• Wie kann ich meinem Freund aus der Alkoholsucht helfen?

    Hallo, mein freund trinkt nun schon seit über 2 jahren (ich glaube seit 4 jahren). er ist jeden tag nach der arbeit stock besoffen, das er oft nicht mehr gerade laufen kann und nur noch scheiße redet. vor 5 wochen kam auch eine echt heftige aussage, darauf hin hab ich schluss gemacht. er wollte sich aber wieder versöhnen. ich hab langsam echt keine kraft…
  • 97 Antworten
    Zitat

    Aber es ist deren Leben. Sie haben sich dafür entschieden. Da ändert man nichts dran,

    Ja, natürlich, sie haben sich dafür entschieden, somit müssen sie auch die Konsequenzen tragen. Die meisten suchen jedoch die Schuld bei anderen; sei es der lieblose Partner, die lieblosen Eltern, die böse, böse Gesellschaft...


    Mir ist durchau bewusst, dass man nichts daran ändern kann. Habe ich irgendwo etwas anderes geschrieben???


    Nein, ich empfinde keine pauschale Wut, eher Verachtung und Unverständnis. Die Wut kommt bei mir erst dann auf, wenn ich miterlebe, wie die Säufer ihre Mitmenschen mitunter wirklich an ihre Grenzen und weit darüber hinaus bringen und argumentieren, dass sie krank sind, gar nichts dafür können und somit gefälligst jeder Verständnis aufbringen muss... Da geht mir wirklich der Hut hoch...


    Im Freundes- und Bekanntenkreis befinden sich keine Alkoholiker, dort hat man ja erfreulicherweise die Möglichkeit, rigoros auszusieben. Familiär sieht es da doch anders aus. Aktuell befinden sich noch zwei langjährige Alkis in der Familie am Leben... Ich mag beide recht gern, distanziere mich aber und betrachte ihren Selbstmord aus einer großen, inneren Distanz heraus. Sind beide nüchtern, haben wir ein gutes Verhältnis zueinander, bemerke ich einen gewissen Alkoholpegel, breche ich den Kontakt für eine Weile ab. Das sieht dann so aus, dass ich das Telefonat sofort beende, bzw. mich gar nicht erst auf dieses einlasse oder bei Besuchen eben sofort wieder gehe.


    Damit kann ich gut leben und ich empfinde auch keine Wut oder Trauer; es ist ihr Weg und den müssen sie eben ohne meine Unterstützung und mein Mitgefühl beschreiten. Hier investiere ich emotional gar nichts -> Perlen vor die Säue....


    Die Partner der beiden... nun, der eine säuft lustig mit und die andere ist meine Mutter. Es ist ihr zweiter Lebenspartner und auch der erste (mein Vater) soff wie ein Loch. Wenn sie meint, dass es ihr Schicksal ist, zwei Säufer beim langsamen Verrecken zu begleiten, dann ist das so. Sie hat sich das sehenden Auges so ausgesucht, zumindest beim zweiten Partner. Für mich ist das nicht nachvollziehbar, erzeugt bei mir aber eher Verwunderung bis Verachtung und keine Wut oder Trauer...,


    Sie scheint aber auch nicht übermäßig darunter zu leiden, ist eher mal genervt als traurig oder verzweifelt. Und ihr ist auch durchaus bewusst, dass ihr Partner keine allzugroße Lebenserwartung mehr hat.


    Meine Partner haben nie getrunken, darauf achte ich auch sorgfältig. Ich habe gar keine Angt davor, in eine Co-Abhängigkeit zu rutschen, eher finde ich es absolut widerlich, einen Mann mit Bierfahne an meiner Seite zu haben. Und angetrunkene Männer finde ich im höchsten Maße unattraktiv... ;-)


    bright&shiny


    Über die Wut habe ich nachgedacht, wirklich. Im normalen Tagesgeschehen empfinde ich keine Wut. Bei meinen beiden Alkis leidet das Umfeld auch nicht. Insofern empfinde ich dort eher Verachtung. Die Wut steigt erst dann auf, wenn Kindern ein Leben unter Säufern zugemutet wird...


    Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr und dass alle eure Wünsche, Träume und Hoffnungen in Erfüllung gehen mögen... :)*

    Ich denke schon, dass es für unerfahrene Menschen, die einen saufenden Partner haben, recht hilfereich sein kann, auch mal Meinungen zu lesen, die eben nicht davon beeinflusst sind, Alkis in "rosarote Verständnis-Watte" zu packen.


    Anfangs glauben ja alle, dass sie das schon schaffen und der Partner aufhören wird, weil er einen doch wirklich liebt... Weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf... ]:D


    Über soviel Blindheit, Naivität und Weltfremdheit kann ich nur den Kopf schütteln; andererseits, wer nicht unter Säufern groß geworden ist, hat wohl eben kein Auge für die Tragweite der Sucht...


    So, nun bin ich aber wirklich weg ;-)

    Zitat

    Vagabundin

    Zitat

    Bei meinen beiden Alkis leidet das Umfeld auch nicht. Insofern empfinde ich dort eher Verachtung.

    kann ich verstehen. Ich weiß zwar nicht was du alles durchgemacht hast, aber man kann es ein wenig erahnen. Anscheinend ist es dir aus diversen Gründen nicht Möglich es als Krankheit zu verstehen und wenn du jetzt glaubst mit Verachtung besser klar zu kommen, dann ist es so richtig.

    Zitat

    Ich denke schon, dass es für unerfahrene Menschen, die einen saufenden Partner haben, recht hilfereich sein kann, auch mal Meinungen zu lesen, die eben nicht davon beeinflusst sind, Alkis in "rosarote Verständnis-Watte" zu packen.

    vielleicht auch mal interessant für dich wie es von fachmännischer Seite betrachtet wird:


    Was kann ich für den Abhängigen tun?


    Sagen Sie dem Betroffenen ruhig, aber eindeutig, dass er ein Suchtproblem hat, mit dem er alleine (= ohne professionelle Hilfe) nicht fertig wird. Vermeiden Sie dabei Schuldzuweisungen und Vorwürfe, und wählen Sie dafür einen Zeitpunkt, an dem er 'nüchtern' ist.


    Wenn Sie der Meinung sind, dass ein 'klares Wort' nur Widerstände hervorrufen würde, versuchen Sie es auf subtile Art: Sprechen Sie das Thema 'neutral' an, indem Sie beispielsweise Ihre eigenen Erfahrungen mit Alkohol thematisieren. Lassen Sie Materialien zum Thema 'herumliegen', und versuchen Sie herauszufinden, ob Ihr Partner sich wegen seines verstärkten Alkoholkonsums selbst schon Gedanken macht.


    Ein paar Tipps zur stressfreien und effektiven Kommunikation:


    * Seien Sie empathisch und verständnisvoll. Lassen Sie Ihren Partner reden. Gehen Sie nicht auf Konfrontation. HÖREN SIE ZU, STATT ZU REDEN.


    * Vermeiden Sie es, zu argumentieren, und Ihrem Partner 'gute Ratschläge' zu geben. Jeder Verdacht der Bevormundung ruft in der Regel Widerstände hervor, die schwer wieder abzubauen sind.


    * Versuchen Sie Ihren Partner dazu zu bewegen, Ihnen mitzuteilen, warum er trinkt, und – allein oder gemeinsam mit Ihnen – das Für und Wider des Alkoholkonsums abzuwägen.


    * Lassen Sie sich durch Angriffe und Protest nicht in Ihrer Haltung beirren, und nehmen Sie Verbalattacken nicht persönlich. Bedenken Sie, dass Ihr Partner sich damit nur zu verteidigen versucht, weil er ja längst selbst weiß, dass er ein Problem hat. Lassen Sie sich vor allem nicht einreden, Sie seien für den exzessiven Alkoholkonsum verantwortlich. Alkoholiker neigen dazu, die 'Schuld' nicht bei sich zu suchen, sondern in äußeren Umständen und vor allem auch in Menschen, die ihnen besonders nahestehen. Ziehen Sie sich diesen Schuh nicht an. Bedenken Sie: Letztlich ist jeder für sein eigenes Leben selbst verantwortlich.


    * Nehmen Sie Ihren Partner ernst, und stärken Sie ihm den Rücken, wenn er sein Verhalten ändern möchte. Stecken Sie sich gemeinsam neue Ziele.


    * Und last but not least: Lassen Sie – wenn möglich – Ihren Partner nicht fallen, aber lassen Sie auch nicht zu, dass Sie selbst an der Beziehung Schaden nehmen.


    Wenn Ihr Partner bereits ein 'Problembewusstsein' hat, ist schon viel gewonnen. Weisen Sie ihn darauf hin, dass seine Sucht eine Krankheit wie jede andere ist. Machen Sie ihm klar, dass er dagegen etwas tun kann, indem er Hilfe bei der Suchtberatung, bei einer Selbsthilfegruppe, bei einem Arzt oder Therapeuten sucht. Bieten Sie ihm an mitzugehen. Wenn Suchtkranke erkennen, dass sie Unterstützung benötigen und wenn sie bereit sind, diese Hilfe anzunehmen, besteht Hoffnung auf Veränderung. Sie können helfen, dieses erste Ziel zu erreichen.


    http://www.alkoholismus-hilfe.de/alkohol-probleme.html


    das hat nichts mit "rosarote Verständnis-Watte" zu tun.

    Zitat

    Anfangs glauben ja alle, dass sie das schon schaffen und der Partner aufhören wird, weil er einen doch wirklich liebt... Weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf...


    Über soviel Blindheit, Naivität und Weltfremdheit kann ich nur den Kopf schütteln;

    ich kenne viele trockene Alkoholiker. Sicher gibt es auch Rückfälle, aber sie kämpfen dagegen an weil sie es selber nicht wollen.


    Für dich auch einen guten Rutsch und alles gute fürs neue Jahr :)*

    Ich selbst hatte bzw. habe ein Alkoholproblem, deshalb trank ich ab August nur noch sehr wenig und bin seit Mitte November nun komplett abstinent. Zwar lebe ich nicht in einer Beziehung, jedoch wurde ich in der Arbeit :-o auf meinen Zustand hingewiesen.


    Teamarbeit ist ähnlich wie eine Familie oder eine Beziehung, d.h. die Teammitglieder leiden durch die Schwäche ihres Kollegen mit. Also hat sich mein Chef eines Tages mit mir hingesetzt und mich in einem Gespräch davon überzeugt, dass ich nicht nur ein bisschen viel trinke, sondern tatsächlich krank bin und ärztliche Hilfe benötige. %:|


    Ich war in den nächsten Wochen überrascht, welches Maß an Hilfsbereitschaft ich erfahren habe: von Ärzten, einem Sozialbetreuer, dem Blauen Kreuz und nicht zuletzt von meiner Firma, schließlich war ich für die Entgiftung und daheim und die Gespräche auswärts drei Wochen krankgeschrieben. Eine nützliche Zeit, die mir bis heute hilft.


    Vor sechs Monaten steckte ich tief im Sumpf, dazu kam noch ein Unfall mit Blechschaden, Führerscheinverlust etc. Für meine bis heute erfolgreiche Umkehr spielten vor allem drei Faktoren eine Rolle:


    1. Ein Schlüsselerlebnis (der Unfall) als Denkzettel: "So" geht es nicht weiter.


    2. Eine individuelle Betreuung durch Profis (Ich wollte aber auf keinen Fall in eine Suchtklinik, sondern den Entzug in Ruhe daheim machen).


    3. Der Rückhalt von Familie und Firma, also Leute, die zu mir hier hielten, als ich noch akut krank war. Ich wusste: Ich habe genau eine Chance, jetzt nutze ich sie.


    So habe ich den Absprung vorerst geschafft. Jetzt habe ich wieder Antennen für andere, und die Feinfühligkeit, auf sie zuzugehen, was davor (so wie bei den hier diskutierten Beispielen) vollständig verkümmert war.


    Eine Beziehung hätte ich als Süchtiger auch nicht führen können. :-/


    Heute hätte ich deshalb Verständnis für eine Partnerin, die sich wegen meiner Sucht von mir getrennt hätte. Vielleicht aber wäre ich mit Partnerin oder Familie gar nicht so tief im Sumpf gelandet. Ich glaube, dass die Chance für eine erfolgreiche Umkehr mit fortschreitender und sich verschlimmernder Sucht eher sinkt.


    Wenn, wie Vagabundin schreibt, jemandes Verfall nur noch zusehen kann, weil alle Hilfeangebote gescheitert sind, ist das traurig. Eine Trennung ist zwar bestimmt ein starker Auslöser für den Kranken, sich zu ändern, nur muss er dann in der Folgezeit (nach der Entgiftung) ein gutes Gefühl für sein weiteres Leben entwickeln können.


    Dabei braucht er dann volle Unterstützung von allen Seiten, nicht nur von der Partnerin. Zum Beispiel für einen persönlichen Fahrplan zum Weiterleben: den eigenen Weg aus der Sucht, der nicht vorgegeben ist, sondern von innen heraus langsam entsteht.


    Wenn ein Süchtiger aus einem Impuls heraus schwört, dass er sich ändern wird, ist das Quatsch. Wirklich ernstzunehmen war z. B. mein eigener Vorsatz erst, nachdem ich über mehrere Wochen hinweg nüchtern über mich und meinen Weg nachdenken konnte.


    Auch von mir alles Gute für 2012 an die TE und die Mitschreiber/innen hier. :)* @:)

    Vulkanier :)= ziehe den Hut vor dir. Ich freue mich immer zu hören (lesen) wenn es jemand schafft. Weiterhin viel Glück :)*

    Vulkanier64


    toll das du da bist wo du bist, dass verdient wirklich großen Respekt. Jetzt ist wichtig das sich keine Monotonie mehr einschleicht und du am Ball bleibst und dich weiterhin mit dir beschäftigst.


    Jedes Leben hat auch Schicksalsschläge und das sind gerne die Stolpersteine die einen dann Umhauen. Ich wünsche dir das du in den Momenten immer die Kraft behältst die jetzt in deinen Worten steckt :)*