Wildkaninchen auswildern

    Hallo, da auf einer Baustelle ein Kaninchenbau beinahe dem Bagger zum Opfer gefallen wäre, musste ich das Nest ausheben.


    Deswegen füttere ich seit einer Woche 6 kleine Wildkaninchen mit Aufzuchtmilch vom Tierarzt. Alle sind munter, haben auch schon zugenommen und fressen mittlerweile auch Grünfutter.


    Mein Problem ist das Auswildern.


    Der Winter ist nicht mehr weit weg, aber die Kaninchen müssen natürlich in die freie Natur zurück. Wie bekomme ich es hin dass diese mit dem Leben in der Natur klarkommen. Im Garten ist die Umgewöhnung sicher nicht gut machbar.


    Oder sollte man dass Spezialisten überlassen? Nur wo finde ich die? Tierheime nehmen Wildtiere meines Wissens nicht an.


    Kennt jemand Adressen im Kr. Soest/Paderborn ":/

  • 22 Antworten

    Uns ist so etwas vor 3 Jahren auch widerfahren. Unser Hund hat einen Bau ausgebuddelt und einige Jungtiere gefressen, ehe ich dazu kam. Eines habe ich retten können und mit einer speziellen Mixtur mittels Spritze im wenige Stundenabstand gefüttert. Das war eine Tortur, da der Kleine sich heftig wehrte. Nachts musste das ebenso gemacht werden. Später habe ich ihn in den großen Meerschweinchenauslauf mit hinein. Es wurde immer schwieriger, ihn zu fangen, da er sich heftig wehrte und kratzte (en Wildtier eben). Also beschlossen wir, ihn frei zu lassen. Bei uns im Stadtpark sind sehr viele Kanickel, die so ganz in Menschennähe herumhüpfen. Allerdings sind da Straßen in unmittelbarer Nachbarschaft und da streikten dann meine Kinder, dass wir ihn dort aussetzen. Sie befürchteten, dass er gleich überfahren werde.


    Nach einem Telefonat mit dem Tierheim und unserem Tierarzt haben wir ihn dann in den Wald gebracht und rausgelassen. Futter fraß er ja schon alleine. Er hoppelte auch gleich davon.


    Ja, die Ungewissheit bleibt, ob er nicht gleich vom Fuchs oder sonstwem gefressen wurde. Aber das ist dann halt so, es ist und bleibt ein Wildtier.


    Viel Spass und Erfolg weiterhin *:)

    Eigentlich soll man Wildtiere nicht so ohne weiteres "mitnehmen". Die Mutter saß bestimmt für Euch unsichtbar und hat alles beobachtet. Wahrscheinlich wartete sie auf eine in ihren Augen günstige Gelegenheit, ihre Jungen aus der Gefahrenzone zu schleppen.

    @ Rut

    Ist mir schon klar, dass sie bei der Mutter besser aufgehoben gewesen wären. Nur war der Bagger schon tätig und die Alternative wäre verschütten oder zerquetschen gewesen. Der Ablauf einer Baustelle wird nicht wegen einem Kaninchenbau angehalten. Und nachdem ich Sie einmal angefasst habe wird die Mutter sie auch verstossen.

    Es ist schon gut,dass du sie gerettet hast.Aufgezogene Wildtiere ueberleben oft nicht nach der Auswilderung,sie sind zu zahm ,kennen Gefahren nicht.


    Von daher waere es gut,sie im Garten auszusetzen,sie sind dann geschuetzter.....wenn keine Strasse in der Naehe ist.Dann konnen sie bei Bedarf zurueckkommen Oft werden sie aber von Katzen, Hunden,Fuechsen gefressen. Ein Schutzstall waere gut.

    also wildkaninchen kann man (meines wissens) ohne probleme auswildern. gerade kaninchen verlieren ihre zahmheit sehr schnell wieder.


    ich würde sie so mit 12 wochen im feld aussetzen, wo auch andere kaninchen sind.


    aber sicherheitshalber würde ich im tierheim oder beim Förster (?) mal nachfragen!

    @ berryfina

    hab auch eine mail ans Tierheim und an einen Verein der sich mit der Aufzucht von Wildtieren beschäftigt gesendet. Mal schauen wie die Antworten sind.


    Obwohl ich jetzt schon weiß, dass der Abschied schwer wird, muss aber sein.

    Mal kurz was zum Sachverhalt: Wildtiere darf man nicht einfach mit nach Hause nehmen, das MUSS man (gesetzlich vorgeschrieben) dem Förster melden.


    Ich würde das jetzt in professionelle Hände geben, es gibt einige organisationen die sich darauf spezialisiert haben. hoffentlich ist das kaninchen nicht schon zu sehr an dich gebunden.

    Zitat

    Mal kurz was zum Sachverhalt: Wildtiere darf man nicht einfach mit nach Hause nehmen, das MUSS man (gesetzlich vorgeschrieben) dem Förster melden.

    hätte er die Kaninchen also sterben lassen sollen? Die mutterhäsin hätte die doch nicht mehr versorgt! und ich weiß auch nicht ob den förster ein paar wilkaninchenbabys interessiert.


    wir mussten auch mal wildkaninchenbabys bei uns aufnehmen und haben die groß gezogen.


    in der wohnung kann man die wirklich nicht halten. die sind viel wilder und bewegungsfreudiger als normale kaninchen.

    Zitat

    Die Mutter saß bestimmt für Euch unsichtbar und hat alles beobachtet. Wahrscheinlich wartete sie auf eine in ihren Augen günstige Gelegenheit, ihre Jungen aus der Gefahrenzone zu schleppen.

    Das glaub ich erst wenn Pferde sich übergeben können ;-) . Kaninchenmütter "schleppen" ihre Jungtiere nicht, gar nicht. Im Bau können sie sich nicht aus dem Nest verirren, in "Stall"-Zucht schon, die Jungtiere die z.B. nach dem Säugen zu fest an den Zitzen sitzen und ein Stück mitgeschleppt wurden haben normalerweise gute Karten wieder allein ins Nest zu kriechen, weil sie meist nicht weit weg sind. Sind sie zu jung und finden den Weg nicht, die Häsin wirds nicht scheren, sie wird mal schauen was der Wurm da macht, aber das Jungtier ins Nest tragen?! Darauf kann man lange warten ;-) . Die hat mit Sicherheit auch nicht unsichtbar in der Nähe gewartet, wäre sie auch ganz schön doof ;-) . Häsinnen gehen einmal manche sogar zweimal (auch Wildhäsinnen) am Tag zum säugen in den Bau, den Rest des Tages ist ihnen schnuppe was mit den Jungtieren ist, sie entfernen sich weit vom Bau um keine Aufmerksamkeit auf den Bau inklusive Jungtiere zu wenden.


    Bitte Tiere nicht vermenschlichen, Danke ;-)


    Allgemein, Wildkaninchen sind sogenannte Neozoen. Das Auswildern fällt unter Faunenverfälschung und Bedarf einer Genehmigung (wenn man die bei Wildkaninchen überhaupt bekommt, was ich bezweifle).


    Man denkt ein paar Kaninchen mehr oder weniger machen die Kohl schon nicht fett, falsch, es werden, mal ganz abgesehen von den ausgesetzten Hauskaninchen, immer wieder aufgezogene Wildkaninchen ausgewildert. Solangs keiner weiß bitte, aber dass sollte gesagt werden ;-)


    Du solltest die Tiere so früh wie möglich an eine Örtlichkeit verfrachten wo zwischen 10°-25° außerhalb des Nests herrschen (besser weniger in einem Kaninchenbau ist es recht kühl, angenehm für die Kaninchen), am besten sollte dieser Ort sich aber an den Außentemperaturen orientieren. So gibt es kein Problem mit der Auswilderung, auf keinen Fall durchgehend bei angenehmen Wohnungstemperaturen. So Leid es mir auch tut, aber damit würdest du die Umgewöhnungszeit hinauszögern und die Tiere könnten sich nicht auf die kälteren Temperaturen einstellen. Der erste Fellwechsel beginnt! (fertig ist der Wechsel da noch lange nicht) etwa 6-8 Woche, sind dort schon kühlere Temperaturen, die sie nach dem verlassen des Baus ja auch vorgefunden hätten, passt sich dass Fell an, in der Natur hätten sie dass Problem ja auch und damit wiederum keinerlei Probleme.


    Gib ihnen die Möglichkeit sich an einen Ort zurückzuziehen der einem Bau ähnelt (isoliertes Häuschen reicht, sollte nicht direkter Sonnenstrahlung ausgesetzt sein), darüber hinaus sollten die Tiere bestenfalls gleich mit dem "Bauersatz" nach draußen. Ca 30. Tag sollte Schluss mit der Milch sein (welches Alter sollen die Tiere lt. TA haben? Info die meinsten TAs können dass schlecht bestimmen, besser erfahrene Leute fragen), ab da langsam ausschleichen lassen, eine Wildhäsin säugt ca. 30 Tage, nicht länger wie viele Tierschützer immer gerne behaupten. Die Anfangsnahrung sollte relativ karg aussehen (Heu und getrocknete Kräuter tuns, am besten gleich Wiese verfüttern), der Verdauungstrakt ist nicht auf reichhaltiges Futter eingestellt, schon gar nicht bei Jungkaninchen, ein Jungkaninchen bekommt in der Natur in der Entwöhnungszeit nur Futter aus der direkten Umgebung des Baus. Die Umgewöhnungsphase von Milch auf Festfutter ist heikel, zwischen 4.-7. Woche sind die größsten Jungtierverluste zu erwarten, bei Fehlern mehr.


    Ca. 90% der Wildkaninchenjungtiere werden nicht adult, die Verluste sind hoch, sollte man immer bedenken.


    Rein theoretisch ist es möglich die Tiere sobald sie anfangen zu fressen komplett in Ruhe zu lassen und in einem Gehege draußen unterzubringen (vorbereitet sollten sie darauf sein falls du sie drinnen gehalten hast), die "Verwildern" ganz von selbst. Ab ca 30. Tag ist in der Natur Schluss mit Lustig und verhätscheln ;-) .


    D.h. die Tiere fangen an sich "zu verselbständigen", greifst du dort nicht ein verwildern sie quasi wie von selbst. Das Futter sollte dem natürlichem entsprechen (Wiese), ein Bauimitat sollte auch vorhanden sein und dass Gehege recht groß.


    Dann brauchst du noch einen geeigneten Ort zum Aussetzen.


    Über die Geschlechtsreife bei Wildkaninchen gibt es immer wieder unterschiedliche Angaben, ich denke man kann sich aufgrund des Gewichts an den Zwergen orientiere, ca. 5-6 Monat (ist so dass Mittelmaß der Angaben, kann also auch zwischen 4.-8.Monat variieren, aber viel anders als Zwerge sind die auch nicht). Wichtig deshalb (auch wenn ich nicht denke dass du die Tiere so lange behalten solltest), sie können untereinander ab dem Zeitpunkt aggressiver werden, Rangfolgen klären. Denke ca. Woche 12 sollten sie soweit sein dass du sie aussetzen kannst.


    Gar nicht so einfach zu verwirklichen ;-) .


    Es gibt bei euch sicherlich auch Tierschutz-Vereine, Wildtierauffangstationen etc. Versuch da mal zu Googlen, es kann aber sein dass die dir die Tiere nicht abnehmen werden, manche Auffangstationen sind spezialisiert. Andere Möglichkeiten, mal TAs durchtelefonieren, manchmal wissen die etwas, oder Zoos, Wildtierparks (Springe nimmt nur Greifvögel/Vögel) etc fragen. Es ist schwer Hilfe für Wildttiere zu bekommen, aber versuchen kannst du es ja, ansonsten ist ein wenig was zu beachten, aber es ist nicht unmöglich die Tiere selbst auszuwildern wenn du die Möglichkeiten hast. Die Chancen sind übrigens genauso gering wie bei Jungtieren in der Natur dass sie die Zeit bis zum adulten Tier erleben. Vielleicht haben sie einen Vrteil wenn sie besser im Futter liegen, aber ich denke dass wird sich nicht viel nehmen.


    Lieben Gruß und Viel Erfolg @:) :)* ,


    sabbs

    Achso, bevor ich es vergesse. Haben die Tiere schon gefressen als sie zu dir kamen oder erst später? Weißt du ab wann sie begonnen haben die ersten Hälme zu kauen?


    Bei den passenden Nestaußentemperaturen kann man davon ausgehen dass sie etwa ab 2 1/2. (zumindest teilweise schon rumkauen auf Halmen, hängt aber von der Temperatur ab, manche beginnen später)-3. Woche mit dem Fressen beginnen. Je wärmer die Nestaußentemperatur desto eher fressen sie und die Entwicklung beschleunigt sich (weniger Wärmeverlust bei höheren Außentemperaturen um die Nesttemperatur konstant zu halten, bei kühlen Außentemperaturen logischerweise mehr Wärmeverlust der Jungtiere um die Nesttemperatur zu erhalten, kühler ist allerdings normal, wärmer findet man bei Hauskaninchen).

    hallo sabbs, sehr gute ausführungen.


    kaninchen männchen werden allerdings mit 12 wochen geschlechtsreif und kaninchen weibchen mit 16 wochen.


    ansonsten, top beitrag! Darf man fragen woher dein wissen stammmt?