Homosexuell, Escort, Obdachlos, Spielsüchtig, Depressiv

    Hallo an euch alle,


    ich habe mich in diesem Forum angemeldet weil ich mit meinem Leben und Lebensweg, Umfeld und meiner allgemeinen Lebensweise nicht mehr zurecht komme.


    Ich brauche Ratschläge die mir helfen sollen zurück in ein normales Leben zu finden.


    Ich schreibe hier nun ein paar Sachen auf und hoffe ihr könnt mir meine Fragen beantworten, behilflich sein.


    Mein Name ist Raphael, ich bin 22 Jahre alt, homosexuell und bin vor einigen Jahren auf die schiefe Bahn geraten.


    Als ich 5 Jahre war kahmen ich und meine Schwester ins heim, da meine Mutter Alkoholkrank war.


    Bis zu meinem 18. Lebensjahr war ich im heim untergebracht und als ich dann meine erste eigene Wohnung bekam, wurde die Betreuung vom Jugendheim eingestellt.


    In den darauffolgenden Monaten kam ich sehr gut zurecht.


    Ich machte alles selbstständig und war sehr stolz auf mich, es auch alleine zu schaffen.


    Damals war ich auch noch in meiner Ausbildung, die ich nach einigen Monaten dann abschloss.


    Kurze Zeit später fand ich eine Website die es mir ermöglichte Escort zu machen.


    Ich fand das klasse, es war schnelles Geld und ich dachte mir, "du befriedigst dich fast zwei Mal jeden Tag" lass das doch jemand anderen für dich machen.


    Also fing es an, ich prostituirte mich fast täglich und bekahm ein Haufen Geld dafür, das Geld investierte ich in meine Wohnung und in mein Lebensunterhalt.


    Kurz darauf, es war einer meiner Kunden, bat er mich, eine Beziehung mit ihm einzugehen.


    Er war "überdurchschnittlicher Verdiener",


    bat mir einen Job an und das ich bei ihm wohnen könnte.


    Ich überlegte es mir einige Zeit und ging darauf ein.


    Bald zog ich zu ihm, es war auch alles super, wir gingen oft weg arbeiteten zusammen, ich musste mich um nichts kümmern, alle Rechnungen gingen auf seine Kappe und ich war zufrieden.


    Doch Monate später stellte sich heraus, dass er ein Psychophat war, er trank fast jeden Abend und wir stritten dann heftig und prügelten uns auch, das Haus in dem wir wohnten, demolierten wir gemeinsamm durch unsere Wut, die Polizei war sehr oft da.


    Letztendlich fand ich dann heraus, das es Spielhallen gab.


    Dass eigentliche Geld was mir von der Arbeit zur Verfügung stand, gab ich im Casino aus.


    Alles, jeden Monat, bis auf den letzten Cent.


    Mein Psychopath merkte das sehr schnell und warf mir vor ein Zocker zu sein.


    "heute erkenne ich selber das ich eine Spielsucht habe"


    Insgesammt waren wir 4 Jahre ein Paar.


    Ich habe mich nun vor einigen Monaten von Ihm getrennt, lebe jetzt in der zweiten WG, und Prostituire mich wieder.


    Das schnlimme ist aber das ich jetzt keine Arbeit habe, ich lebe von meinem Escort, gebe meistens das ganze Geld für Casino aus, habe das Gefühl ich werde bald Obdachlos, weil ich meine Miete etc. verzocke.


    - wann sollte ich eine Suchtberatung aufsuchen?


    - sollte ich mir noch andere Hilfen suchen?


    Ich bin sehr traurig über meine ungewohnte Lebenssituation.


    :°( :°( :°( :°( :°( :°( :°( :°( :°( :°(


    Raphael

  • 5 Antworten

    Raphael,


    hole Dir wirklich Hilfe. Suchtberatungsstelle, Sozialpsychiatrischer Dienst vom Gesundheitsamt. Du erkennst Deine Probleme sehr klar und noch bist Du nicht völlig abgerutscht. Was bei Spielsucht aber oft droht – und schnell gehen kann.


    Hilfe zu holen ist keine Schwäche. Eher das Gegenteil! Aber sooo nötig, denn Du solltest Dir das, was noch droht (Obdachlosigkeit, erhebliche Schulden durch das Spielen) wirklich ersparen. Je weiter Du abrutschst, desto schwieriger wird der Weg raus. JETZT ist ein guter Zeitpunkt, was dagegen zu tun. Noch bist Du nicht ganz unten. Aber irgendwann droht ein Teufelskreis aus Spielsucht, Prostitution und psychischer Komponente. Sie Dir selber wichtig genug, es nicht so weit kommen zu lassen!


    Schau auch mal hier:


    1. http://www.spielen-mit-verantwortung.de/


    2. http://www.ahg.de/AHG/Indikationen/Abhaengigkeitserkrankungen/Spielsucht/


    Wenn Du Dich mit dem Gedanken anfreunden kannst, wäre eine stationäre Therapie in einer spezialisierten Einrichtung das Beste: Raus aus dem gesamten Umfeld, Zeit für Dich und die Bewältigung der Probleme und deren Hintergründe (niemand wird grundlos spielsüchtig!).


    Alles Gute! :)*

    Zitat

    – wann sollte ich eine Suchtberatung aufsuchen?

    Jetzt.


    Nach dem, was du bisher geschrieben hast, hast du mit der Prostitution an sich kein großes Problem. Jedenfalls ist es nicht das akuteste. Das Schlimmste im Moment ist doch, daß du dein ganzes Geld verzockst – das würde mit einem Job, der deiner Ausbildung entspricht, auch nicht anders sein.


    Daß du dann kein Geld mehr hast, schafft natürlich zusätzliche Probleme.


    Unter anderem vermutlich den Zwang, dich weiter zu prostituieren, statt einen Job zu suchen, weil du ja SOFORT Geld brauchst.

    Zitat

    sollte ich mir noch andere Hilfen suchen?

    Ich denke, daß eine Psychotherapie sinnvoll sein kann. Du hast schon früh Schweres erlitten, und die Beziehung zu dem kaputten Typen war auch kein Pappenstiel. Irgendwo in dem Bereich liegen möglicherweise die Gründe für dein Suchtverhalten; es wäre sicher gut, sich damit auseinanderzusetzen, um von diesen Belastungen frei(er) zu werden.


    Suchtberatungsstellen sind oft in Beratungsnetzwerke eingebunden, weil mit Suchtverhalten sehr häufig noch eine Fülle von anderen Problemen einhergehen. Ich würde also erstmal zur Suchtberatungsstelle gehen und die Gesamtlage schildern. Und mich dort auch zum Thema Psychotherapie beraten lassen.


    :)*

    Ich schließe mich Sunflower in allen Punkten an.


    An deiner Stelle würde ich mir auch Gedanken darüber machen, was deine wahren Bedürfnisse sind und wie du sie dir selbst erfüllen kannst. Die Selbstständigkeit hat dir gut getan und dass ist eines davon. Dann hast du dich sprichwörtlich verkauft, an andere und an die Spielsucht. Deine Bedürfnisse sollten dir aber wichtig sein und da solltest du hinsehen und auch danach handeln, dir das wieder zurücknehmen. Das gesamte Umfeld, wie Sunflower bereits schreibt, verlässt du besser, nimmst dir Hilfe und fängst ein neues Leben an, dein eigenes Leben.

    Hallo lieber Raphael :)*


    Du hast es gerade nicht wirklich leicht, aber du hast schon einen ganz großen Schritt in Richtung Besserung gemacht: Du siehst ein, dass du süchtig bist und du willst Hilfe. Suchtberatung wäre schon mal klasse als erste Anlaufstelle. Längerfristig solltest du aber eine Verhaltenstherapie machen, um aus der Sucht zu kommen. Frag mal an der Beratungsstelle, ob sie auch Therapeuten vermitteln?


    Aber Vorsicht: Die Wartezeiten für Psychotherapien sind echt lang, deswegen wäre es wichtig, dass du bald mit der Therapeutensuche anfangen kannst. Alternativ kannst du dich für eine Therapeutenliste auch bei der Krankenkasse erkundigen - frage allerdings gezielt nach einer Verhaltenstherapie.


    Kurzfristig können dir Suchtberatung oder andere gemeinnützige Einrichtungen helfen. Der Anfang ist echt schwer (Wartezeit, erste Sitzungen), aber es bringt dich langfristig wieder auf die rechte Bahn. Hast du vielleicht Freunde oder Familie, denen du dich anvertrauen kannst?


    Als kurzfristige Maßnahme könnte nämlich ein Vertrauter sehr helfen, z.B. indem du ihm zu Monatsanfang SOFORT die Miete übergibst und er sie dann für dich überweist oder dich daran erinnert. Denn Obdachlosigkeit ist gerade das, was du am wenigsten brauchen kannst und wo du momentan am stärksten dranbleiben muss. Wenn man erstmal obdachlos ist, wird der Einstieg ins normale Leben viel schwieriger, u.a. weil man auch für die Behörden einen Wohnsitz braucht. Denn das Geld ist - wie ich dich verstanden habe - ja da, es wird nur falsch investiert ;-)


    Wenn du in der Hinsicht Sucht stabilisiert bist (das kann aber einige Zeit dauern), dann kannst du auch beruflich einen anderen Weg einschlagen - wahrscheinlich nicht mit soviel Geld, aber dafür auf einer soliden Basis. Noch bist du jung, noch ist nichts irreparabel kaputt.


    Je länger du in der Sucht und im Milieu rumhängst, umso tiefer wirst du auch sinken, halte dir das bitte vor Augen!


    Alles Gute! :)* :)* :)*

    Lieber Raphael,


    Dein Lebensweg war bisher sehr schwer. Deine Spielsucht, die Dich sozial und wirtschaftlich ruiniert, ist das Ende einer Kette von Vorgängen, Die Du nicht bewältigen konntest.


    Zunächst muss Dir klar sein, dass Du ein sehr liebenswerter und ehrlicher Mensch bist.


    Mich hat sehr bewegt, wie offen Du Deine Lage hier im Forum eingeschätzt und bekannt hast. Das ist der erste Schritt, um aus diesen Verstrickungen sich selbst zu befreien. Alleine schafft man das aber nicht. Daher ist es angesagt, dass Du Dir professionelle Hilfe suchst, wie es meine Vorredner Dir hier bereits angeraten haben.


    Du musst professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.


    Für Deine derzeitige Erwerbstätigkeit als Escort/Prostituierter musst Du Dich nicht schämen.


    Gehe den Weg rückwärts!


    Was soll die Spielerei??? Sie ist nur eine Ersatzbefriedigung. Kannst Du knicken, denn sie bringt Dir nichts. Konzentriere Dich auf Dich selbst! Hast Du keine anderen Hobbies? Die hast Du sicherlich schon, aber sie werden überdeckt von der weit leichter zugänglichen Spielgeschichte. Im Kopf ist Dir klar, dass Du nicht spielen willst. Dann setze das mal in die Tat um! Dann kannst Du – zunächst – Deinen Lebensunterhalt aus der Escort-Sache bestreiten und Deine Miete beszahlen.


    Jetzt planst Du den Ausstieg aus der Escort-Prostitution. Ist das schlimm? Du hast eine abgeschlossene Ausbildung gemacht und einen Beruf erlernt. Also knie Dich rein bei dem verf*ckten dämlichen Arbeitsamt und fordere – fordere!!! bei der Deppenagentur – eine berufliche Perspektive. Oder eine Umschulung. Mache Dich grade! Die müssen Dir das ermöglichen!


    (*Ich fasele hier nix, wie der Blinde von der Farbe. Ich lebte neun Jahre mit einem schwer suchtkranken Mann (=Psychopath) zusammen...).


    Trinker-Eltern und Heimaufenthalt wirst Du wohl nur ansatzweise aufarbeiten können. Alles andere schon.


    Ich umarme Dich ganz fest.


    Mit professioneller Hilfe wird es Dir gelingen, den Einstieg in das normale Leben zu finden.


    Herzlichst!


    Murat