Magersucht, Fresssucht, Sportsucht- was ist das Mittelmaß?

    Hallo,

    ich 8w, .71m groß, derzeit 56 kg) war vor zwei Jahren magersüchtig ( bei einer Größe von 1,69m 42,5kg), war dann in einer Klinik und nahm bis 56 kg zu. Fühlte mich total wohl damit, bis Fressattacken kamen und ich bis 62 kg zunahm und mich nur noch fett und hässlich gefühlt habe. Auch der Sport hat unter meiner psychischen Situation gelitten, was mich dann doppelt fertig machte. Habe dann angefangen, wieder nur mehr 500 kcal und weniger pro Tag zu essen und nahm in drei Wochen sieben Kilogramm ab( von 60 kg auf 53kg). Als ich merkte, dass es wieder in Richtung Magersucht geht, habe ich versucht, wieder anzufangen, zu essen. Das artete jedoch in komplettes Fressen aus( also wirklich den ganzen Tag fressen, heulen, schlafen, fressen, heulen, schlafen, usw.) und machte das dann meisten auch heimlich, weil ich mich fürs das Fressen schämte. Jetzt hatte bzw.. habe ich also Binge Eating. Lebe noch bei meinen Eltern und bin auch momentan stationär in einer Psychatrie. Doch mein eigentliches Problem ist, dass ich, wie im Titel schon erwähnt, Sportsucht habe. Sprich, es muss alles anstrengend sein, Spazieren gehen, Laufen, Radfahren, ect. Wenn das nicht der Fall ist, ist es für mich, als hätte ich nichts getan. Wenn ich also laufen gehe ( wie ich es heute dank meinem Vater, der mit mir mitgegangen ist, endlich das erste Mal seit Langem wieder getan habe) und ich muss mich nicht anstrengen, nicht einmal arg atmen, geschweige denn auch nur ansatzweiße schnaufen und meine Oberschenkel brennen nicht, dann ist es für mich als hätte ich nichts getan. Fragt mich dann jemand, ob ich an diesem Tag etwas sportlich aktives gemacht habe, antworte ich mit "Nein", da man diese "laufen" ja nicht zählen kann, da es ja nicht anstrengend war. Deswegen mache ich alles, so, dass es anstrengend ist oder gar nicht. Ein Mittelmaß kennen ich nicht. Meine Frage nun: Liege ich da richtig oder war das dann das sogenannte Ausdauertraining?

    Bitte kein blöden Antworten, denn ich weiß, dass ich krank bin und ich möchte einfach nur gesund werden, aber mich trotzdem noch anstrengen können/dürfen und mich auch regelmäßig auspowern, da ich das wie gesagt brauche.

    Danke schon einmal für eure antworten und sorry für den Roman:-)

  • 3 Antworten

    Ich war in Therapie wegen Sportsucht. Ich hatte ein Hirntumor, wurde durch ein OP Fehler einseitig komplett gelähmt und bestand dann drauf Marathons zu laufen.

    Ich habe 3-4 Stunden am Tag Sport getrieben. Es kam zu Sehnenrisse usw und ich habe trotzdem nicht aufgehört. Also krankhaft.


    Allerdings mit Essen gab es keine Probleme.


    Ich habe es nur durch Therapie überwunden. Ich musste lernen, den Körper nicht zu bestrafen. Das könnte gut sein was du auch machst: Binge eating -> "Strafe" durch Anstrengung.

    Die Frage ist nur warum.

    Okay, ja ich hab wie gesagt das Problem, dass es entweder richtig anstrengend sein muss oder eben gar nicht. In meiner schlimmsten Zeit gab es bei mir halt nir anstrengend oder ich durfte nichts essen. Später durfte ich dann auch nicht mehr essen, wenn ich etwas gemacht habe,weil es nie anstrengend genug war....

    • Neu

    Hi Zuckermaus :) - meine Geschichte war ein klein bisschen anders wie deine, enthielt aber auch die Stufen Hungern, Binge Eating und Übergeben, Sport um abzunehmen und zum Nachtisch eine große Portion Selbsthass :(

    Ich habe von 2016 an zwei Jahre lang ambulant Psychotherapie gemacht und das hat mir sehr geholfen mich anzunehmen und zu reflektieren.

    Ich habe nun Mitte letzen Jahres akzeptiert das ich im Gegensatz zu dem Durchschnittsmenschen kein Gefühl dafür habe was normale Portionen sind und mir das Ziel gesetzt mir das selbst aber beizubringen. Ich kenne diesen inneren Konflikt und diesen permanenten emotionalen Stress zu gut. Ich weiß das eine gesunde Lebensweise mir hilft mich gut zu fühlen, also habe ich recherchiert was denn so ein ungefähres Normalgewicht bei meiner Körpergröße ist. Ich benutze mittlerweile die App Yazio dort kann man einstellen ob man sein Gewicht halten will oder ob man z.B Muskeln aufbauen möchte. Dort kann ich nun berechnen wie viel Kalorien ich zu mir nehme und kann auch meine Sporteinheiten mit einrechnen. Ich brauche Sport um mich gut zu fühlen, ich versuche jeden Tag ein bisschen Stretching/ Yoga zu machen und 3x die Woche etwas das mich auspowert.

    Es ist schon etwas aufwändig am Anfang mit den Gerichten wenn man die Portionen abwiegt, aber mittlerweile kann ich mich auch flexibel an den Tisch setzen und trage dann ein was ich mir gerade als Frühstück zusammen gestellt habe und sehe dann ob ich noch etwas mehr essen sollte oder ob es reicht. Manchmal kommt es mir befremdlich vor alles so zu planen, aber es hilft mir gedanklich loszulassen da ich weiß das ich so weder zu viel noch zu wenig esse. Auch meine Woche mit Terminen und Tagen für Sport plane ich immer einmal im vorraus dadurch passiert es auch nicht mehr das der Sport zu kurz kommt und ich mich dadurch schlecht fühle und in ein anderes Extrem rutsche. Keine Ahnung wie lange es dauert bis ich es wieder ohne kann, aber ich habe mir gesagt, dass selbst wenn es eine halb Stunde pro Tag dauert alles zu planen, dass es mir das Wert ist und meine Lebensqualität steigert. Falls du dich austauschen willst sehr gerne, ich weiss selbst wie schwer es ist wenn es im eigenen Umfeld niemand gibt der weiß wie es sich anfühlt so ein mentalen Handicap zu haben <3


    liebste Grüße Joany