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    Naja, ich könnte ja jeden Tag aufhören, Tavor zu nehmen, nur wäre mein Leben dann um einiges unangenehmer. Ich bin aber nicht abhängig und deshalb gibt es keinen Grund für eine stationäre Behandlung.

    Ich denke, dass hier nicht eine stationäre Behandlung aufgrund von Tavor vorgeschlagen wurde, sondern wegen dem Grund aus dem du Tavor nimmst. Und das ist wirklich nicht übertrieben. Wenn du schon mehrmals wöchentlich ein Notfallmedikament nehmen musst/willst, damit du es aushältst, dann ist für mich der Grund einer intensiveren Therapie schon gegeben.


    Aber wie vorhin schon gesagt, ein AD nach einer Woche abzusetzen weil es müde macht ist schwachsinn. Sollte dein Arzt dir auch gesagt haben, wenn er einen Funken Ahnung hat.


    Ich habe mit meinem AD damals 2 1/2 Wochen mit Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen gekämpft. Danach waren die Nebenwirkungen wie weggeblasen und es wirkte richtig gut.


    Je nach Person dauert es eben 1-4 Wochen, bis der Körper sich an das Medikament gewöhnt hat (gerade weil ADs in den Hirnstoffwechsel eingreifen).

    "Ich lese eher Besorgnis aus den Antworten"


    Ich finde es auch sehr nett, dass ihr eure Besorgnis darüber äußert! Nur hat meine Frage eben nicht darauf abgezielt.


    "Und über die Langzeitwirkungen von Lorazepam (Wirkstoff von Tavor) hast Du offenbar auch noch nichts gehört oder gelesen. "


    Ehrlich gesagt: nein. Ich weiß nur, dass es abhängig machen kann, wenn man es zu oft nimmt.


    "Du UNTERSCHÄTZT dieses Medikament. Nicht zuletzt deshalb, weil Du offenbar noch nie versucht hast, es abzusetzen."


    Ich gebrauche es ja sehr sparsam. Was mir aufgefallen ist: Die zwei Ärzte, sowie die Apotheke, die es mir geben, finden den Tavorgebrauch in der aktuellen Größenordnung in Ordnung, während die Psychotherapeutin und der Großteil der Internetgemeinde das Medikament verteufeln. Irgendwie scheint es da zwei grundlegend unterschiedliche Philosophien zu geben. Ich habe gehofft, dass es irgendeine Meinung dazwischen gibt, scheint aber nicht der Fall zu sein :-(

    Aber, Thekts, dass Ärzte und Apotheken "den aktuellen Verbrauch in Ordnung finden" – man nennt es auch "nicht so genau nehmen" – ist sicher kein Beweis für die Unschädlichkeit, denn all die abhängig Gewordenen – und davon gibts reichlich – hatten mal Arzt und Apo, die die bedient haben ... bis hin zur Sucht.


    Jahrelange Einnahme ist keinesfalls in Ordnung.


    Aber, da Dich die Warnungen nerven, nur noch kurz und knapp: Nein, die 17 Tage sind NICHT okay, sie bedeuten eine nicht unerhebliche Dosiserhöhung.

    also zum einen möchte ich sagen das es keine klinik gibt die einen kalten entzug durchführt


    zum anderen treten von dir AVM-Joanne aufgeführte entzugserscheinungen eher bei überdosierung auf


    ich nehm seit 8 jahren tavor -10mg am tag und ich hab in dieser zeit auch schon einige entzüge gemacht und muss sagen das die meisten kliniken sehr darauf bedacht sind das langsam reduziert wird


    das ich immer wieder rückfällig wurde is ne andere geschichte


    aber man muss hier niemandem angst machen weil so schlimm ist der entzug in einer qualifizierten klinik nicht


    und ne atemdepression bekomm ich nur wenn ich mich mit tavor umbringen will also hört auf den leuten angst zu machen

    Eine soziale Phobie mit Benzodiazepinen zu "behandeln" ist seitens des Arztes unverantwortlich. Es ist einfach keine Therapie – die aber erforderlich wäre.


    Bei einer so langen Einnahme wie von Dir geschildert ist zumindest schon eine psychische Abhängigkeit vorhanden (Nimmst Du das Tavor nur, wenn es IN der Situation nicht anders geht – oder schon im Vorfeld ohne zu wissen, ob es nicht doch ohne gegangen wäre? Bei letzterem bist Du psychisch definitiv abhängig).


    Klar, das Leben mit Tavor ist easy. Noch. Bis die Situationen mehr werden... die Dosis steigt... solange der Arzt mitmacht, alles kein Problem.


    Ich arbeite auf einer Station für Qualifizierten Entzug, wo ca. die Hälfte der Patienten abhängig von Benzos ist. Die haben alle mal angefangen wie Du. "Hilft doch"... "Hat der Arzt doch verschrieben, ist doch keine Droge"... "Ist doch gegen meine Angst". Und einige Jahre später sitzen diese Angstpatienten bei uns mit einer Suchtdiagnose. Nehmen 10 oder mehr mg am Tag. Nicht mehr nur vor DEM wichtigen Gespräch/Termin/Prüfung, sondern sobald sie nur mit einem Postboten reden müssen.


    Der Entzug ist hart – und die Angst, wegen der man das Tavor nimmt, ist auch noch da. Tolle Lösung.


    Ansonsten ist der Einfluss von Tavor auf die Psyche erwähnt worden... hinzu kommt noch gestörtes Schlafverhalten und reduzierte Lernfähigkeit. Plus die Tatsache, dass Du so NICHT lernst, DAUERHAFT ANDERS mit Deinen Ängsten umzugehen.


    Aber Du willst es nicht wahrhaben. Deine Antworten zeigen, wie sehr Du es verharmlost. Es ist DEINE Sache. Ich kann mich nur den Warnern hier anschließen: Du unterschätzt das Medikament TOTAL. Solche Medikamente sollen nur 10-14 Tage eingenommen werden. Als Bedarfsmedikation können sie bei gelegentlicher Einnahme natürlich verordnet werden. Das heißt aber BEDARF, im NOTFALL. Nicht VOR wichtigen Terminen, sondern ggf. erst IN einer AKUTEN Krisensituation. Aber das ist selbst bei der Diagnose Soziale Phobie NICHT gerechtfertigt. Die Erkrankung ist NICHT schwerwiegend genug, um den Einsatz von Benzos überhaupt zu rechtfertigen. Und ohne begleitende (ambulante) Psychotherapie bei einem Psychotherapeuten (keine Kurzkontakte mit einem Psychiater) ist es noch riskanter.


    Somit ist alles gesagt. Entscheide selber über Dein Leben. Mit DER Einstellung zu Benzos wirst Du Dir langfristig nur weitere Probleme einhandeln.


    Die Größenordnung, in der Du es nimmst, ist definitiv schon zu häufig.


    Und was Ärzte und Apotheker angeht: Du glaubs gar nicht, was es da gibt. Ärzte, die monatlich eine 100er-Packung verordnen und dem Patienten sagen, max. eine am Tag. Passt was nicht. Aber wer garantiert einen Überweisungsschein/Praxisbesuch pro Quartal (= sicheres Einkommen) bei wenig aufwand (Rezept ausstellen, Patient zufrieden)? Genau: Benzo-Abhängige!


    Was den Entzug angeht:


    Der wird in KEINER Klinik kalt gemacht. I.d.R. wird ein anderes Benzo gegeben und dann langsam reduziert. Plus weitere Medikamente gegen Entzugssymptome, plus bei längerer Abhängigkeit noch Mittel gegen epileptische Anfälle, da im Entzug die Krampfschwelle sinkt. Die Patienten leiden unter subjektiv etwas mehr Unruhe (man könnte es auch normales, nicht gedämpftes Befinden nennen, aber wenn man de Häkfte der Zeit im Benzo-Nebel lebt...). Ggf. leichtes Schwitzen, der Blutdruck steigt häufig. Schlafstörungen sind häufig stärker und belastender. Dauer eine solchen Entzugs: 6-10 Wochen, je nach Ausgangsdosis. Bei gelegentlicher Einnahme (so wie bei Dir) selten unter 3 Wochen – denn häufig kommt es nach einigen Tagen komplett ohne Benzo zu Rebound-Effekten und einigen ziemlich ungangenehmen Tagen, die mit dem eigentlichen Entzug gar nicht mehr so viel zu tun haben. Ich empfehle die Erfahrung keinem.

    Atemdepression ist allerdings auch unter "normalen" Dosen Tavor in Kombi mit Alkohol möglich. "Normale" Dosis heißt für mich: Eine Dosis, bei der der Einnehmende noch gehen. denken und halbwegs funktionieren kann. Dass das Dosen sind, die jemand anderen ohne Vorgeschichte 3 Tage schlafen lassen... tja...

    oh, prima, dass ich nun endlich ein Freifahrtticket für Drogenmissbrauch bekommen habe ;-D


    ich hatte noch nie eine Überdosis. :|N


    1mg war das Höchste am Tag


    Dehalb kann ich bei Überdosierung von Tavor nicht mitreden.


    Alles, was ich an Problemen hatte war in der Zeit des Entzugs.


    Vielleicht heißt es ja anders als Atemdepression? ich konnte jedenfalls nicht mehr richtig durchatmen und musste mich dazu zwingen, also eher atemstockungen. auch nicht gerade prickelnd :-/


    Alkohol trinke ich nicht.


    Danke an sunflower, vom Fach. jetzt habe ich sogar noch etwas dazu gelernt :)^


    Ich war der Meinung, dass grundsätzlich in 3-6 Wochen entzogen wird.(Quelle: Internet, keine Ahnung wo...)


    Offenbar ist das falsch.

    "Eine soziale Phobie mit Benzodiazepinen zu "behandeln" ist seitens des Arztes unverantwortlich."


    Die Ärzte haben mich auf die potentielle Abhängigkeit aufmerksam gemacht und letztendlich wäre es ja mein eigenes Problem, wenn ich abhängig würde.


    "Nimmst Du das Tavor nur, wenn es IN der Situation nicht anders geht – oder schon im Vorfeld ohne zu wissen, ob es nicht doch ohne gegangen wäre?"


    Naja, wenn ich es nicht im Vorfeld nehmen würde, wäre es sowieso schon zu spät. Auch wenn es meist anders angegeben wird brauchen die Expidet bei mir mindestens 45 Minuten, bis die Wirkung ausreichend vorhanden ist. Ansonsten würde ich es natürlich erst in der Situation nehmen.


    "Mit DER Einstellung zu Benzos wirst Du Dir langfristig nur weitere Probleme einhandeln."


    Es ist ja bereits 3 Jahre lang gut gegangen. Nach den meisten Angaben im Internet müsste ich am Tavor ja schon wie ein Drogenabhängiger kleben.


    Danke jedenfalls für die ausführliche Einschätzung. Ich überdenke das mit den 17 Tagen ernsthaft, nur fehlt mir momentan die Alternative zum Tavor.

    Zitat

    Naja, wenn ich es nicht im Vorfeld nehmen würde, wäre es sowieso schon zu spät. Auch wenn es meist anders angegeben wird brauchen die Expidet bei mir mindestens 45 Minuten, bis die Wirkung ausreichend vorhanden ist.

    tja, das kommt davon, dass du es schon zu lange und regelmäßig nimmst.


    Gib mir 2,5mg Tavor (expidet) und in allerspätestens 20 Minuten liege ich im Tiefschlaf.


    Ich kann aber gut nachvollziehen, dass Du es lieber vorher nehmen möchtest, damit Du gar nicht erst in die Angst-machende Situation gerätst. Dafür hast du zwar mein Verständnis.


    nur nützt Dir das Ganze langfristig überhaupt nichts. :-(

    Tja, der Punkt ist:


    Du hast es auch vorher ohne Medikamente geschafft. War sicherlich nicht angenehm und kein Dauerzustand. Aber Du hast DREI Jahre Zeit gehabt, die Benzos als vorübergehend zu sehen und an alternativen Strategien zu arbeiten.


    Daher stellt sich mir gerade die Frage:


    HAST Du keine anderen Optionen – oder WILLST Du keine?


    Und was die Ärzte angeht:


    Die könnten Nein sagen... eine weitere Verschreibung verweigern... Dir zumindest zusätzlich zur pauschalen Moralpredigt ein paar Takte sagen und Dich aktiv bei der Suche nach gesünderen Lösungsstrategien unterstützen. Gehört streng genommen zum Handeln eines verantwortlichen Arztes. Spricht Bände bzgl. des Verhaltens Deiner Ärzte.


    Und zu den 3 Jahren:


    Eine Zuspüitzung steht aber bevor, wenn Du es 17 Tage am Stück nehmen willst. Was, wenn sich in Deinem Leben diese schwierigen Situationen häufen? Die Patienten bei uns auf der Station kommen auch nicht nach 3 Jahren. Die kommen nach 5, 10 oder 30 Jahren (das sind dann nette Damen Mitte 60).


    In der Zeit geht der Zugriff auf die eigentliche Angstproblematik ziemlich verloren und Du wirst zum reinen Suchtpatienten. Zudem mehr oder weniger unfähig, das kleinste Bisschen an Angst und unangenehmen Gefühlen (gehört zum Alltag) auszuhalten, weil Du schon im Vorfeld Tavor einsetzt und es gar nicht mehr zu Angst, Anspannung, Nervosität,... kommt. Praktisch, angenehm – und fatal.


    Dabei sind gerade soziale Phobien verhaltenstherapeutisch so gut zu behandeln... aber das dauert halt eine Weile. Erfordert Arbeit an sich, Mut sich den Situationen zu stellen, Bereitschaft gründlich umzudenken,...


    Und wenn's mal gar nicht ohne Medis geht und das Durchhaltevermögen für Antidepressiva-Einstellung nicht ausreicht: Dann gibt's immer noch andere Mittel gegen Angst/Unruhe, die immerhin nicht das Suchtpotential haben.


    Wenn man Benzos aber nimmt, um zu funktionieren (und nicht, um in einer akuten Krise schneller runterzukommen), läuft was falsch und ist die Abhängigkeit schon da. Wenn ich 1 mg Tavor nehme (hab's mal probiert), gehen meine Reaktionszeiten bei Computertests bzgl. Fahreignung etc. massivst in den Keller, bin ich völlig benebelt und nicht sonderlich konzentrations- & leistungsfähig. Ich könnte in dem Zustand kein Vorstellungsgespräch führen, keine Rede halten oder Präsentation durchführen.

    @ Joanne:

    Ich kann sicherlich nicht für alle Kliniken sprechen. In denen, die ich direkt oder über Kollegen kenne, wird langsam entzogen. Der "qualifizierte Entzug" als Voraussetzung für eine langfristige sog. Entwöhnungsbehandlung im Anschluss an die Entgiftung dauert 21 Tage. Das gilt aber eigentlich nur für Alkohol. Bei Benzos wird deutlich langsamer entzogen und auch deutlich flexibler (d.h. Reduktion erst, wenn der Patient mit der aktuellen Dosis zurechtkommt. Im Schnitt 1-2 Reduktionen pro Woche, die sich im Bereich von 0,25 bis 1 mg bewegen. Je nach Ausgangsdosis und Verfassung des Patienten). Wenn man dann mit Krankenkassen telefoniert bzgl. Verlängerung der Kostenzusage für dne Aufenthalt, wirkt das Wort "Benzo-Entzug" nahezu Wunder. Da kann man fast alles an Wochenzahl verlangen.