mond + sterne

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    Grundsätzlich ja. Ein Arzt braucht nunmal eine Diagnose, und ohne Diagnose kann er einen Patienten nicht behandeln.

    Nochmal eine Gegenfrage:


    In Deinen Augen ist also ein Arzt erst dann zuständig für einen Patienten, wenn bei diesem schon "das Kind in den Brunnen gefallen ist"?


    Und nicht schon dann, wenn ein Patient zu ihm kommt und sagt: "Ich habe dieses oder jenes Problem von dem ich weiß, dass es gesundheitsgefährdent ist, komme damit nicht mehr allein klar, ich brauche Hilfe"?

    Zitat

    Ja, genau. Der Arzt ist erst zuständig, wenn ungesunde Ernährung krankhafte Auswirkungen hat.

    In meinen Augen ist ein Arzt schon dann zuständig, wenn ein Patient mit einem eindeutigen Hilfeauftrag auf ihn zukommt.

    Zitat

    Die Autorin spricht von Anorexie, auch wenn das Gewichtskriterium nicht erfüllt ist.

    Anorexie ist der Ausgangspunkt. Vor allem spricht sie aber davon, dass auch normal- und übergewichtigte Menschen die sich ungesund ernähren, durchaus krank sein können (sei es körperlich und/oder psychisch).

    Isabell

    Zitat

    Vor allem spricht sie aber davon, dass auch normal- und übergewichtigte Menschen die sich ungesund ernähren, durchaus krank sein können (sei es körperlich und/oder psychisch).

    :)^ Wird übrigens im Buch, das ich erwähnt habe genauso differenziert und auch erwähnt, dass der Fachman von einem Normalgewicht nicht automatisch auf ein gesundes Essverhalten schließt ??Auch jemand mit Normalgewicht kann durchaus magersüchtig oder essüchtig sein.??. Zeigt ja gerade das Beispiel der TE hier.

    Zitat

    In Deinen Augen ist also ein Arzt erst dann zuständig für einen Patienten, wenn bei diesem schon "das Kind in den Brunnen gefallen ist"?

    Ein Arzt behandelt einen Patienten erst, wenn er krank ist, wenn es eine Diagnose gibt. Also ja, natürlich ist ein Arzt in diesem Sinne erst zuständig, wenn "das Kind in den Brunnen gefallen ist".


    Das hat übrigens nichts mit "in meinen Augen" zu tun, sondern mit dem deutschen Gesundheitssystem (das ich ziemlich gut finde).

    Zitat

    Und nicht schon dann, wenn ein Patient zu ihm kommt und sagt: "Ich habe dieses oder jenes Problem von dem ich weiß, dass es gesundheitsgefährdent ist, komme damit nicht mehr allein klar, ich brauche Hilfe"?

    Also, um ein Beispiel zu nehmen für ein "gesundheitsgefährdendes Problem": Ein Obdachloser hat ein gesundheitsgefährdendes Problem, weil bald der Winter kommt. Vielleicht wird der Arzt ihm raten, sich an die Heilsarmee zu wenden (was der Obdachlose schon längst selbst gemacht hat). Behandeln wird er ihn erst, falls er im Winter tatsächlich krank wird.


    Auch aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Nein. ??Wenn Du willst könnte ich Dir eventuell mehr dazu per PN schreiben.??


    Helfen (d.h. behandeln) tun Ärzte erst, wenn sie eine Diagnose haben.

    Zitat

    Ein Arzt behandelt einen Patienten erst, wenn er krank ist, wenn es eine Diagnose gibt.

    Ich halte es für ein schwerwiegenden Fehler, dass die Hauptaufgabe eines Arztes in therapeutischer denn in prophylaktischer Arbeit liegt.

    @ sensibelman

    Das eine ist die Grundsatzdiskussion zum Thema Gesundheit und Verantwortung: Bei uns ist jeder einzelne Bürger für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Ein Arzt ist in seiner eigentlichen Funktion erst verantwortlich, wenn der Patient krank ist.


    Ich sehe da durchaus eine Lücke, weil einerseits viele Bürger nicht gerade verantwortungsvoll mit ihrer Gesundheit umgehen. Andererseits sind Ärzte in unserem Gesundheitswesen nunmal nicht verantwortlich dafür, dass beispielsweise jeder genug Obst isst.


    Wie man diese Lücke schließen könnte, würde ich als Thema einer interessanten Grundsatzdiskussion betrachten.


    Aber damit ist Streuselkeks natürlich nicht geholfen, weil sie mit dem Gesundheitssystem leben muss, wie es ist.

    @ Streuselkeks

    Ich persönlich finde, Du lebst gar nicht so schlecht mit unserem Gesundheitssystem, weil Dich schon allein das Gewichtskriterium davor schützt, den Stempel "Magersucht" aufgedrückt zu bekommen.


    Wie siehst Du das?

    Zitat

    Das eine ist die Grundsatzdiskussion zum Thema //Gesundheit und Verantwortung

    Es geht mir mehr um Wissen darum, welches Handeln welche Folgen zeitigt- ich sehe einen besseren Arzt diesbezüglich stärker eher als Gesundheitscoach oder Gesundheitsberater, denn als Reparierer, als Therapeut, um die Dinge, die nicht selten oft aus Unwissenheit oder Unbedachtheit mit Krankheitsfolgen getan wurden. Viele Menschen handeln nicht unbedingt nur aus Leichtfertigeit, sondern auch aus Unwissenheit um die Folgen ihres Handelns.

    sensibelman

    Zitat

    ... und Streuselkeks scheint nicht bewusst zu sein, dass ein Normalgewicht kein hinreichendes Kriterium für eine gesunde Ernährungsweise/Lebensweise ist.

    Ich denke, dass ist ihr schon bewußt, sonst würde sie hier nicht schreiben, bzw. hätte den Faden gar nicht eröffnet.


    Was mich ein wenig erschreckt ist, wie viele User der Meinung sind, dass ein Normalgewicht automatisch keinen Anlass zur Besorgnis gibt - egal wie man sich auch ernährt.


    Eine Ernährungsweise wie hier geschildert ist immer medizinisch bedenklich, für jeden Menschen und kann auf lange Sicht zu schweren Langzeitschäden führen.


    Es wird ja selbst bei einer "(darm)reinigenden Fastenkur" oder Ähnliches, dazu geraten dies nicht ohne ärztliche Unterstützung zu tun und diese auf keinen Fall länger als zwei Wochen durchzuführen. Oder selbst im Kochbuch "Schlank im Schlaf" steht der eindeutige Hinweis, eine reine Eiweißernährung nicht länger als eine Woche zu machen. Dass es sehr wichtig für den Körper ist auch Kohlenhydrate zu erhalten Etc..


    mond+sterne

    Zitat

    Bei uns ist jeder einzelne Bürger für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Ein Arzt ist in seiner eigentlichen Funktion erst verantwortlich, wenn der Patient krank ist.

    Er ist nicht verantwortlich wie ein Mensch mit seiner Gesundheit umgeht. Stimmt.


    Aber er ist ab dann verantwortlich, wenn ein Mensch mit einem eindeutigen Hilfeauftrag auf ihn zukommt. Natürlich muß der Mensch - je nach Fall - mitarbeiten, etwas ändern, sich auf den Arzt einlassen, klar. Eigenverantwortung ist auch gegeben.


    Aber streuselkeks wird nach dem Beschreiben ihrer (langjährigen!) Situation ganz sicher nicht mit einem "Na, essen sie einfach mehr, dafür bin ich nicht zuständig" weggeschickt. Nur weil sie normalgewichtig ist. Einen solchen Arzt würde ich bei der Ärztekammer melden.

    Zitat

    Ich persönlich finde, Du lebst gar nicht so schlecht mit unserem Gesundheitssystem, weil Dich schon allein das Gewichtskriterium davor schützt, den Stempel "Magersucht" aufgedrückt zu bekommen.

    Dazu fällt mir echt nichts mehr ein :|N

    Da ich es in den letzten drei Tagen geschafft habe, meine Kalorienaufnahme auf 900-1000 zu steigern, denke ich nicht dass ich einen Arzt brauche. Das pendelt sich schon irgendwie wieder ein.


    Und außerdem hat sich das ganze für mich gelohnt und den Unterschied kann man sehen: http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/fullsizerender9iznv3c2ko.jpg


    Ich fühle mich einfach viel zu wohl in meiner Situation und wenn ich die Kalorienaufnahme auf max. 1200 am Tag beschränke, denke ich dass ich auch das Gesundheitsrisiko bisschen beschränken kann.


    800-1200 Kalorien am Tag und 2x die Woche fasten reicht schon aus, um satt zu bleiben und das Gewicht zu halten.

    Meiner Meinung nach hast du deine Situation nicht im Griff :(v Du isst viel zu wenig, ignorierst dein Hungergefühl und suchst nach Anerkennung für deine Abnahme. Hättest du gesund abgenommen, hätte ich dir applaudiert. Aber in diesem Fall kann ich nur den Kopf schütteln :|N Für mich liest sich das, als liefst du Gefahr in eine Essstörung zu geraten (oder schon darin zu stecken). Hoffentlich nimmt sich niemand hier im Forum ein Beispiel an deiner Abnehmmethode.

    Muss man sein Essverhalten im Griff haben?


    Ich würde eher die umgekehrte Frage stellen. Kannst Du auch mal locker lassen?


    Im übrigen teile ich Deine Meinung. Du brauchst damit nicht zum Arzt zu gehen. Dein Gewicht liegt im Normalbereich und Du fühlst Dich wohl. Von daher sehe ich keine Notwendigkeit.


    Für eine Möglichkeit halte ich es schon, weil man sich fragen kann, was mit Deinem Stoffwechsel los ist, dass Du mit so wenig Essen auskommst.

    Und wiedermal: Die Dicken erklären den Dünnen, dass eine normale, das heißt nicht übermäßig kalorienreiche Nahrung, ja total ungesund sein muss und dass man auf gar keinen Fall eine Diät machen darf weil das ja ach so ungesund und blablabla ist.


    Wer heutzutage nicht alles in sich reinstopft was er kriegen kann und auch mal auf Süßigkeiten verzichtet, dem wird schon Magersucht unterstellt. Daran sieht man, wie stark schon Übergewicht und maßlose Futterei die Norm geworden sind.


    Die "Gefahr, in eine Esstörung zu geraten" wird SOFORT ausgepackt, wenn mal jemand eine zeitlang unter dem Kalorienbedarf liegt und dadurch abnimmt. Auch wenn diese Gefahr extrem unwahrscheinlich ist, für Magersucht müssen noch andere Faktoren wie eine enorm falsche Selbstwahrnehmung und ein negatives Körperbild bis hin zum Selbsthass dazukommen (das ist auch der Grund, warum vorallem junge Frauen die sexuell missbraucht wurden in die Magersucht abdriften - die Abscheu vor dem eigenen Körper und die komplett falsche Wahrnehmung von sich selbst). Die deutlich realere Gefahr, in eine Esstörung zu geraten und viel zu viel zu futtern und dann adipös zu werden, wie 30% der Menschen in Deutschland mittlerweile, wird dagegen immer komplett heruntergespielt.


    Nochmal: Magersucht passiert nicht einfach mal, weil man über eine etwas längere Zeit Diät hält und dann die Gewichtsabnahme nichtmehr stoppen kann, huch da rutscht man dann so rein halt. Nein, so läuft das nicht. Dazu müssen noch schwere psychische Probleme und eine gestörte Selbstwahrnehmung kommen und davon liest man hier nichts. Stattdessen attestieren hier ein Haufen Pummelchen einer schlanken Frau die noch bisschen was abnehmen will, dass sie schon krankhaft sei.


    Zunehmen ist einfach. Unser Körper ist evolutionär darauf ausgelegt, Fettdepots anzulegen um so durch Hungersnöte zu kommen. Sonst wären wir Menschen vor einigen Tausend Jahren bei ner kleinen Flaute beim Jagen oder wenn man mal keine Beeren findet direkt verhungert. Deshalb fällt es auch so leicht, dick zu werden. Weil unser Appettit nicht auf ständige Nahrungszufuhr eingestellt ist. Wenn es mal Nahrung gibt, war es evolutionär von Vorteil, alles rein zu futtern was ging um auf die nächste Hungerkrise vorbereitet zu sein. Wir haben aber keine Hungerkrisen mehr, sondern ständigen Überfluss, weshalb wir ständig zunehmen.


    Zu denken, der umgekehrte Prozess zum Zunehmen, das Abnehmen, würde ähnlich leicht fallen, ist ein Trugschluss. Nur weil es fast allen Menschen sehr leicht fällt, Übergewicht an zu futtern und direkt von ein paar Wochen oder Monaten Schlemmen in ein gesundheitlich bedenkliches Übergewicht zu rutschen, kann das Gegenteil, also von ein paar Monaten Diät halten in ein Untergewicht zu rutschen, nicht passieren.


    Es ist verhältnismäßig leicht, auf den unteren Bereich des Normal-BMI zu kommen. Das schafft man mit Kalorienrestriktion recht schnell. Klar, viele scheitern daran, aber mit etwas Willenskraft und der passenden Diät ist der untere Normal-BMI Bereich (der weit davon entfern ist, ungesund zu sein, das untere Drittel des Normal-BMI ist der gesündeste Bereich!) schnell zu erreichen. Sobald man aber unter leichtes bit mittleres Untergewicht geht und einen gewissen Körperfettanteil unterschreitet, wehrt sich der Körper mit diversen hormonellen Reaktionen - ab diesem Zeitpunkt wird es die pure Qual. Da weiter ab zu nehmen ist für einen psychisch gesunden Menschen quasi unmöglich, der Hunger wird nahezu omnipräsent etc. Hier "braucht" es dann eine massiv falsche Selbstwahrnehmung und Selbsthass um dennoch weiter zu machen. Wie gesagt: Es ist die pure Qual, nicht zu vergleichen mit dem Hunger den man mal während eienr Diät hat. Magersüchtige hassen sich selbst und ihren Körper und bestrafen sich selbst (für ihre eingebildete Fettheit oder Hässlichkeit) indem sie sich aushungern. Ohne massiven Selbsthass kann man diese Willenskraft, die nötig ist, sich dermaßen auszuhungern, kaum aufbringen. Was dann auch das klinische Bild der Magersucht definiert.


    Warum diese langen Ausführungen dazu? Um darzulegen, warum es komplett absurder Irrsinn ist, eine Frau, die keinerlei Anzeichen für psychische Störungen zeigt und die sich im normalen BMI Bereich bewegt und auch nur in den unteren Bereich des normalen BMI kommen möchte (was dann halt schlank ist, aber nicht ungesund), direkt als magersüchtig zu attestieren. Nein da fehlt einfach noch so ziemlich alles, was eine Magersucht überhaupt definiert.


    Das nur als Erwiderung auf den völlig blödsinnigen Beitrag von Rapture2014.


    Wie gesagt, der Großteil der Menschen in Deutschland ist mittlerweile übergewichtig bis adipös (um die 65% der Bevölkerung, wenn man nur Menschen über 25 zählt sind es noch mehr). Fett sein ist die Norm geworden. Weshalb mittlerweile jede Abweichung von der Norm direkt angegriffen wird.