• Leitfaden: Die Pille und andere hormonelle Methoden

    Dieser Thread soll häufig gestellte Fragen beantworten. Bitte schau hier zuerst und eröffne nur dann einen Thread, wenn deine Frage nicht beantwortet wird. Das am häufigsten angewendete hormonelle Verhütungsmittel ist die Pille. Meist ist dies eine Einphasenmikropille. Du erkennst dies daran, dass alle Pillen in deinem Päckchen die gleiche Farbe haben…
  • 23 Antworten

    Mehrphasenpillen

    Die grundlegenden, oben dargestellten Regeln gelten auch hier.


    Mehrphasenpillen haben verschiedene Hormonmengen in den einzelnen Phasen, erkennbar an unterschiedlicher Färbung der einzelnen Tabletten/Dragées.


    Vorteil soll die bessere Zyklusimitation und Blutungsstabilität sein, Nachteil ist das kaum veränderbare Einnahmeschema (vor allem bei Fehler oder gewünschtem Verschieben der Blutung).


    Da aber in allen Phasen die auch bei Einphasenpillen übliche Kombination von Östrogen/Gestagen enthalten ist, sind vom logischen Verständnis her die "Sieben-Tage-Regel" und die "Wochenregeln" übertragbar.


    Pillen, bei denen dies auch bereits Eingang in den Beipackzettel bzw. die Fachinformation gefunden hat, sind:


    Dreiphasenpillen


    Novial, NovaStep,Triquilar.


    Bei Trigoa und TriNovum sind auch die sieben Tage zusätzliche Verhütung nach Fehler empfohlen, allerdings auch in Einnahmewoche 2.


    Bei anderen Dreiphasenpillen finden sich abweichende Regeln ---> Beipackzettel


    Zweiphasenpillen


    Biviol (hier aber auf die nur sechstägige Pause achten!)


    NeoEunomin : der Hersteller empfiehlt die zusätzliche Verhütung über sieben Tage auch in Einnahmewoche 2, auch hier ist die Einnnahmepause nur sechstägig.

    Qlaira (etwa: Klära) (als "Spezialfall" einer Mehrphasenpille)

    Diese Pille enthält ein naturidentisches Östrogen und wird dementsprechend beworben.


    Nebenwirkungs- und Risikoprofil unterscheidet sich nach jetzigem Kenntnisstand jedoch nicht wesentlich von den bisher verwendeten Pillen.


    Da sie vierphasig + Placebophase (= wirkstofffreie Pillen) ist, sind bei Fehler je nach Phase verschiedene Vorgehensweisen nötig.


    Folgendes ist eine freie Übertragung aus dem Niederländischen:


    In der Folge der Einnahme:


    2 dunkelgelbe Tabletten (3 mg Estradiolvalerat)


    5 mittelrote Tabletten (2 mg Estradiolvalerat/2 mg Dienogest)


    17 hellgelbe Tabletten (2 mg Estradiolvalerat/3 mg Dienogest


    2 dunkelrote Tabletten (1 mg Estradiolvalerat)


    2 weiße Tabletten (wirkstofffrei)


    Vergessen Tag 1-9


    Gab es in den sieben Tagen zuvor GV ----> Arzt aufsuchen (ggf. Notfallverhütung)


    Gab es keinen GV:


    - vergessene Pille einnehmen, auch wenn dies bedeutet, zwei Pillen an einem Tag nehmen zu müssen


    - Einnahme wie üblich fortsetzen


    - 9 Tage zusätzlich verhüten (z.B. Kondom)


    Vergessen Tag 10-17


    - vergessene Pille einnehmen, auch wenn dies bedeutet, zwei Pillen an einem Tag nehmen zu müssen


    - Einnahme wie üblich fortsetzen


    - 9 Tage zusätzlich verhüten (z.B. Kondom)


    Vergessen Tag 18–24


    - vergessene Pille nicht nachnehmen


    - direkt mit einem neuen Blister beginnen


    - 9 Tage zusätzlich verhüten (z.B. Kondom)


    Vergessen Tag 25-26


    - vergessene Pille einnehmen, auch wenn dies bedeutet, zwei Pillen an einem Tag nehmen zu müssen


    - Einnahme wie üblich fortsetzen


    - keine zusätzliche Verhütung nötig


    Vergessen Tag 27-28 (Placebo)


    - die vergessene Pille wird nicht nachgenommen


    - Einnahme wie üblich fortsetzen


    - keine zusätzliche Verhütung erforderlich

    Minipillen

    Diese Pillen enthalten nur ein Hormon, ein Gestagen.


    Sie unterdrücken bis auf eine Ausnahme (Cerazette, s.u.) nicht den Eisprung, sondern wirken über Verändern des Schleimpfropfes am Muttermund und der Gebärmutterschleimhaut.


    Hier ist durchgehende Einnahme ohne Pause notwendig, nach Einnahmefehler ist eine fehlerfreie Einnahme von 7 Tagen in Folge nötig, bevor der Schutz wieder sicher besteht.


    Das Zeitfenster beträgt max. 3 Stunden, eine sehr pünktliche Einnahme ist also wichtig.


    Eine Pille gilt als vergessen, wenn der Abstand zwischen zwei Pillen >27 Stunden ist.


    Die Pillen enthalten Levonorgestrel, in D sind z.B. Mikrolut und 28mini erhältlich.


    PI um 3, je nach Quelle


    Cerazette (Desogestrel)


    Diese Minipille unterdrückt zusätzlich auch den Eisprung.


    Auch hier ist eine durchgehende Einnahme ohne Pause notwendig, jedoch ist ein Nachnehmen bis 12 Stunden nach dem eigentlichen Zeitpunkt möglich.


    Nach Fehler ist eine siebentägige Einnahme bis zum Schutz ausreichend.


    Diese Pille wird häufig eingesetzt, wenn eine östrogenfreie Verhütung gewünscht ist.


    PI ist mit den Kombinationspräpaten vergleichbar, etwa 0,1.

    NUVA-Ring

    PI 0,4 bis 0,65


    Wie wirkt der Nuva-Ring?


    Der Nuvaring ist wie die Pille eine Östrogen-Gestagen-Kombination, wird aber in die Vagina (Scheide) eingelegt, ähnlich wie ein Tampon.


    Die verhütende Wirkung wird dabei hauptsächlich über die Verhinderung des Eisprungs erreicht.


    Auch hier besteht – nach Fehler oder Wechselwirkung – nach sieben Tagen wieder Schutz.


    Wie lange muß der Nuvaring in der Scheide bleiben?


    Der Ring wird 3 Wochen lang getragen. Nach den 3 Wochen wird eine 7-tägige Pause eingelegt. Dabei kommt es wie unter der Pille zu einer Hormonentzugsblutung. Nach den 7 Tagen wird ein neuer Ring eingelegt.


    Wann muß ich den Nuvaring einlegen?


    Der Nuvaring sollte zum ersten Mal am ersten Tag der Regelblutung eingesetzt werden. Der Ring wird nach drei Wochen Tragezeit wieder entfernt. Längere Tragezeiten bis zu maximal vier Wochen sind jedoch ohne Verlust des Schutzes möglich. Nach der Ringpause sollte der neue Ring zur gleichen Uhrzeit eingelegt werden, zu der der letzte entfernt wurde.


    Ist der Ring in der Anwendungszeit mehr als 3 Stunden außerhalb der Vagina, ist die Wirkung nicht mehr sicher.


    In der ersten und zweiten Anwendungswoche wird eine zusätzliche Barrieremethode (Kondom) für die folgenden sieben Tage empfohlen, bei Fehler in der dritten Anwendungswoche entweder die sofortige Pause (sieben Tage, anschließend neuer Ring) oder das direkte Einlegen eines neuen Ringes ohne Pause.


    Kurzfristige Entfernung des Ringes während des GVs vermindert den Schutz jedoch nicht, danach sollte der Ring jedoch mindestens 24 Stunden in der Vagina verbleiben.


    Kann ich meine Blutung verschieben?


    Ja.


    Der Nuvaring kann eine ganze Woche länger (also bis zu 4 Wochen) in der Scheide bleiben, ohne daß der Verhütungsschutz beeinträchtigt wird. Danach gibt es die Möglichkeit, ohne Pause sofort einen neuen Nuvaring einzulegen.


    Prinzipiell ist auch eine Tragezeit von vier Wochen/1 Woche Pause möglich.


    Vorteile des Nuvarings


    Es muß nicht jeden Tag an die Verhütung gedacht werden, sondern nur alle paar Wochen.


    Magen-Darm-Probleme spielen keine Rolle mehr, da die Hormone direkt über die Schleimhaut ins Blut gelangen. Allerdings sind genau wie bei Pille Medikamentenwechselwirkungen zu beachten!


    Preis:


    ca. 47 € für 3 Ringe

    EVRA-Pflaster

    PI 0,72-0,9


    Wirkung wie Pille und NUVA-Ring, jedoch Hormonaufnahme über die Haut.


    Wichtig ist vollflächiges Kleben (Unsicherheitsfaktor!)


    Auch hier sind Wechselwirkungen mit Medikamenten zu beachten, jedoch keine Einschränkungen durch Durchfall/Erbrechen.


    Beginn der Anwendung am ersten Tag der Blutung (Tag 1), neues Pflaster an Tag 8 und 15, ab Tag 22 sieben pflasterfreie Tage, in denen es dann meist zu Entzugsblutung kommt.


    Auch hier ist bei Vergessen/Lösen des Pflasters das Verfahren je nach Anwendungswoche wie bei vergessener Pille beschrieben.


    Preis:


    19,86 € /3 Pflaster

    Dreimonatsspritze

    PI 0,3-0,88


    Hier wird nur mit einem Hormon (Gestagen) verhütet.


    Dies wird in den Gesäßmuskel gespritzt und von dort nach und nach abgegeben.


    In den ersten beiden Anwendungsmonaten steht die Verhinderung des Eisprungs im Vordergrund, im dritten Anwendungsmonat greifen eher die Verdickung des Schleimpropfes und die Verringerung der Gebärmutterschleimhaut als Verhütungsmechanismen.


    Auch hier sind Medikamentenwechselwirkungen (Antibiotika, Epilepsiemedikamente, Johanniskraut...) möglich, wie oben bei Pille angeführt.


    Zusätzliche Verhütung (z.B. mit einem Kondom) ist nach einer Einnahme solcher Medikamente für mindestens sieben Tage notwendig.


    Magen-Darm-Probleme haben keinen Einfluss auf die Verhütungswirkung.


    Es treten häufig langfristige Zyklusstörungen nach dem Absetzen auf. In Einzelfällen dauern diese bis zu 31 Monaten an.


    Eine Abnahme der Knochendichte bei Anwendung, abhängig auch von der Dauer der Anwendung, ist nachgewiesen.


    Auch nach dem Absetzen ist nicht sicher, dass die Ausgangswerte wieder erreicht werden.


    Besonders bei jungen Frauen ist daher die Anwendung sorgfältig abzuwägen, da hier noch Knochenaufbau erfolgt.


    Die DMS sollte nur dann länger als zwei Jahre angewendet werden, wenn es keine Alternative gibt. Die Knochendichte ist zu kontrollieren.


    Preis:


    31,36 € /Spritze zuzüglich ärztliches Honorar

    Implanon ("Stäbchen im Arm")

    PI 0,1


    Ebenfalls reine Gestagenverhütung, wird als Stäbchen an der Innenseite des Oberarms in das Fettgewebe geschoben, zum Entfernen nach drei Jahren ist ein kleiner operativer Eingriff nötig.


    Die Verträglichkeit kann teilweise durch eine mindestens dreimonatige Einnahme der Pille Cerazette zuvor getestet werden.


    Auch hier spielen Magen-Darm-Probleme keine Rolle, Medikamentenwechselwirkungen sind aber zu beachten.


    In Einzelfällen kam es zu "wandernden" Stäbchen, die nicht oder nur unter großem Aufwand wieder auffindbar waren.


    Preis:


    mit Einlage um 300 €, ggf. wird für das Entfernen erneut gezahlt.

    Mirena (Hormonspirale)

    PI 0,16


    Die Wirkung der klassischen Spirale wird hier mit einem Hormon kombiniert.


    Über die Liegezeit von max. 5 Jahren wird in der Gebärmutter Gestagen abgegeben.


    Allerdings gelangt dies Hormon über die Schleimhäute ins Blut, so dass sämtliche Hormonnebenwirkungen möglich sind.


    Die Verhütungswirkung erfolgt hauptsächlich über das Hormon (Verdickung des Schleimpfropfes, Hemmung des Aufbaus der Gebärmutterschleimhaut).


    Die direkte Wirkung auf die Gebärmutterschleimhaut kann zur Behandlung von starken Monatsblutungen ausgenutzt werden.


    Die Wirkung ist von Magen-Darm-Problemen und anderen Medikamenten unbeeinflusst, da direkt "vor Ort".


    Preis:


    mit Einlage um 350 €, ggf. ist für das Entfernen erneut zu zahlen.


    Anmerkung zu allen hormonellen Methoden:


    Die Angabe des PI schwankt je nach Quelle erheblich, diese Zahlen stammen von


    www.profamilia.de/article/show/9106.html

    Und welche hormonelle Methode passt nun zu mir?

    Eine allgemeingültige Antwort gibt es hier nicht.


    Jede der hier vorgestellten Methoden hat ihre Vor-und Nachteile.


    Wichtig ist, ob ggf. außer der Verhütung noch andere Probleme mit behandelt werden sollen (wie z.B. Blutungsprobleme).


    Die Verhütung muss zur Lebenlage passen, wie z.B. auch einem baldigen Kinderwunsch.


    Soll die Verhütung langfristig sein oder schnell abzusetzen?


    Gibt es Vorerkrankungen, die vielleicht nur eine reine Gestagenverhütung erlauben?


    Eine Rolle spielt natürlich auch der Preis.....


    Der Idealfall wäre eine jeweils an die Frau angepasste Beratung auch mit Ausblick auf die nicht-hormonellen Methoden.


    http:www.med1.de/Forum/Verhuetung/333302/


    Beratungen sind nicht nur beim Frauenarzt, sondern auch bei Beratungsstellen wie z.B. profamilia oder gerade auch nach Geburten durch die Hebammen möglich.

    Und dies noch....

    Medizin ist als Wissenschaft ständig im Fluß.


    Dieser Leitfaden entspricht ohne Gewähr dem zur Zeit aktuellen Kenntnisstand, entbindet jedoch nicht davon, selbst zu denken und eigenverantwortlich zu handeln. :=o In jedem Fall ist die Packungsbeilage des vom Nutzer verwendeten Präparats als bindend zu betrachten, im Zweifelsfall sollten Unsicherheiten auch mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.


    Trotzdem nun überall mein Name steht, ist dies ein Gemeinschaftswerk. ;-)


    Dank an Aderia für den Abschnitt über Nuva-Ring, an MoniM für einige Telefonate mit Pharmafirmen, an Aleonor für mutiges Durchlesen des Entwurfes und an alle für angeregte Diskussionen, Vorschläge und Kritik, auch per PN.


    Dank auch für die rege Teilnahme an der inzwischen zweiten Aktualisierung des Leitfadens mit Korrektur von Fehlern, Ergänzung wichtiger Infos und für die Geduld, sich immer aufs Neue wieder mit den Texten auseinanderzusetzen. @:)


    Und last not least: Danke an Dr. Schüller, der das Ergebnis jeweils an die schon bestehenden Links anpassen muss. @:)