Dauerhaftes Untergewicht nach Chemotherapie

    Hallo zusammen,


    wegen Brustkrebs hatte ich von Dezember 2016 bis Ende April 2017 eine Chemotherapie. Während dieser hatte ich auch drei Lungenentzündungen, u.a. eine mit Lungenembolie. Anfang Juni 2017 war dann die OP.


    Wog ich Anfang Dezember 2016 noch 52 kg (bei 165 cm Größe, was ja auch nicht gerade viel ist), waren es ein halbes Jahr später nur noch knapp 43 kg. Mittlerweile habe ich es zwar geschafft, wieder auf 46 kg zu kommen, aber seit November stagniert das Gewicht. Trotz 2x hochkalorischer Trinknahrung *würg* und vier Mahlzeiten am Tag schaffe ich es einfach nicht, weiter zuzunehmen.


    Liegt das vielleicht noch an den Nachwirkungen von Chemo und OP und normalisiert sich irgendwann? Ich wäre ja schon froh, wenigstens die 50-kg-Marke zu knacken. Ist war immer noch Untergewicht, aber damit könnte ich leben. So aber empfinde ich mich als schrecklich klapprig.


    LG

  • 61 Antworten

    Wie sehen denn üblicherweise deine vier täglichen Mahlzeiten aus? Kann an der Ernährung etwas verbessert werden - mehr Eiweiß, Fett oder Fleisch?


    Klassiker zum Zunehmen sind doch die süßen Sünden wie Sahnetorte, Schokolade, Chips & Co. ;-D


    Treibst du Sport und bewegst dich regelmäßig an der frischen Luft? Meistens steigert das den Hunger.

    @ Monsti

    Also an Kilos würde ich dir gerne einige ab geben, mir hat die Chemo leider 14 Kg mehr beschert.


    Die hochkalorische Trinknahrung könntest du auch auf 3-4x am Tag erhöhen. Welche hast du da? Wurde bei dir mal kontrolliert ob du vlt. einen Diabetis nach der Chemo entwickelt hast oder durch die Bestrahlung deine Schilddrüse nicht mehr intakt ist und du eine Überfunktion entwickelt hat. Dies könnten auch Auslöser sein das du nicht zunimmst.

    Ich treibe Sport, esse sehr viel Fisch und Fleisch (muss ich, weil ich keinen Dickdarm mehr habe und weder Obst noch Gemüse verdauen kann), bin allerdings keine "Süße". Ich mag Herzhaftes halt einfach lieber, außer beim Frühstück. Da muss es dann dick Butter und ganz viel Konfitüre oder Honig sein. Ja, bin ratlos. Vielleicht brauche ich einfach noch ein bisserl Zeit ...


    Zur Ernährung z.B. heute:


    Frühstück: Zwei Scheiben Graubrot mit Butter und Konfitüre, dazu Kaffee mit ein bisschen Zucker.


    Mittagessen: aufgewärmte Lasagne als Forno (selbst gemacht, Rest von gestern) und ein hochkalorischer Drink


    Nachmittags: 2 Bananen und ein hochkalorischer Drink


    Abends: Kässpätzle mit viel Röstzwiebeln und 1 Glas Weißwein


    Über den Tag verteilt ca. 3 l Wasser, brauche ich wegen des fehlenden Dickdarms.


    Ich bin satt. Ist das zu wenig?

    April

    Zitat

    Also an Kilos würde ich dir gerne einige ab geben, mir hat die Chemo leider 14 Kg mehr beschert.

    Das haben mir auch zwei in meiner Onko-Sportgruppe gesagt. Ich kenne das auch vom Cortison. Andere nehmen damit zu, ich nicht. %-| Nehme nun schon seit vergangenen Sommer dauerhaft Cortison, aber es tut sich einfach nix (außer, dass ich ein rundes Gesicht habe).

    Könnte es sein, dass du Gewicht verlierst nicht wegen der Chemo, sondern wegen des fehlenden Dickdarms?


    Denn schau mal, was ich im Internet gefunden habe. Da schreibt jemand, der auch keinen Dickdarm mehr hat:

    Zitat

    Um fehlende Mineralien etc. durch die zu schnelle Verdauung zu kompensieren und um neuen schlechten Zellen vorzubeugen nehme ich jeden Tag 4 große Spirulina-Tabletten (Algen enthalten den besten Grundmix lebenswichtiger Stoffe), 1 Vitamin D und 1 Curcurmin Kapsel (morgens). Während des Tages 1 Vitamin B12 Lutschtablette und abends 1 Beta Glucan Kapsel (Wellmune WGP).

    Kann es sein, dass deine Verdauung tatsächich auch zu schnell ist und dadurch zu wenig aus der Nahrung für den Körper entzogen werden kann?

    Falls keine Kontroindikation aufgrund der komplexen Gesundheitslage gegeben ist, würde ich einen guten Teil der täglichen Flüssigkeit durch alkoholfreies Bier sowie durch Malz/Nährbier ersetzen.


    Bringt viele wichtige Nährstoffe, spült die Nieren und bringt Kalorien. Man könnte auch mit Wasser mischen.

    @ skolka

    Der Dickdarm hat mit der Nährstoffaufnahme nichts zu tun. Insofern verändert eine Kolektomie, sofern man aus anderen Gründen kein high-output Stoma hat, nicht den Kalorienbedarf.


    Nach Zeiten mit starker Belastung und massiven Untergewicht braucht der Körper manchmal einfach etwas um die katabole Stoffwechsellage zu normalisieren.

    Nicht der Kalorien, aber es kommt nach einer Kolektomie anscheinend zu einem massiven Verlust von Wasser und Elektrolyten.


    Man findet im Internet sehr viele Angaben zu "Gewichtsabnahme nach Kolektomie". Evtl. ist das ja für Monsti ein neuer Input.

    Ich gehe davon aus, dass es sich bei deinen Portionen nicht um Miniausführungen handelt und dafür finde ich recht ordentlich, was du zu dir genommen hast (mir wäre das extrem zuviel). Kohlenhydrate, Fleisch, Fett und Konfitüre recht viel dabei.


    Die Idee mit dem alkoholfreien Bier finde ich gut. Steigert zusätzlich den Appetit.


    Hast du von den Ärzten bisher keine Rückmeldung bekommen zu diesem Problem?

    Monsti :)_


    Es berührt mich zutiefst, was Du schon alles überstanden hast und immer wieder, trotz aller Widrigkeiten, unbeirrt deinen Weg gehst. Deshalb glaube ich, dass dein Körper nach diesen Torturen einfach erschöpft ist und deshalb die Gewichtszunahme so schwierig ist. Zumal dir auch die Aufnahme von vielen Lebensmitteln nicht möglich ist.


    Die hier bereits erwähnte Alge Spirulina ist aufbauend und könnte auf Dauer helfen, den Körper zu stärken und auch wieder an Gewicht zuzunehmen. Auch Malzbier ist dafür gut geeignet. Und ja, die Trinknahrung ist auf Dauer wirklich zum würgen und manche kriegen sie auch nicht mehr durch den Hals.


    Falls Du einen Port haben solltest, wäre eine hochkalorische Nahrungsaufnahme hierüber möglich. Das ist im Moment alles was ich sagen kann.

    Evtl. könntest du noch zwischen Frühstück eine Zwischenmahlzeit oder einen hochkalorischen Drink, Quarkspeise, ein Stück Sahnetorte oder so, zu dir nehmen. Vlt. auch nochml über eine Ernährungsberatung versuchen Hilfe zubekommen. Nochmal eine Reha wo man auch noch das Problem mit angehen kann und du auch etwas mehr Ruhe hast die du auch gut gebrauchen kannst. Meine Bekannte hat so 2-3 kg dort zugenommen, hat keinen Magen mehr. In der Reha waren auch einige mit ähnlichen Problemen wie bei dir, die dort auch ein paar Kilos zugenommen haben.

    Zitat

    Nicht der Kalorien, aber es kommt nach einer Kolektomie anscheinend zu einem massiven Verlust von Wasser und Elektrolyten.

    Der Dünndarm kann sich nach einer Kolektomie anpassen, außer bei Erkrankungen des Dünndarms bzw. einem high-output-Stoma...Elektrolyte werden somit i.d.R. auch nicht verloren. Viele Patienten, die ein Stoma bekommen, haben Morbus Chron - da kann der Fall natürlich anders gelagert sein.


    Elektrolytimbalancen führen auch nicht zu einem Hypermetabolismus bzw. einer katabolen Stoffwechsellage mit der Schwierigkeit zuzunehmen.


    Viel wahrscheinlicher ist es, dass sich nach einer Zeit mit massivem Untergewicht und schweren, u.a. konsumierenden Erkrankungen die katabole Stoffwechsellage noch nicht normalisiert hat. Und solange das noch nicht der Fall ist, könnte es auch sein, dass eine Steigerung der Kalorien um das 2-fache wenig brächte.


    p.s.: Ich habe selbst ein Ileostoma...