. joggen fällt mir manchmal ein, wie ich früher rumpepest bin, dann komme ich ins Laufen, aber nach ein paar Minuten muß ich wieder aufgeben, weil es geht halt einfach nicht.


    Beim trinken oder essen, gibt es die automatische Sperre nicht, bzw. die kommt erst später.


    Man geht den alten Weg, weil am ihn gewohnt ist, nur er bekommt einem nicht mehr.

    Da haben sich jetzt unsere Postings überschnitten.


    Klar der kriegt mehrfach suggeriert, Oh Alk. Super , der Körper und Geist sagen, da habe ich nur drauf gewartet und es nimmt seinen Lauf.

    Wenn ich mich mal einmischen darf ;-) ich bin trocken nach wie vor.Wenn ich nur mal ein Glas Wein trinken könnte weiss ich genau das ich mein damaliges Pensum erreichen muss.Ich war damals in der Ambulanz,musste pusten 2,6 oha, nicht witzig.Die wollten mich festhalten und ich weggerannt.Echt heavy.Ab da hab ich gesagt niemals mehr.Ich kenne keinen "Kater",wenn ich genug hatte Finger im Hals zum kotzen und weiter-traurig!


    Niemals mehr möchte ich das durchmachen.Man wird immer Alki bleiben da es ja zur Gesellscjafft gehört.Und ich als Holländerin bin der Meinung das Cannabis ebenso akzeptiert werden sollte ]:D

    Ohne jetzt alles gelesen zu haben (und vielleicht daher den Faden schrottend): Ich finde, die Suchtakzeptanz kennt sehr wohl etwas zwischen "Ich bin voll und daher schlecht!" und "Ich bin nüchtern und daher gut". Ich kann dem Gedanken sehr viel abgewinnen, abstinent zu sein, sich gleichzeitig aber der Natur der Sucht und eventueller Rückfälle bewusst zu sein. De Facto geht fast keine Suchterkrankung ohne Rückfälle in alte Muster vorüber. Was ich damit sagen will: Man sollte gedanklich vom Stigma trocken = gut / trinkend = schlecht Abstand nehmen und dies mit dem Ansatz "trinkend = Zeit, um sich Hilfe zu holen" ersetzen.


    Dass dauerhafte Abstinenz möglich ist, zeigen ja Millionen von Aussteigern aus der Sucht. Allerdings bedeutet Sucht in meinen Augen, dass man sich der Machtlosigkeit angesichts des Suchtmittels eingestehen und dann Hilfe holen sollte. Der Rückfall ist keine Schande, eine Schande ist es nur, wenn man einen bewährten, guten Weg verlässt und sich in die Sucht fallen lässt mit dem Argument "Ich kann nicht anders".


    Anders kann man immer, allerdings braucht man oft professionelle Hilfe dazu.

    I

    Zitat

    n der Tat ist es so, dass man es tun MUSS und nicht mehr anders kann, wenn der Prozess einmal ausgelöst wurde. Da hilft auch keine Probleme-bewältigen und Verantwortung-übernehmen, und das hat auch keine tief liegenden psychologischen Ursachen sondern simple sucht-chemische Zusammenhänge.

    Nein, Widerspruch, es IST nicht so, es ist häufig so, aber es ist kein Gesetz, auch wenn das in den Abstinzlergruppen immer so dargestellt wird.


    Mein Bekannter ist eine Ausnahme, okay, aber er beweist damit, dass es Ausnahmen gibt, auch wenn sie wahrscheinlich eine Regel bestätigen (die vielleicht grober ist als allgemein vorausgesetzt). Hugenottin sagt es völlig richtig, es geht bei vielen – nicht bei allen – um eine emotionale Nachreifung, und danach können sie ENTWEDER gemäß ihrem Entschluss das erste Glas stehen lassen ODER es auch mal (wieder) trinken, denn der Grund fürs übermäßige Trinken hat sich aufgelöst. Wenn die Angst vor dem Suchtmittel wegfällt, ist es anders als wenn diese den Betreffenden in Schach hält.


    Eine rein chemische Körperreaktion wird zwar behauptet, und ich proklamiere jetzt auch sicher nicht das Gegenteil – es wird sie vermutich geben – aber ich glaube nicht an die immer "rein körperliche" Abhängigkeit mit zwangsweisen Reaktionen, die die Hand zur Flasche führen; genau da werden die Abhängigen komplett festgelegt. Wer das dann allerdings fest glaubt, wird oder würde es wohl auch so erleben.


    Und es gibt – da Du das Beispiel anderswo anführst – tatsächlich auch Gelegenheits-RAUCHER, die mal viel geraucht haben und jetzt nur noch ab und zu, sogar mit Genuss. :=o :(v Ich kenne auch einen solchen. Du gehst bei all Deinen Rückschlüssen komplett von Dir aus, das halte ich für einen Fehler.


    Der hier weiter angesprochene einkalkulierte Rückfall entkrampft und "entängstigt" vielleicht ebenfalls. Auch hier glaube ich inzwischen an mehrere Wege nach Rom.


    Du, Jan, trinkst, wie ich Dich verstehe, hier und da, und mit schlechtem Gewissen, eventuell dann auch mehr, um es wenigstens für diesen Moment zum Schweigen zu bringen. Dann würde ich vermutlich auch überlegen, ob das Ganze nicht fragwürdig ist und komplette Abstinenz mich nicht am Ende zufriedener machen würde.