• Alkohol – willenlos verloren?

    Ich fragte mich in letzter Zeit mehrfach, anhand von Beiträgen hier im Forum, eigenen Erfahrungen und auch Leuten aus dem Bekanntenkreis, ob es sein kann, dass jemand, der Alkoholiker ist, gar keine Chance hat, irgendwas gegen die Sucht zu tun.. ob es das vorbestimmte Schicksal ist, bis zum bitteren Ende weiterzutrinken (und eventuell auf dem absoluten…
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    Aber ist es nicht auch eigentlich die Aussage, dass man eigentlich mit dem eigenen Leben nicht zufrieden ist, aber irgendwie auch resigniert hat, entweder weil man nicht weiss was man tun soll, oder weil man spürt, dass die Hürden zu groß (oder zu angstbehaftet) sind, und man daher diese "Ausweg" wählt?


    Ich denke, das ist so, und ich denke auch, dass das sehr oft so ist. Vielleicht ist ein zufriedenstellender, klarer Weg im Leben, der ohne solche "Krücken" auskommt, auch einfach eine zwar erstrebenswerte, aber unrealistische Illusion für viele. Das Leben ist hart und voller Kampf und Kompromissse.

    Zitat

    Aber ist es nicht auch eigentlich die Aussage, dass man eigentlich mit dem eigenen Leben nicht zufrieden ist, aber irgendwie auch resigniert hat, entweder weil man nicht weiss was man tun soll, oder weil man spürt, dass die Hürden zu groß (oder zu angstbehaftet) sind, und man daher diese "Ausweg" wählt?

    Klar, das ist für jene die Aussage, die so denken. Tut ja nicht jeder.

    Zitat

    Ich denke, das ist so, und ich denke auch, dass das sehr oft so ist. Vielleicht ist ein zufriedenstellender, klarer Weg im Leben, der ohne solche "Krücken" auskommt, auch einfach eine zwar erstrebenswerte, aber unrealistische Illusion für viele.

    Dafür kenne ich zu viele klare Menschen, die ohne Krücken auskommen und zufrieden sind. Sicher ist es auch wieder für andere eine Illusion, allerdings: Jeder ist seines Glückes Schmied, was er auch immer als sein Glück ansieht.

    @ Jan

    Zitat

    Aber ist es nicht auch eigentlich die Aussage, dass man eigentlich mit dem eigenen Leben nicht zufrieden ist, aber irgendwie auch resigniert hat, entweder weil man nicht weiss was man tun soll, oder weil man spürt, dass die Hürden zu groß (oder zu angstbehaftet) sind, und man daher diese "Ausweg" wählt?

    Doch ist schon so. Die Resgnation kann nun sehr schwach, aber auch sehr stark ausgeprägt sein.


    Aber wenn man ein glückliches erfülltes Leben hätte, würde man es viel seltener, bis gar nicht machen.


    So ist es ein Ersatz-Glück (Dopaminausschüttung).

    Jan74

    Zitat

    Es gibt mit Sicherheit jede Menge nicht-süchtige, nicht-regelmäßig trinkende "weitgehend gesund" Erwachsene, die vollständigen Verzicht (also auch nicht mal am Wochenende am Stammtisch mit Freunden) trotzdem schade fänden und in Maßen genossenes Bier und Wein als Bereicherung des Lebens empfinden. Das heisst ja auch nicht, dass Verzicht für diese Leute ein großes Problem wäre. Aber "etwas schade finden" halt schon.

    gebe ich dir recht, bei Alkohol gibt es verschiedene Arten wie wir damit umgehen und wer Alkohol in Maßen genießt würde einen totalen Verzicht bedauern, aber nicht wie du vorher geschrieben hast "als Verlust im Leben betrachten". Als Verlust betrachten das Menschen die eine Routine beim trinken entwickelt haben (tägliches Feierabendbier etc.), dass hatte ich versucht zu erklären "Ein wirklich gesunder Erwachsener trinkt nicht täglich und nicht nach einer Routine."

    Zitat

    Die Sucht ist doch häufig ihrerseits eher schon ein Symptom einer zugrundeliegenden Persönlichkeitsstörung, und die besagte "Lebensumkrempelung" setzt vor allem voraus, dass man bereit ist, "sich selber zu stellen", seine wahren, zugrundeliegenden Probleme anzugehen, und davor hat manch einer so massiv Angst, dass er sich lieber in Verdrängung und Kompensation flüchtet (wo der Alkohol dann ein Baustein im Gesamtgefüge ist). Und das ist ein psychisches Problem und keineswegs "von der Sucht gesteuert".

    als Beispiel, Menschen die Ängstlich sind erfahren die angstlösende Wirkung von Alkohol als etwas besonders intensives was sie wiederholen möchten. Bis dahin ist das auch nichts negatives, dass wird es erst wenn ein Muster entsteht "ich (nicht ich) arbeite mit Kunden und wenn ich täglich etwas trinke fühle ich mich kommunikativer" dann wird es zum Muster das zur Sucht führt.


    Hat etwas mit Gefühlen zu tun, was aber den Verstand nicht ausschließt. Abhängigkeit wird es wenn es ein verfestigtes Muster ist. Wenn es einem schlecht geht hat man aber in Wirklichkeit viele Möglichkeiten und Alternativen darauf zu reagieren, mal trinken, mal mit einem Freund reden, mal Sport machen, mal ins Kino, Musik hören, spazieren gehen... die Mischung macht den Unterschied, dann entsteht kein Muster. Die Persönlichkeitsstörung mit "psychoaktive Substanzen Syndrom" kenne ich nicht, aber wenn sich das Muster gefestigt hat bestimmt die Sucht (das Verlangen nach Alkohol).

    Zitat

    ich finde Deine ganze Sicht auf dieses Thema irgendwie sehr schwarz-weiss, was allerdings durch Deine Hintergrundgeschichte auch nicht verwunderlich ist.

    will und kann ich nicht Abstreiten das ich durch meine Erfahrung damit beeinflusst bin, kann sein. Jemand mit Alkoholproblem ist auch beeinflusst.


    Ich habe aber nicht den Anspruch das alles stimmt was ich von mir gebe, du kannst mich gerne bunt machen. Ich werd weiter mitlesen *:)

    bunte Diskussion ist doch gut.


    Wenn man zwischen "bedauern" und "Verlust im Leben betrachten" differenzieren will, gebe ich Dir Recht, Ich meinte wohl dasselbe damit wie Du.


    Wenn ich z.B. überlege wie ich selber mit dem Zeug in Kontakt gekommen bin (auf problematische Art und Weise).. das war schon eine ausgeprägte seelische Notsituation, wo drigend irgendein Ventil her musste (und es gab damals auch keine Alternativen. Zumindest keine die für mich ersichtlich waren. Denn sonst wäre es ja nicht so eine Notsituation gewesen). Natürlich gibt es da, objektiv, rückblickend und von Aussen betrachtet, immer auch andere Lösungen, aber wenn man selber im den Sumpf sitzt, erkennt man diese halt nicht unbedingt.

    Ist aber auch so.


    und zu dem was hamfrie geschrieben hatte – es kommt ja durchaus vor, dass man unschuldigerweise im Leben, vor allem in der Kindheit, erhebliche seelische Verletzungen davonträgt, mit denen man nur schwer umgehen kann und die einen sehr anfällig für Süchte etc. machen. Man ist, bei aller Eigenverantwortung usw usf., im Leben durchaus auch des öfteren mal einfach nur "Opfer".

    Nein, ich meine nicht, dass es so ist. Man kann auch noch rechtzeitig die Kurve bekommen, bevor man völlig unten ist. Man muss sich eben bewusst sein, dass man süchtig ist, was sich sehr viele nicht sind. Wenn man das Bewusstsein dann hat, kann man sich mit professioneller Hilfe von dieser Sucht befreien. Je länger man natürlich trinkt, desto anstrengender wird der Entzug. Deshalb ist es wirklich am Besten, sich Hilfe zu holen oder die Therapie sogar stationär zu machen.

    Vllt. sollte man Alkoholische Getränke, in nur gesonderten Läden verkaufen. Das wäre war umständlich, aber dann würde man zweimal überlegen und das ist ja nicht schlecht.


    irgendwie ist es doch merkwürdig, das Alk. in unserer Gesellschaft so normal ist, das man ihn im jeden Supermarkt, Tanke, Kiosk bekommt.


    Es ist ja sogar so, das normale Getränke ausgelagert sind, aber Alk. im Haupt-Supermarkt verbleibt, wahrscheinlich, weil ma damit die besten Geschäfte macht.

    Gucky068

    Zitat

    Vllt. sollte man Alkoholische Getränke, in nur gesonderten Läden verkaufen. Das wäre war umständlich, aber dann würde man zweimal überlegen und das ist ja nicht schlecht.

    Ich halte nichts von solchen Aktionen, auch nicht von Verboten. Gilt z. B. auch für Drogen. Der Schutz von Kindern sollte gewährleistet sein - was Erwachsene anbelangt, so sehe ich überhaupt nichts, was dagegen spricht, wenn jemand sich für die Sucht entscheidet. Er will es so. Es ist ja nicht so, als würde die Betreffenden nicht wissen, dass es für sie gesundheitsgefährdend ist und sie ihr Leben damit auch mehr oder minder verkürzen.

    Zitat

    irgendwie ist es doch merkwürdig, das Alk. in unserer Gesellschaft so normal ist, das man ihn im jeden Supermarkt, Tanke, Kiosk bekommt.

    Wieso merkwürdig? Nicht jeder, der Alkohol trinkt, ist auch süchtig. Also wollen die einen es so und andere wollen mehr trinken.

    Zitat

    wenn jemand sich für die Sucht entscheidet.

    Nun ja, dem Gemeinwesen entstehen aber auch Kosten, wenn die Gesundheit leidet.


    Zigaretten sind meiner Meinung nach zwar schlimmer, aber vergleichbar ist es schon.


    Und inzwischen, sind ja doch einige, durch die Maßnahmen, zur Entscheidung gekommen, das Rauchen schlecht ist.

    Zitat

    Nicht jeder, der Alkohol trinkt, ist auch süchtig

    Klar trifft es auch die Vernünftigen, aber die weniger Vernünftigen, kommen dann vllt doch zu dem Schluß es wenigstens zu reduzieren. Und die Vernünftigen, sollten auch in der Lage sein, einen extra Laden aufzusuchen.


    Ich sehe es so, ist ein Bier im Kühlschrank, ist die Verführung da, es zu trinken, auch ganz spontan. ist keins im Kühlschrank, muß ich erst eins rein legen, 1 von 3 Bieren würde dann wohl schon mal weg fallen.


    Ist gar keines im Keller. würde ich wahrscheinlich nur bei 10% der Fälle extra los fahren eins kaufen.


    Klar ich kann das Kaufen ja auch so lassen, aber der extra Laden wäre nochmal eine kleine Hürde, die es zu überwinden gilt.


    Und Kids, sehen natürlich immer die tollen Flaschen im Regal. Klar ein verbotener Laden würde kurzzeitig das Interesse sogar erhöhen, langfristig wäre es sinnvoll, denke ich.


    Alko-Pops wurden ja auch verboten und ich muß sagen, gelegtlich habe ich da auch zu gegriffen, es war halt da und schmeckt. zwar ist das bei mir nie ausgeartet, aber irgendwie bin ich doch froh, das die Versuchung gar nicht da ist.

    Kleio

    Diese Verbote bestehen vermutlich wegen der sonst zu erwartenden gesellschaftlichen Folgekosten, die der Gesetzgeber auf diese Weise zu unterdrücken versucht.


    Alkoholsucht wurde mal irgendwo als der "Versuch einer Selbstbehandlung" bezeichnet. Könnte was dran sein, oder?