• Ritalin

    Da ich jetzt schon sehr oft in irgendwelchen Foren lesen musste, dass Eltern ihren Kindern Ritalin verschreiben lassen wollen, da ihre Kinder zu "unruhig" sind, muss das einfach mal raus... Ich bin 24 nehme jetzt seit gut 4 Jahren Methylphenidat. Anfangs war es noch ganz "nett", da ich mich wohler fühlte als ohne. Konzentration oder sonstige schulischen…
  • 150 Antworten

    Der menschliche Organismus ist enorm adaptionsfähig. Er passt sich IMMER an die jeweils gegebenen Lebenssituationen (Faktoren der Lebensführung wie Ernährung, Körperliche Aktivität etc.) an. Daher passt er sich auch immer an chronisch dem Körper zugeführte, exogene Substanzen wie Medikamente/Drogen an, was letztendlich zur Integration letztgenannter in die endogenen Prozesse fürt und demnach eine gewisse Form der Abhängigkeit darstellt. Hiermit ist noch nicht gesagt, wie schnell und wie intensiv diese Adaption abläuft, doch dass sie früher oder später abläuft, ist eindeutig. Daher ist auch jedes exogene Pharmakon (zumindest jene mit psychotropischem Potenzial, bei den anderen Medikamenten kenne ich mich zu wenig aus um ein Urteil fällen zu können, doch auch bei diesen Stoffen gehe ich von einer Adaption aus) potenziell abhängigkeitsauslösend.


    Im Übrigen gilt dies nicht nur für Medikamente, sondern auch für Lebensmittel, Lebensgewohnheiten etc.

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    Jedes Pharmakon hat Suchtpotential. Die Frage ist nur, wo die Schwelle liegt...

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    Edit: Nicht jedes Pharmakon, sondern jedes psychotropische Pharmakon.

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    Im Übrigen gilt dies nicht nur für Medikamente, sondern auch für Lebensmittel, Lebensgewohnheiten etc.

    So etwas ähnliches stand auch schon einmal in einem anderen Forum. Meine Cousine dachte dann sie wäre tablettenabhängig, süchtig, würde Drogen nehmen. Sie hat Antidepressivum und Neuroleptika abgesetzt. Sie hatte das mit keinem Arzt angesprochen, sie hatte nämlich kein Vertrauen mehr, weil dieser sie ja "mit Drogen zupumpt". Sie wurde wieder depressiv, suizidal und psychotisch und hat dann einen Suizidversuch unternommen.

    @ Kathleen

    das natürlich heftig, aber unrecht hat er deswegen nicht. Ich nehm selber Antidepressiva die als ungefährlich gelten, aber genau weil eine gewisse abhängigkeit normal ist darf man die Tabletten eben nicht ohne ärztliche Begleitung absetzen. Wenn man auch von diesen sachen die Beipackzettel durchließt gibt es da immer sogenannte Absetzungserscheinungen wenn man sie zu plötzlich absetzt, was nichts anderes sind als Entzugserscheinungen ;-)

    [...]


    Dass deine Cousine solche Beiträge missversteht, ist nicht die Schuld der Menschen, die diese Beiträge verfassen. Ich selbst habe in keiner Silbe geschrieben, dass ein Mensch süchtig ist, nur weil er Medikamente mit Suchtpotenzial nimmt. Denn wie bei allen Dingen entscheidet noch immer das Maß über Gut und Schlecht, nicht die Sache, in diesem Fall die Substanz, selbst. Wenn jemand das nicht versteht, so ist das nicht die Schuld des Verfassers.

    Hmmm ich hab keine Ahnung von Ritalin oder ADHS, ADS oder wie es auch immer heißt... hab aber neulich einen Bericht gesehen, in dem gesagt wurde, dass dieses Ritalin ähnlich wirkt wie Amhetamin (Speed) weils diese Neurotransmitter blockiert oder so... und das Dopamin länger an den "Andockstellen" im Hirn hält.. hat mich schon nachdenklich gemacht =/

    Zitat

    aber genau weil eine gewisse abhängigkeit normal ist darf man die Tabletten eben nicht ohne ärztliche Begleitung absetzen.

    "Gewisse Abhängigkeit": Ja. Aber das hat rein gar nichts mit Sucht, Entzug, Drogen und Suchtpotential zu tun.

    Zitat

    immer sogenannte Absetzungserscheinungen wenn man sie zu plötzlich absetzt, was nichts anderes sind als Entzugserscheinungen

    Absetzreaktionen haben auch eine psychische Komponente über die Wirkung selbst. Wenn Du Dein Antidepressivum absetzt, machst Du Dir Gedanken, ob Du dadurch nicht wieder Depressionen bekommst, Dir es dadurch wieder schlechter geht. Aber Du machst Dir keine Gedanken darüber, dass Dir der Kick fehlt, oder eine dämpfende Wirkung, die Dir alles egal erscheinen lässt. Wenn Du Dein Antidepressivum schon länger genommen hast, eingestellt bist, hast Du ja schon gar keine dämpfende Wirkung mehr, die Dir dann fehlt. Benötigst Du kein Antidepressium mehr und setzt es deshalb ab, wirst Du nicht gleich wieder ein anderes nehmen, für den Kick und die dämpfende Wirkung.


    Wenn Du ein Medikament mit Suchpotential absetzt und Du bist süchtig danach, fehlt Dir das Feeling, der Kick. Du möchtest es deswegen dann wieder nehmen, oder eine Altervative. Das lässt Dir keine Ruhe mehr, beschäftigt Dich sehr. Wenn man von einem Medikament süchtig ist, überlegt man ständig, wie man es beschafft, man geht niergens hin ohne das Medikament, man nimmt es nicht nach Plan, sondern wenn man es meint zu brauchen. Man hat Angst, dass man nicht genug zu Hause hat, es ausgeht. Man dosiert oft auch höher, obwohl es für die eigendliche Wirkung eine geringere Dosierung ausreicht. Die meisten haben einen zu großen Verbrauch und Probleme mit der Beschaffung. Das ist dann keine Abhängigkeit mehr, sondern Sucht und ist nur möglich bei Drogen oder Medikamenten mit Suchtpotential. Dazu gehört weder Ritalin noch Antidepressiva.

    @ Kathleen-Sarah

    Ich nehme selbst seit langem Antidepressiva, habe aber auch zwischendrin längere Zeit mal keins genommen. Dasselbe ist bei mir mit Neuroleptika. Ich hatte nie Probleme. Denn sie "flashen" einen ja nicht. Sie lösen keine Glücksgefühle aus. Bei ADHSlern ist das mit dem Ritalin auch so. Da muss schon ein Nicht-ADHSler das Medikament in viel größerer Menge missbrauchen, damit eine Suchtgefahr besteht.

    @ Kathleen

    Mir scheint du hast eine sehr altertümliche Auffassung von Drogen, Sucht und Abhängigkeit. Denn [...] eine Droge [ist] nicht durch den "Kick" definiert, genausowenig wie Abhängigkeit und Sucht. [...]

    Zitat

    Nicht-ADHSler das Medikament in viel größerer Menge missbrauchen, damit eine Suchtgefahr besteht.

    Ritalin wird von der Krankenkasse für Erwachsene nicht übernommen. Süchtige lassen sich daher Medikamente verschreiben, die ihnen nichts kosten und eben nicht Ritalin. Das käme zu teuer.

    Um dir mal auf die Sprünge zu helfen:


    1) Der Begriff "Sucht" ist veraltet und ist im Bereich stoffgebundener Abhängigkeit durch "Abhängigkeit" ersetzt worden. Ergo zieht dein [...] Differenzieren von Sucht und Abhängigkeit nicht.


    2) Eine Droge ist eine Substanz, die Prozesse im Nervensystem zu verändern mag. Dazu zählen sowohl Ritalin als auch Antidepressiva sowie alle anderen Psychopharmaka und noch viele weitere Medikamente.


    3) Eine Abhängigkeit hat nichts mit einem "Kick" oder einem "Flash" zu tun, genausowenig wie die Drogenwirkung. Eine Substanz kann eine Droge sein, auch wenn sie nicht gleich so wirkt wie Ecstasy ;-). Und andersherum kann eine Abhängigkeit genauso von einer solchen Substanz hervorgerufen werden, auch wenn der Betroffene zu keiner Zeit ein "Verlangen nach dem Kick" hat.


    Und damit bin ich noch lange nicht auf alle Aspekte deines Beitrags eingegangen...

    Zitat

    ist eine Droge nicht durch den "Kick" definiert,

    Ich schrieb auch:

    Zitat

    oder eine dämpfende Wirkung, die Dir alles egal erscheinen lässt.

    Aber vielleicht nehmen ja alle solche Stoffe aus Lust, Langeweile, weil sie ihrem Körper schaden wollen und zuviel Geld haben.

    Zitat

    Ritalin wird von der Krankenkasse für Erwachsene nicht übernommen. Süchtige lassen sich daher Medikamente verschreiben, die ihnen nichts kosten und eben nicht Ritalin. Das käme zu teuer.

    Ich weiß. Das würde sich gar nicht lohnen. Ich glaube, wir sind da einer Meinung!


    Und zu der Geschichte Entzugserscheinungen vs. Absetzerscheinungen. Das ist nicht das gleiche! Ich weiß nicht, was hier erwartet wird. Absetzerscheinungen kommen bei Medikamenten vor, die in unserem Gehirn wirken und dort integriert sind. Bis sie da anfangen zu wirken, muss man sie erstmal ne Weile nehmen. Ist doch klar, dass es da kurz rattert, wenn man sie plötzlich weglässt. Da muss sich das ganze erstmal umstellen. Es handelt sich hier um eine sehr sensible Stelle im Körper. Das ist nicht das gleiche wie beim Entzug, wenn der Körper nach dem Medikament oder der Droge schreit.