• Kiffen und Lügen

    Hallo liebe Mitglieder dieses Forums, ich habe mich jetzt seit einiger Zeit immer wieder durch die verschiedenen Beiträge zu ähnlichen Themen gelesen und möchte heute versuchen, von meinem Problem zu schreiben. Mein Mann und ich kennen uns seit fast neun Jahren. Wir haben mittlerweile zwei Kleinkinder. Als wir uns kennengelernt haben, hat er gerade nach…
  • 19 Antworten

    Hat er dich nur im Zusammenhang mit dem Kiffen angelogen oder auch in anderen Belangen? Ich denke ja mal das er kein chronischer Lügner ist sondern das er lügt um negative Reaktionen zu vermeiden.. und sich mit dem Lügen auch schlecht fühlt. Und wenn er sich schlecht fühlt kifft er, und dann hasst er sich wieder dafür und fühlt sich schlecht ... -> Kreislauf geschlossen. Ich sehe das Kiffen hier hauptsächlich als Mittel negativen Gefühlen aus dem Weg zu gehen, viele Jahre erprobt, schön einfach und soo entspannend. Nur wird er selber merken das es ihn immer weiter zurückwirft, das er deinen Ansprüchen nicht genügt und – noch schlimmer – seinen auch nicht. Er wird ja ein guter Vater sein wollen. Und wenn du ihm dann (zu Recht) vorwirfst das er bekifft ein schlechter Vater ist hasst er sich und siehe oben.


    Aus diesem Schlamassel gibt es nur einen Weg: Er muss aus seiner Opferrolle rauskommen. Das klingt jetzt abgedroschen, ist aber wahr: Er muss die Kontrolle über sein Leben zurückfordern, er lebt schlieslich nur einmal, ER ist der Steuermann. Und wenn das irgendwann in seinem Kopf angekommen ist, ist das aufhören vermutlich recht leicht, Jerosoflat hat das ja eindringlich beschrieben. Er muss auch lernen das man vor negativen Gefühlen nicht fliehen sollte sondern sich Ihnen stellen muss. Gefühle entstehen nur im Kopf also kann man sie auch mit dem Kopf (weitgehend) steuern und braucht dafür kein THC. Und noch was wichtiges: All das ist auch im fortgeschrittenen Alter noch erlernbar, es gibt null Grund sich in seine kleine Selbstmitleids-Höhle zurückzuziehen. Mir persönlich hat in so einer Selbstmitleids-Phase dieses Video geholfen (lang und englisch): https://www.youtube.com/watch?v=5rey8B-yu5Y .


    Für dich ist das alles nun auch nicht leicht, kann schon gut verstehen das du ihn momentan wie ein drittes Kind siehst. Druck von außen wird aber wirklich nix bringen, auch wenn du dich sicher im Recht siehst welchen auf ihn auszuüben. Du kannst aber natürlich in einem günstigen Moment deine Sorgen kundtun und ihm, wenn euer Verhältnis das aushält, zum Beispiel auch diesen Thread vorlegen. Vielleicht hilft es etwas ihm die Augen zu öffnen. Ansonsten ist es vielleicht gut wenn du dich noch mehr vom eher Bestimmen und Einfordern auf das Zuhören verlegen kannst, einfach damit er sich dir öffnen kann. Ich weis das ist viel verlangt mit zwei kleinen Kindern aber eine Veränderung deines Verhaltens hilft ihm evt seins zu ändern :)* .

    @ misantropheles:

    Danke für deinen Beitrag. "Komm mal runter" wird meiner Situation nicht so ganz gerecht. Ist bestimmt in der Theorie ein guter Tipp, wie ja Unwägbarkeiten bei Menschen generell auszuhalten auch. – Bist du schon einmal in einer Beziehung über einen längeren Zeitraum angelogen worden? Wurde etwas hinter deinem Rücken von deiner/m PartnerIn gemacht, was du später herausgefunden hast? War das dann möglicherweise noch etwas, was diesen Partner schon einmal länger im Leben 'behindert' hat und sie oder ihn im Verhalten verändert? Hast du möglicherweise Kinder mit dieser/m PartnerIn? – Dabei noch ruhig und entspannt zu bleiben ist ziemlich unmöglich, weil es dich nämlich anfangen lässt zu grübeln, was alles nicht stimmt. Es lässt dich überlegen, warum der andere das macht und was er vor allem konkret alles macht – vor allem wenn ein offenes Gespräch nicht wirklich möglich ist. Es lässt die Angst hochkommen, dass du bei jeder schwierigen Situation (die bei zwei Kinder definitiv in der ein oder anderen Phase auf uns als Eltern zukommen) gleich noch ein Problem mehr hast – über das aber auch dann nicht offen geredet werden kann. Und mir hat die Lügerei die Vertrauensbasis weggerissen und ich weiß im Moment nicht, wie das zu reparieren sein soll und ob ich nicht immer wieder auf diese Weise verletzt werde, wenn ich in der Beziehung bleibe.

    @ random100:

    Danke für deinen Beitrag. Gerade auf die erste Frage kann ich dir keine klare Antwort geben. Er hat mich definitiv nicht ausschließlich in Bezug auf das Kiffen angelogen, sondern auch bei anderen Dingen, um negative Reaktionen von mir zu vermeiden. Aber chronischer Lügner ... puh, weiß ich nicht, ob das so passt. Er vermeidet vermeintliche Konflikte mit Lügen, wobei der 'Konflikt' manches Mal darin bestünde, dass ich vielleicht meine linke Augenbraue für einen kurzen Moment hochziehen würde (bevor ich es bemerke und sie wieder runterlasse), weil ich etwas nicht so toll finde. Er ist extrem empfindlich bezüglich Kritik an seiner Person. Ich glaube, dass das in jedem Fall die Lügerei bei ihm bestärkt hat und zu einer ganz eigenen Negativspirale geworden ist, die parallel zu dem Suchtproblem geht.


    Ich weiß, dass ich es tue, aber ich möchte gar keinen Druck auf ihn ausüben. Ich merke, dass jetzt etwas geschehen muss, damit ich mich nicht emotional aus der Beziehung verabschiede und das kann ich ihm auch nicht nicht sagen. Ich bin sauer und extrem verletzt. Mein Vertrauen ist vollständig weg und ich kann da im Moment wenig machen, um aus dieser meinen ganz eigenen Ecke wieder rauszukommen. Ich habe sonst immer versucht nahtlos weiterzumachen, weil es immer andere Dinge gab, die meine Aufmerksamkeit und Kraft gefordert haben (und nicht irgendwie Alltag sondern zwei tödlich verlaufende Erkrankungen in der Familie und zwei Schwangerschaften plus die daraus resultierenden Kinder). Ich merke jetzt erst, wie enttäuscht und verletzt ich wegen der letzten Jahre und seinen Lügen bin. Ich versuche zuzuhören und Verständnis zu haben, aber ich bin auch wirklich ziemlich ausgelaugt. Das ist keine gute Kombi :-(. Aber du hast mit Sicherheit Recht, dass das mein Part sein sollte. Das ist nur wirklich, wirklich gerade schwer für mich :-(.

    Ich habe den Eindruck, Du bist ziemlich fertig mit Deinem Freund. Er kifft. Wenn Du ihn darauf ansprichst, verheimlicht er es Dir. Ich finde das verständlich (wenn auch nicht richtig). Denn er weiß ganz genau, Du setzt ihn unter Druck, wenn er es zugibt.


    Ich würde also nicht von lügen, sondern von verheimlichen sprechen. Du reitest immer wieder darauf rum, dass er lügt. Kann man natürlich machen. Erweckt aber wie gesagt bei mir den Eindruck, dass Du mit ihm fertig bist.


    Auch dass Dein Vertrauen weg ist, spricht dafür, dass Du mit ihm fertig bist.

    Zitat

    Ich bin sauer und extrem verletzt.

    Das solltest Du ihm meiner Meinung nach sagen, und zwar gerne auch häufiger und mit Begründung. Denn damit setzt Du ihn nicht unter Druck.