Meine Freundin nimmt Speed

    Hallo zusammen.


    Durch die Entdeckung vor zwei Tagen dass meine Freundin Speed nimmt, bin ich auf dieses Forum gekommen und danke vorab, dass ich hier fehlende Antworten erhalte und Hilfe damit umzugehen.


    Meine Freundin ist 30 Jahre alt und in der Arbeit stark unter Druck. Ich habe Speed gefunden bei ihr und sie hat offen und ehrlich mit mir darüber geredet. Zur Info nebenbei - sind erst 2 Monate zusammen!


    Sie nimmt pro Monat ca 4-5 Gramm Speed - geschnupft! Seit wir uns kennen etwas weniger, weil sie sich wohl fühlt und ihr Selbstwertgefühl sich steigert und sie weniger als sich selbst zweifelt.


    Sie hat gesagt, dass sie mir nicht versprechen kann, sofort aufzuhören, sie denkt nicht das sie es schafft. Wenn wir reden dann verharmlost sie es etwas teils - und teils aber ist sie dann komplett am Boden, dass sie das macht.


    Seit ca 4 Jahren nimmt sie das zeug, jedoch nicht gleich in der Stärke und Regelmäßigkeit.


    Wir sind viel zusammen und sie isst und schläft.


    Meine Reaktion war, dass ich ihr kein Ultimatum usw gestellt habe. Ich ihr aber gesagt habe, dass es mir lieber ist, wenn sie clean ist. Und ich vertraue, dass sie weiß ,was das richtige ist. Und auch wenn es nicht leicht ist und mal schlechtere Wochen dabei sind wo sie mehr nimmt ich zu ihr halte. Und ich glaube, dass sie es schafft.


    Und das meine ich auch wirklich so.


    Ich will ihr kein Ultimatum stellen und nicht drängen, damit sie weiter offen ist zu mir und mich nicht anlügen muss. Sonst erfahre ich gar nichts mehr.


    Und ich weiß nicht, ob ihr unsere Beziehung schon nach so kurzer Zeit auch so viel wert ist wie mir, dass sie kämpft darum, obwohl ich weiß, dass sie mich liebt. Aber durch die Drogen weiß ich nicht, ob die Vernunft bei ihr auch so gross ist.


    Wie ist eure Meinung? 4-5g Speed Pro Monat ist viel? Wie kann sie wegkommen davon? Ich weiß nicht, ob ich das richtige mache...

  • 60 Antworten

    Ich denke, die Frage, ob du mit einer Speedsüchtigen Frau zusammensein willst, kannst du dir nur selbst beantworten.


    Persönlich könnt ich's nicht. Du bist nach der Droge immer an zweiter Stelle - und beachte, eure Beziehung ist ganz frisch - wahrscheinlich gibt sie sich jetzt noch mehr Mühe als in einem Jahr.

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    4-5g Speed Pro Monat ist viel?

    Für mich ist schon ein halbes Gramm zu viel.

    Zitat

    Wie kann sie wegkommen davon?

    Indem sie es erstmal selbst wirklich will. Das scheint nicht der Fall zu sein. Pass auf, dass du nicht ihr Retter werden willst - dann bist du schneller in der Co-Abhängigkeit, als dir lieb ist.


    Persönlich würd ich dir nur eins raten, nimm die Beine in die Hand und lauf...

    Wenn Rauschmittelkonsum schon über einen längeren Zeitraum in den Alltag integriert ist, ist es verdammt schwierig da langfristig wieder rauszukommen.


    Ich würde dir ans Herz legen dich als Angehöriger erst mal unverbindlich bei einer Suchtberatungsstelle beraten zu lassen.. auch als Partner eines Suchtkranken ist es oft nicht leicht.


    In weiterer Folge würde ich schauen, ob deine Freundin bereit ist eine (Sucht-) Therapie zu machen.


    Anders kommt ihr bzw sie da meiner Meinung nach nicht oder nur schwierig raus.

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    Hat nicht jeder eine Chance verdient...


    Sie ist es mir wert, dass sie mit ihr Kämpfe!

    Doch. Aber man sollte sich auch als Partner bewusst sein worauf man sich einlässt. Ich habe das durch und leicht ist es nicht. "Einfach so" aufhören klappt oft, dann verlagert sich die Sucht mitunter, es kommt der ein oder andere Rückschlag und irgendwann dreht sich die Spirale immer weiter runter.


    Ich habe das durch. Irgendwann rutscht man in die Co-Abhängigkeit, ist hilflos und weiß nicht mehr wie man helfen kann. Weil man eben nicht für jemanden kämpfen kann. Kämpfen muss jeder für sich selbst. Als Partner ist man kein Therapeut. Und langfristig kann man alleine nicht stark genug für zwei sein.


    Deshalb mein Anraten euch direkt, also innerhalb der nächsten 2-3 Wochen, an eine Suchtberatungsstelle zu wenden. Sie kann sich dann auf eine Warteliste für einen Therapieplatz setzen lassen. Wenn sie das nicht für sich will, dann weißt du woran du bist und kannst dich auf eine von Sucht geprägte Beziehung einstellen.

    Es gibt wahnsinnig viele Aspekte, über die du dir Gedanken machen solltest.


    Da ist zum einen der Aspekt jeder Droge - legal oder illegal. Sie ist bewusstseinsverändernd und kann süchtig machen. Ob jemand von Speed nicht loskommt oder vom Alkohol macht keinen großen Unterschied. Ihre Motivation ist aber das Gefährliche - während man Alkohol auch problemlos als Genussmittel dosieren kann, ist der Grund für Speed ausschließlich die Wirkung. Vielleicht wirst du es toll finden, wenn sie beim Sex dann abgeht. Aber es gibt ja auch Nebenwirkungen. Und je häufiger man diese Scheinwelt braucht, um Eskapismus von der Realität zu betreiben, umso mehr wird diese schleichend zur Gewohnheit. Auswirkungen auf die Psyche sind bei Gewohnheitskonsum auf jeden Fall zu erwarten - Drogen verändern charakterlich, weil sie schleichend zum Lebensmittelpunkt werden, sobald das Belohnungszentrum die Suchtschwelle überschritten hat (das muss noch keine körperliche Sucht sein). Es kann natürlich genauso sein, dass deine Freundin zum anderen Menschen wird, wenn sie nichts mehr nimmt.


    Bedenklich ist auch die Entschuldigung, dass sie auf der Arbeit Druck hat. Es gibt ganz andere Mittel, damit klarzukommen. Meditation, Achtsamkeit, Sport. Schlimmstenfalls würde ich die Arbeit wechseln, bevor ich dieses Leben nur mit Mittelchen bewältigen kann.


    Neben den üblichen Drogenaspekten kommt hinzu, dass Speed illegal ist. Das sind ganz praktische Aspekte, ohne Wertung. Besitz ist strafbar. Drogentests im Verdachtsmoment (Straßenverkehr) oder im bürgerlichen Leben (je nach Beruf z.B. bei Bewerbung auf andere Stellen) können Nachteile bringen. Dummerweise führt Dauerkonsum irgendwann auch bei den beherrschtesten Konsumenten zu Gefühlen der Unantastbarkeit - man wird immer weniger vorsichtig. Es kann durch ganz dumme Zufälle auffliegen. Außerdem weiß sie nie, was ihr auf dem Schwarzmarkt vertickt wird. Du wirst derjenige sein, der vielleicht als erster Entscheidungen treffen muss, falls sie mal einen Kollaps hat oder Schlimmeres.

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    Ich will ihr kein Ultimatum stellen und nicht drängen, damit sie weiter offen ist zu mir und mich nicht anlügen muss. Sonst erfahre ich gar nichts mehr.

    Das ist richtig, dass du sie zur Offenheit ermunterst. Aber du solltest dir auch überlegen, was du mit dieser Offenheit und den Informationen anstellst. Finde dich da rein und nimm dir Zeit. Einige Dinge zwischen euch sollten in dieser Findungsphase "unter Vorbehalt" bleiben, bis du dir eine Meinung dazu gebildet hast.


    Ich persönlich habe im Leben schon zu viel erlebt, als dass ich eine Partnerin tolerieren würde, die sich von Substanzen abhängig macht. Schon eine Gewohnheits-Raucherin ist für mich persönlich ein No-Go. Aber da bin ich vielleicht auch ein bisschen extrem ...

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    Trennung ist keine option für mich.


    Sie ist mir viel wert - ich gehe auch den schweren Weg.

    Klingt wie ein Ticket in die Co-Abhängigkeit, Aufopferung klingt furchtbar romantisch. Aber du richtest dich damit schneller zugrunde, als du schauen kannst. Denn:

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    Ich glaube fest an Sie - an uns und das sie es schafft und will!

    Wie du schreibst, möchte sie nicht aufhören. Also glaubt sie wohl nicht, dass sie es schafft?

    Einem Süchtigen kann nur geholfen werden wenn er es wirklich will. Da der Konsum sich hier schon so extrem eingeschliffen hat und sie offenbar auch für sich kein Problem damit hat sehe ich da allerdings schwarz. Liebe und Aufopferung reichen eben nicht um dem Partner zu helfen sondern sorgen nur dafür das man sich selbst kaputt macht.


    Wenn bei ihr Einsicht vorhanden ist und sie aus eigenen Stücken aufhören will: Unterstütz sie. Sind es dagegen nur Lippenbekenntnisse weil sie weiß das du das hören willst: Distanziere dich.

    Sie nimmt ja seit Wochen schon "nur" noch die halbe Dosis. Unbewusst, weil es ihr mit mir gut geht.


    Sie kann es mir nicht versprechen, weil sie vl nicht selbst an sich glaubt.


    Ich kann sie nicht aufgeben - sie ist mir zuviel wert! Sie ist nicht dumm, nicht naiv, sie ist auch clean eine starke Frau, innerlich jedoch teils unsicher und unter Druck.


    Ich gehe das Risiko ein, um unsere Liebe zu kämpfen, und wenn wochenlang Tiefs sind.

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    4-5g Speed Pro Monat ist viel?

    Ich habe mal bei CheckIt nachgelesen. Wenn ich also nach den Infos von der Seite davon ausgehe, dass eine Einzeldosis bei 25mg reinem Speed ist, dann komme ich bei 5g ( = 5000mg) auf 200 Einzeldosen im Monat.


    Deine Freundin ist weit ausserhalb von Drogenkonsum als Genussmittel. Sie ist da ziemlich tief drinnen. Zum Glück gibt es gute Therapeuten.


    Bitte lass auch du dich bei einer Suchtberatungsstelle beraten. Viele arbeiten auch mit Angehörigen. Und für Angehörige kann es verdammt hart sein mit einem kranken Partner ohne Krankheitseinsicht zusammen zu sein..

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    Ich gehe das Risiko ein, um unsere Liebe zu kämpfen, und wenn wochenlang Tiefs sind.

    In zwei Jahren sehe ich drei Möglichkeiten:


    1. Sie ist tatsächlich davon weg.


    2. Ihr seid getrennt.


    3. Du nimmst es auch.


    Setz dir ein Limit und ihr eine Grenze. Fang bloß nicht an, die positiven Wirkungen der Droge zu tolerieren (das mit dem Sex habe ich ja schon genannt). Verbitte dir Konsum in den Zeiten, wo ihr was zusammen unternehmt. Du willst sie so kennenlernen, wie sie wirklich ist.


    Und vor allem sei Wachsam bezüglich Heimlichkeiten. Diese sind ein absolutes Alarmsignal.


    Wenn du das tust, wird sich zeigen, ob sie den Weg mitgehen kann/will oder nicht. Wenn nicht, such dir eine andere.

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    Sie nimmt ja seit Wochen schon "nur" noch die halbe Dosis. Unbewusst, weil es ihr mit mir gut geht.

    Ich gehe davon aus, dass sie bezüglich ihres Konsums und des Konsummusters nicht ehrlich ist. Das sind die allerallerwenigsten Süchtigen. Eben weil sie eigentlich tief innen drinnen wissen, dass sie nicht mehr im auch nur irgendwie tolerierbaren Bereich sind.


    Der Punkt, dass sie Drogen zur Selbstmedikation nimmt, damit es ihr dadurch besser geht, ist ein weiterer kritischer Aspekt. Aber auch ein Punkt, an dem man in einer Therapie ansetzen kann.

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    Sie kann es mir nicht versprechen, weil sie vl nicht selbst an sich glaubt.

    Es wäre auch albern ihr ein derartiges Versprechen abzunehmen. Sie schuldet dir und niemandem Rechenschaft. Und sowohl Suchtverlagerungen als auch Rückschläge sind bei Suchtkranken (gerade, wenn sie noch nie in Behandlung waren..) leider normal.

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    Ich kann sie nicht aufgeben - sie ist mir zuviel wert! Sie ist nicht dumm, nicht naiv, sie ist auch clean eine starke Frau, innerlich jedoch teils unsicher und unter Druck.

    Das glaube ich dir. Das oft verbreitete Bild, dass nur Menschen, die total am Boden sind, ein Suchtproblem haben, stimmt so nicht. Das sind Menschen wie du und ich, die eben suchtkrank sind.

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    Ich gehe das Risiko ein, um unsere Liebe zu kämpfen, und wenn wochenlang Tiefs sind.

    Weißt du, im worst case sind das eher monate- bis jahrzehntelange Tiefs. Da wird es auch für dich teils schwierig sein deine eigenen Grenzen zu wahren. Bitte lasst euch dabei professionell begleiten, ehrlich.

    Ich wäre bereit Hilfe von außen anzunehmen. Bei ihr weiß ich das nicht.


    Das ist ja das Problem, sie ist erwachsen und alt genug. Sie ist mir keine Rechenschaft schuldig und schon gar nicht muss sie Regeln einhalten die ich ihr Stelle. Damit würde ich sie nur verlieren.


    Ich will, das sie es selbst will und erkennt, das sie davon weg kommt.


    Wenn ich jeden Tag darüber rede mit ihr, dann werde ich ihr auch auf den Nerv gehen.