Medikamentenabhängigkeit: Das war einmal

    Hallo Stew,


    lese hier schon seit längerem mit und habe festgestellt, das Du sehr viel Ahnung hast. Mein Mann macht gerade einen Tabl. Entzug durch mit meiner Unterstützung. Vorgeschichte: 1 Jahr lang Tramadolor-Retard 600mg am Tag und manchmal mehr, Tilidin Tropfen und zum Schluß Codein 600mg und mehr am Tag ohne die Nedolon, Diclofenac. Rekord lag mal bei 100 Tabl. Codein am Tag. Dann Bluthochdruck, Schweissausbrüche etc.


    Meine Frage ist nun, geht so ein Entzug eigentlich zu Hause? Wie soll so ein Abbau von statten gehen...wann gibt man die letzte Tablette. Fühle mich momentan sehr überfordert und weis nicht mehr weiter.


    Es können sich gerne auch andere dazu melden die gleiche Erfahrungen gemacht haben. Wäre sehr dankbar dafür.


    LG

  • 768 Antworten

    Hallo Sonny10 !

    Zitat

    Meine Frage ist nun, geht so ein Entzug eigentlich zu Hause?

    Es ist möglich, ja- allerdings muss man sich dazu in die Thematik einarbeiten, braucht viel Fingerspitzengefühl und ein wenig Grundwissen, und geht trotzdem noch ein mehr oder weniger großes Risiko ein - und ich würde dringenst davon abraten,


    sowas alleine durchzuziehen,


    einfach weil es gefährlich ist..!


    Im Interesse deines Mannes und seinem Zustand würde ich euch empfehlen, die Dosis erstmal nicht runter zu schrauben,


    denn bei den Mengen an Medikamenten und der bisherigen Einnahmedauer ist es unbedingt von nöten, unter ärztlicher Aufsicht zu entziehen,


    z.b muss er medizinisch unbedingt überwacht werden,


    und die Qualifikation hat man als Laie nicht.


    Entscheidend ist dass er jeden Tag konsumiert hat, und dazu noch u.a. ein retard-Präperat, d.h der Wirkstoffspiegel vom tramal war immer relativ gleichmäßig vorhanden, ohne Pausen / nach unten tendierende Schwankungen, dazu noch die anderen Päperate...!


    (Wobei das retard-präperat hier auch nicht der Tropfen war der das Fass zum überlaufen brauchte, die Sucht wäre auch ohne entstanden)


    Es gibt jedenfalls zwei Möglichkeiten:


    a) Ihr sucht einen Hausarzt auf, und lasst euch von dem an einen Anästhesisten überweisen.


    Dort kann dein Mann ihm/ihr mitteilen, dass er ausschleichen möchte, d.h er geht langsam mit der Dosis runter.


    Das dauert lange, hat aber den Vorteil, dass er keinen kalten Entzug durchlaufen muss.


    Dieser ist physisch und psychisch sehr anstrengend


    b)


    Ihr macht einen stationären Entzug.


    Dort läuft alles schneller ab, dafür aber auch härter.


    Es hat beides Vor und Nachteile,


    ihr solltet die für euch am besten geeignete Möglichkeit ermitteln und dann handeln.


    Viel Glück ,


    MfG


    Stew


    :-)

    Hallo Stew *:)


    Danke für Deine Antwort...ja ich beschäftige mich schon sehr lange mit der Thematik...weis aber auch erst seit 6 Wochen, nachdem ich die Jahresabrechnung der Apotheke in der Hand hielt was mein Mann alles so schluckt. Er hat alles heimlich genommen und ich habe ihm nichts angemerkt. Am Wochenende kommt dann noch der Alkohol dazu, was ein Scheisskreislauf ist. Die Medis hat er natürlich immer missbraucht um seinen Kater auszukorrieren.


    Reingeschlittert ist er vor Jahren wegen seines BSV und hat sich so an die Medis gewöhnt. Die Tramal nimmt er jetzt seit Anfang Nov. nicht mehr. Hat sich immer übergeben müssen und hat abends Kaltschweiss bekommen. Die letzten harten sind noch die Codein, wobei wir schon gut abgebaut haben. Unser Arzt weis zwar bescheid und wir haben intensiv mit ihm darüber gesprochen. Eine Kontrolle besteht hier aber nicht. Ich bin sogar in die besagte Apotheke und habe mir den Apotheker geschnappt und ihn untersagt jemals meinem Mann sowas nochmal auszuhängigen. Die Quelle habe ich ihm abgestellt.


    Wir sind jetzt an einem Quantum angekommen von 15 x 50 mg Codein am Tag (ich habe alle Tabl. unter meiner Gewalt und ich teile sie ihm ein). Von diesen will er aber nicht ablassen. Am Wochenende hatte er auch mit dem Alkohol einen kleinen Rückfall und hat jetzt gestern zum ersten Mal verspürt, das er nicht mehr über die Menge verfügt die ihn dann auffängt. Selbst heute geht´s ihm noch sehr dreckig. Ich weis genau wenn er später kommt das er wieder um was bettelt. Soll ich ihm dann noch was geben oder soll ich hart bleiben? Er hat sich auch schon geäußert das alles Scheisse ist und wie schön es doch mit diesen Tabs war.


    LG + DANKE!

    Mh, dann würde ich an deiner Stelle die Dosis erstmal so lassen.


    Dass es ihm nicht so gut geht ist verständlich... - Du musst eben beurteilen, ob es noch vertretbar ist.


    Ich finde es, obwohl euer HA davon weiß, trotzdem nicht ganz ohne das in Eigenregie durchzuführen : /


    An deiner Stelle mit einem Anästhesisten einen Absetzplan erstellen, bei dem man langsam runtergeht. Ich finde das sicherer als das in in absoluter Eigenregie / Tipps übers Internet durchzuführen... !


    Hat dein Mann auch den Willen danach ohne zu leben? Den braucht er nämlich... ! Es ist gut für ihn dass du ihm die Quelle abgestellt hast, aber ich denke wenn er will, dann kommt er auch noch danach wieder ran, sei es nun über Ärzte oder über den Schwarzmarkt...


    MfG & Alles Gute Stew

    Hi Stew @:)


    also das mit dem Abbau ist mit dem Arzt schon so vereinbahrt, das pro Woche immer 10 Codein weniger genommen werden. Er hat ihn allerdings jetzt schon 6 Wochen nicht gesehen. Ich messe auch jeden Tag seinen Blutdruck und schlafe seitdem auch schlechter weil ich sogar nachts schau ob er noch schnauft:-/


    Ich denke von dem ganzen Scheiss hat er auch seine Depressionen her...mal schlimm...mal weniger schlimm. Aber dafür nimmt er die Fluoxetin 40mg und damit der Abbau für ihn erträglicher ist, hat er dafür die Aponal 25. Kennst Du beides??? Oder ist das gar die nächste Abhängigkeit. Ab und zu erwisch ich ihn dann doch das er dazu noch die Tavor nimmt.


    Ich bin seitdem schon viel hellhöriger geworden. Wenn´s irgend wo raschelt und knackt meine ich immer jetzt nimmt er schon wieder was heimlich. Komme mir manchmal auch schon ziemlich doof vor. Meine auch immer das ganze Haus absuchen zu müssen ob er doch irgendwo ein Versteck hat. Müsste ja froh sein nichts zu finden, aber in meinem Hinterkopf ist es immer drin.


    Ja ich habe schon das Gefühl das er es auch ernst meint dem ganzen Scheiss ein Ende zu setzen. Gerade weil die letzte Aktion mit der Überdosis von Codein ihn fast ins Krankenhaus gebracht hat. Er hatte nur noch wirres Zeug geredet und hatte sein Sprachzentrum nicht mehr unter Kontrolle...das hat ihm Angst gemacht.


    Von zusätzlicher ärztlicher Hilfe jeglicher Art lehnt er ab..."er würde das auch so schaffen". Er hat sich sogar Anfang Jan. bei seinen Eltern geoutet das er ein kl. Junkie wäre. Hätte ich nie gedacht...eben deswegen weil er an die Erzugserscheinungen schon dachte und sich nachher niemand wundern soll.


    Das er zu einem anderen Arzt geht um sich irgend was verschreiben zu lassen, kann ich, glaube ich, ausschliessen. Auf dem Schwarzmarkt kennt er sich nicht aus. Ich hoffe für mich das ich hier kein naives Denken entwickle. Meine Angst wird aber trotzdem irgendwo bleiben, gerade weil er von diesen Dingern immer noch so schwärmt wie toll die waren und "ach" und "überhaupt". Es gibt doch so eine genannte Suchterinnerung. Bleibt die immer bestehen oder verblasst diese auch irgendwann???


    Gibt es darüber eine Statistik und wie hoch ist die Rückfallquote.


    Meine Güte, mit meinen Fragen halte ich Dich ganz schön auf Trab gell. Aber ich bin einfach nur froh wenn ich das und hier einigermaßen gut überstehe und ich ihm mit meiner Unterstützung helfen kann um das er ganz davon los kommt. Aber ganz ehrlich gesagt, ich hab ja jetzt auch schon schlimme Tage mit ihm durchgestanden...nochmal würde ich diese Verantwortung nicht mehr alleine tragen wollen. Ich habe ihm klar gemacht wenn er diesmal nicht mitspielt würde ich ihn zwangseinweisen lassen zu seinem eigenen Schutz. Hört sich jetzt krass an aber letztes Jahr im April wo ich hinter die Tramadoral gekommen bin und wie viel er davon nimmt hatten wir schon mal einen Abbau gestartet und er hat sich hintenrum heimlich zusätzlich versorgt...was ich nicht wusste. Habe ich halt alles aus der Jahresabrechnung der Apotheke herausgefunden.


    Na ja, jetzt ist es doch ein Roman geworden, sorry.


    Schöne Grüße und servus Sonny


    zzz

    Sonny

    So geht das nicht!


    Du kannst doch nicht unentwegt seine Privat-Polizeit spielen. Dabei gehst du kaputt. Du hörst es doch jetzt schon überall rascheln und knacken und schläfst nicht mehr gut.


    Wenn ein Süchtiger nicht selbst den Willen hat, aufzuhören, geht gar nichts.


    Es tut mir Leid für dich, weil du dir wirklich solche Mühe gibst - aber er muss es selbst wollen und durchziehen.


    Mach' dich selbst nicht kaputt! :)*

    Hallo Schwimmerin*:)


    da magst Du schon irgend wo recht haben. Aber was soll ich denn machen, soll ich ihn seinem Schicksal überlassen

    ... dann könntest Du mich besser verstehen. Ich war schon immer so und werde es wohl mein Leben lang bleiben. Vielleicht steht´s ja mal auf meinem Grabstein..."Sie war immer und für jeden da".


    Was hast Du für Erfahrung mit Drogen gemacht...warst Du selbst betroffen oder hattest Du auch einen Angehörigen der Drogen nahm???


    Ansonsten möchte ich nochmal einen Aufruf starten. Jeder der jetzt meine Geschichte kennt und ähnliches durchgemacht hat würde mich interessieren wer und wie ihr es geschafft habt loszulassen und clean zu bleiben. Würde mir sehr helfen.


    LG @:)

    Hallo Dr. Stew *:)


    gell ich habe Dich mit meinem Roman verkrault???:-/


    Tut mir leid, wollte Dich nicht so sehr vereinnahmen oder gar belästigen. Fand halt das Du Dich hier gut auskennst, siehst ja das sich sonst niemand hier meldet, was mich schon sehr wundert...na ja wart halt mal ab.


    @schwimmerin Du bist hier nicht gemeint:-x


    zzz LG Sonny zzz

    Sonny10:

    Auch wenn es hart klingt, DU bist für Deinen Mann NICHT verantwortlich. Du wirst es nie sein, sondern nur er für sich SELBST. Du kannst von ‚außen‘ einen Menschen nicht verändern. Egal was Du anstelltst. Vielleicht funktioniert es eine kleine Weile, aber auf Dauer? Wenn der Mensch es selbst nicht will, wirst Du ‚als Person daneben, die etwas erreichen möchte‘ immer scheitern. Unzählige Male in langen Jahren hat mein Mann das gleiche wie Du versucht (aber ich alleine bin nicht das Beispiel, sondern das ist die Krankheit ‚Sucht‘). Das Ergebnis – um es kurz zu machen – wir sind getrennt, nach 16 Jahren. Weg von meinen Suchtmitteln: das klappte erst nach meiner Entscheidung, es aus eigener Kraft – natürlich mit Hilfe von außen – zu schaffen. Er hat wirklich alles versucht, aber wenn ein Mensch Suchtdruck hat und einen schweren Entzug durchleben muß, ist er – meines Erachtens u.meines Erlebens nach – privat nicht gut aufgehoben. In vielen Momenten habe ich meinen Mann damals für sein Engagement mir helfen zu wollen gehaßt, daß er mir meine Medikamente nicht gab/hart blieb etc. Mein HA (Apotheken etc. etc.) wurde damals wie von Dir auch, informiert – das hilft rein gar nicht. Du ahnst nicht, wieviele Möglichkeiten es gibt, ohne gleich kriminell zu werden. Wieviel km bin ich (oder auch andere) gefahren zu irgendwelchen Ärtzen/Apotheken? Ich habe immer das bekommen, was ich damals wollte.


    Viel Kraft für Euch beide


    :)*.

    Hallo HeartOfDixie,


    zu erst einmal Danke das Du Dich hier gemeldet hast. Ich dachte schon ich bin vielleicht im falschen Forum wenn sich sonst niemand hier meldet oder allen geht es einfach gut:)^


    Na ja es ist halt so, das ich auf diesem Gebiet neu bin und nach Möglichkeiten suche...ich denke das ist schon o.k. würde bestimmt jeder machen. Ich bin auch wirklich für jede Erfahrung die man mir zukommen lässt sehr dankbar. Auch ich werde später meine Erfahrungen denjenigen zukommen lassen die danach schreien.


    Mein Mann ist wirklich gewillt von dem Dreck loszukommen. Er hat jetzt seit 3 Tagen schlimme Entzugserscheinungen die ganz schön heftig sind. Ich war heute auch gezwungen unseren HA anzurufen um auch mich abzusichern. Er meinte der Abbau ging zu schnell und musste ihm auch etwas geben. Wenn er das ganze nicht mitmachen wollte hätte er bestimmt längst irgend ein Weg gefunden um an was zu kommen... aber nein er hält es aus hatte schlimme Weinkrämpfe etc...jetzt gehts wieder. Ich merke das er kämpft und einen starken Willen hat. Der HA meinte auch wir müssen das ganze mehr ausschleichen lassen. Braucht halt alles etwas Geduld und gute Nerven...und die habe ich noch. GOTT SEI DANK!!


    LG Sonny*:)

    Versuche nochmals einen Aufruf


    hat denn niemand mehr zu diesem Thema speziell was zu sagen


    Das kann und will ich nicht glauben. Wie soll ich meine Erfahrungen hierüber an Dritte weitergeben wenn man mich ins leere laufen lässt.


    Bin echt verzweifelt und suche immer noch nach Möglichkeiten und Erfahrungsaustausche die mir sehr, sehr wichtig sind.:°(


    Also bitte, ihr müsst doch keine Romane schreiben...so wie ich. Auf das wesentliche kommt´s mir doch an.


    Schönnen Sonntag noch + LG

    Sonny10

    Hallo Sonny10,


    Du hast in meinem Faden geschrieben, jetzt habe ich gerade Deinen Faden gelesen ...


    Sonny, Du hast schon einige sehr gute und qualifizierte Antworten erhalten.


    Tatsache ist leider, dass du deinem Mann nicht helfen kannst, solange er "heimlich" mehr Pillen schluckt, als euer Konzept vorsieht.


    Denn das bedeutet er will/kann nicht wirklich aufhören. Und Du kannst leider nicht das geringste tun, solange das so ist.


    Es muß aus ihm selber kommen, er muß es für sich wollen, er muß Angst vorm Sterben haben, Angst vor Gesundheitsschäden, Angst von allen verlassen zu werden ... und diese Angst muß größer sein als die Angst vor einem Leben ohne Medikamente. Nur dann kann es "Klick im Kopf" machen.


    Falls das irgendwann mal so ist, hat er eine Chance es zu schaffen -mit und ohne Hilfe. Mit und ohne Dich.


    Und wenn es ist, wie es sich anhört, nämlich: ER Suchtprobleme und Du Helfersyndrom, -dann werdet ihr Beiden, wie in einem Strudel, "hängen bleiben" -bis einer von euch beiden stirbt (oder anderwertig "fort" ist).


    Ich weiß, das ist eine unangenehme Antwort auf Deine Frage..


    Ich habe eine eigene Suchtgeschichte:


    Meine Schwester ist vor 14 Jahren an einer ähnlichen Sucht gestorben.


    Ich bin seit 10 Jahren frei davon. (Vorher war ich 7 Jahre heroinabhängig 4 Jahre hat mein Kampf dagegen gedauert, ein Jahr davon mit Methadon).


    Es war MEIN Kampf und die beste Hilfe , die ich von meinen Freunden und Angehörigen erhalten habe , war die, dass sie mich aufgegeben hatten.


    Heute bin ich suchtfrei (auch keine Zigaretten). Ab und zu trinke ich 1-2 Bier, aber das ist ok so.


    Liebe Grüße


    PS: Ich stehe gern weiterhin zum Austauschen zur Verfügung *:)