Klinefelter?

    Hallo, ich bin im Moment ziemlich down, weil sich mein Leben in den letzten Wochen um 180° gedreht hat: Bei mir wurde mit 18 ein Hodenhochstand diagnostiziert und operativ entfernt. Die Ärzte meinten damals, dass es auf meine Zeugungsfähigkeit keine Auswirkungen haben dürfte.


    Nun habe ich mich durchchecken lassen, weil meine Frau und ich uns ein Kind wünschen. Der Arzt schlug über die Aussage seiner Kollegen die Hände über den Kopf zusammen! Und das SG gab ihm recht: Es wurden nur 3 Spermien im Nativpräparat gefunden. Und eine Blutanalyse ergab einen Testosteronwert am unteren Grenzbereich sowie einen erhöhten FSH-WErt (14,0).


    Mich "schockt" nun, dass all diese Symptome lt. Internet in Richtung Klinefelter-Syndrom weisen, wobei ich aber normalen Bartwuchs und Körperbehaarung habe. Auch Muskeln sind bei mir durchaus ausgeprägt. Der Urologe meinte, dass man das im KIWU-Zentrum abklären werde. Einen Termin im KIWU-Zentrum haben wir allerdings erst in einigen Wochen - da gerade Urlaubszeit ist.


    Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht bzw. weiß, ob es für diese Werte noch eine andere Erklärung gibt? Danke!

  • 6 Antworten

    Das Problem beim Klinefelter Syndrom ist, dass es den typischen KS-Mann nicht gibt. Vielen Männern sieht man es äußerlich gar nicht an (normale Größe und Statur), dass sie das Klinefelter Syndrom haben. Darum wird es auch häufig nie diagnostiziert und die Betroffenen wissen nichts von ihrem zusätzlichen X-Chromosom.


    Nach den Ausführungen des TE halte ich ein Klinefelter Syndrom bei ihm für unwahrscheinlich. Im Ejakulat befanden sich drei Spermien. Bei einem KS-Mann liegt jedoch in der Regel eine Azoospermie vor, d. h. es sind überhaupt keine Spermien vorhanden. Der FSH-Wert ist mit 14,0 natürlich zu hoch. Beim KS ist er aber bedeutend höher. Meistens bei 40,0 und mehr. Meines Erachtens ist alles auf den Hodenhochstand zurückzuführen, der erst recht spät im Alter von 18 Jahren entdeckt wurde. Wenn der behandelnde Arzt damals ehrlich gewesen wäre, hätte er ihm gesagt, dass es eben doch einen negativen Einfluss auf seine Fertilität hat. Wenn man einem 18-jährigen erklärt, dass es später mit dem Nachwuchs schwierig wird, ist das natürlich ein Schlag ins Gesicht. Die knallharte Wahrheit ist meiner Meinung nach aber besser als Heuchelei. Kein Wunder, dass viele Menschen den Ärzten nicht mehr vertrauen.

    Mit 18 ist es etwas sehr spät einen Hodenhochstand zu beheben. Was meinst du mit entfernt? Wurde der betroffene Hoden entfernt? Oder ist er kleiner als der andere?


    Wieso ist das früher niemandem aufgefallen?

    Zitat

    Bei einem KS-Mann liegt jedoch in der Regel eine Azoospermie vor, d. h. es sind überhaupt keine Spermien vorhanden

    In der Regel schon, es gibt aber auch die Mosaikform und da kann der Mann sehr wohl funktionsfähige Spermien erzeugen.

    Zitat

    Der Urologe meinte, dass man das im KIWU-Zentrum abklären werde.

    Gute Entscheidung! Dort wird aber auch an genetische Veränderungen gedacht, denn man kann schließlich Läuse und Flöhe gleichzeitig haben. Und selbst wenn Du wirklich ein Klinefelter sein solltest, dann kannst Du Dich immer noch auf den entsprechenden Seiten informieren, hier wird beispielsweise eine Methode vorgestellt, mit dem auch für einen xxy-Mann die Chance steigt, Vater zu werden.

    Richtig. Beim Karyotyp 46XY/47XXY können zeugungsfähige Spermien vorhanden sein. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass der Hodenhochstand die Ursache ist. Je später die Behandlung eines Hodenhochstands erfolgt, desto höher ist das Risiko der Sterilität. Und mit 18 Jahren war es schon recht spät. Es ist besser, wenn ein Arzt seinen Patienten reinen Wein einschenkt. Jetzt ist das Entsetzen umso größer, weil man ihn nicht über die Folgen aufgeklärt hat. Es wäre sehr schön, wenn der TE hier über die Untersuchungsergebnisse berichtet.