Ich weiß nichtmehr weiter. (Langer Text)

    Hallo,

    ich bin hier ziemlich neu im Forum, da ich es für eine gute Idee halte mir endlich mal diese quälenden Gedanken von der Seele zu reden.


    Zu meiner Person ich bin 21 Jahre alt und nehme Drogen seitdem ich 16 bin. Ist ziemlich 08/15 wie ich da reingerutscht bin. Liebeskummer und Neugier haben mich zum Alkohol verleitet und am gleichen Tag auch zum Grass.

    Anzumerken ist dass ich mir eigentlich geschworen habe dieses Zeug nie anzufassen (gerade den Alkohol), weil mein Vater aufgrund eines Schlaganfalles der wahrscheinlich was mit seinem überzogenen Alkoholkonsum zusammenhing, verstorben ist. So genau kann ich das leider nicht sagen, da ich damals erst 8 Jahre Alt war und deswegen wahrscheinlich nicht die volle Wahrheit erzählt bekommen habe, aber der Indiz dass er jeden Abend nach Alkohol gerochen hat spricht für diese Theorie. Ich tue ihm das nicht vorwerfen, ich sitzt ja so ziemlich im gleichen Boot.


    Aber weiter im Text. Ich habe dann im Zeitraum von 16-17 Jahren dann jegliche Art von Drogen ausprobiert (MDMA, Speed, Opiate etc.) Aber muss dazu sagen dass ich die Tage nach dem Konsum absolut kein Bock mehr auf den Scheiß hatte, mir ist relativ schnell aufgefallen das Grass wohl meine größte Schwäche ist, da ich schon von klein auf an Schlaf- und Angststörungen leide. Somit hab ich dann ca. mit 17 Jahren angefangen jeden Tag zu Grass zu konsumieren, das einzige was mich wahrscheinlich zu anderen Klischee Junkies unterschieden hat ist, dass ich trotz dem übermäßigen Konsums im Stande war, eine Ausbildung anzufangen, ohne diese zu schwänzen und auch gute Noten abzulegen habe...einziges Problem, meine Angststörung wurden durch den vielen Kunden und Kollegen Kontakt weitaus schlimmer. So schlimm dass ich mich teils nicht traute den Hörer abzunehmen oder zu einem Kollegen gehen, was meiner Arbeitsmoral natürlich nicht zugute kam.


    Da ich schon jegliche Therapien durchhatte und ich immer abgewiesen wurde mit dem Satz "Das legt sich mit dem Alter" oder "Sie sind einfach schüchtern", hatte ich das Vertrauen gegenüber jeglichen Therapiemöglichkeiten verloren. Was mich schlussendlich dazu geführt hat Xanax im Jahre 2018 zu konsumieren, natürlich nicht verschrieben.

    Ich brauche wahrscheinlich niemanden zu erläutern dass das Zeug für mich ein Segen war.

    Auch hier hatte ich mir feste Grenzen gesetzt, diese lautenden: Nicht öfters als 2 mal die Woche und wenn mehr dann nur für Notfälle, da ich mir dem Risiko bewusst war wie schlimm der Entzug sein soll. Das lief die ersten 8 Monate auch ganz gut, dann verließ mein nennen wir ihn einfach mal "Stiefvater" meine Mutter nachdem er sie Monate lang betrogen hatte. 2 Wochen später bekam meine Mutter die Diagnose dass die an Krebs erkrankt ist. Für mich ist eine Welt zerbrochen wir waren finanziell am Boden und musste meine Mutter finanziell, psychisch und auch physisch zu Seite stehen, was natürlich selbstverständlich ist, immerhin hat sie mich komplett alleine erzogen. Allerdings hat mich dass so psychisch fertig gemacht dass ich gegen ende 2018 komplett Xanax abhängig war, weswegen ich mich dazu entschieden habe Anfang 2019 mich mit Valium zu entziehen, dass hat auch ganz gut geklappt bis der nächste Scheiß kam (haben fast unsere Wohnung verloren), möchte da nicht zu weit ins Detail gehen, auf jeden Fall konnte ich es verhindern, was mich aber wieder direkt in die Abhängigkeit getrieben hat, aber nie soweit dass ich irgendwie mehr als 4mg pro Tag Konsumiert habe (was sowieso schon mehr als genug ist)


    Jetzt haben wir 2020, mein ungefähr dritter Versuch von dem Mist los zu kommen, obwohl mein Leben jetzt erst beginnen sollte (habe meine Prüfungen geschrieben und warte noch auf die Ergebnisse, die mündliche Prüfung folgt noch, was momentan natürlich super ist...) habe ich das Gefühl dass es momentan eher in Richtung Ende geht.

    Ich habe aufgrund dieser Sucht mit meiner 3 Jahrelangen Beziehung Schluss gemacht, weil ich gemerkt habe dass ich in Ihrer Zukunft keinen positiven Einfluss habe, und das Verhältnis ab dem Tag an wo ich meine Sucht gebeichtet habe, immer mehr den Bach runterging. Meine Grassabhängigkeit konnte sie irgendwo noch tolerieren, aber bei den Benzos war dann wohl Schluss. Keiner außer mir und sie weiß was davon, da ich wohl meine Mutter endgültig ruinieren würde und meine einzigen 3 Freunde auch nicht verlieren möchte.


    Hat jemand evtl. Erfahrungen mit Doktoren oder Psychiatern die es einem gestatten von Zuhause aus sich zu entziehen, oder ist eine Suchtklinik der einzige weg? (momentan bin ich bei 20mg Diazepam pro Tag). Ich bin ja rechtlich gesehen Kriminell da ich verschreibungspflichtige Arzneimittel mir ohne Erlaubnis besorgt habe, also habe ich da wenig Hoffnung was die Hilfe von außen angeht...kann mir es leider nicht leisten Monate lang meine Mutter alleine zu lassen die in fast jeder Art von mir Abhängig ist. Zu guter Letzt will ich noch loswerden dass ich keinesfalls die Schuld bei den Drogen sehe, na klar sie haben das aus mir gemacht was ich jetzt bin, aber für mein undiszipliniertes Verhalten bin ich selbst verantwortlich.


    Vielen Dank für jeden der sich diesen Text durchgelesen hat.

  • 6 Antworten

    Puh, du hast ganz schön viel Mist erlebt...

    ich würde an Deiner Stelle mal einen Termin bei der Drogenberatung in deiner Stadt machen, die wissen mit welcher Hilfe du da wieder raus kommst.

    Alles gute für dich und deine Mutter!!

    Pfefferminzbonbon schrieb:

    Puh, du hast ganz schön viel Mist erlebt...

    ich würde an Deiner Stelle mal einen Termin bei der Drogenberatung in deiner Stadt machen, die wissen mit welcher Hilfe du da wieder raus kommst.

    Alles gute für dich und deine Mutter!!

    Vielen Dank für deine Antwort :) Dann werde ich mal wohl diesen Schritt wagen.

    was ja schon mal gut ist, ist, dass du dir deiner probleme mit den drogen selbst bewusst bist und du sie aktiv bekämpfen willst. du zeigst, dass du den willen hast, da wieder rauszukommen. auch dass du deine Ausbildung weiter im blick hast, finde ich schon mal sehr gut.

    mir würden noch Selbsthilfegruppen einfallen, die gibt es doch eigentlich auch in jeder Stadt.

    dann bist du mit deinen Problemen nicht so allein, hast die Möglichkeit dich auszutauschen und kannst dich aber auch mit anderen gemeinsam über zukünftige erfolge freuen.

    Liebe TE! Das hört sich für mich nach einer sogenannten Low dose dependence an. Das ist eine Niedrig Dosis Abhängigkeit von Diazepam, diese entsteht wenn die Tagesdosis 20 mg des Benzodiazepins nicht überschreitet. Alleine schaffst du es nicht, von der Medikamentenabhängigkeit loszukommen, d.h. es steht dir ein Entzug bevor. Eine Drogenberatungsstelle ist eine gute Sache, aber dort kann dir niemand das Medikament rezeptieren, das für den Entzug nötig ist. Ich empfehle dir auf jeden Fall einen Arzt deines Vertrauens zu konsultieren, am besten wäre der Hausarzt und mit ihm alles zu besprechen. Die Dosis von Diazepam muß ganz langsam abdosiert werden, üblich in 2,5 mg Schritten alle 1 - Wochen. Dazu wird der Arzt dir wahrscheinlich Oxazepam verordnen. Da eine stationäre Entzugstherapie für dich nicht in Frage kommt, kannst den Entzug ambulant, unter strengster ärztlicher Kontrolle machen. Ich wünsche dir alles Gute!

    Hyazynthe schrieb:

    Liebe TE! Das hört sich für mich nach einer sogenannten Low dose dependence an. Das ist eine Niedrig Dosis Abhängigkeit von Diazepam, diese entsteht wenn die Tagesdosis 20 mg des Benzodiazepins nicht überschreitet. Alleine schaffst du es nicht, von der Medikamentenabhängigkeit loszukommen, d.h. es steht dir ein Entzug bevor. Eine Drogenberatungsstelle ist eine gute Sache, aber dort kann dir niemand das Medikament rezeptieren, das für den Entzug nötig ist. Ich empfehle dir auf jeden Fall einen Arzt deines Vertrauens zu konsultieren, am besten wäre der Hausarzt und mit ihm alles zu besprechen. Die Dosis von Diazepam muß ganz langsam abdosiert werden, üblich in 2,5 mg Schritten alle 1 - Wochen. Dazu wird der Arzt dir wahrscheinlich Oxazepam verordnen. Da eine stationäre Entzugstherapie für dich nicht in Frage kommt, kannst den Entzug ambulant, unter strengster ärztlicher Kontrolle machen. Ich wünsche dir alles Gute!

    1 - 2 Wochen.