Meine Erfahrung mit einem Schwangerschaftsabbruch

    Zwischen meiner Vermutung, ungewollt schwanger zu sein und dem Termin für meinen Abbruch sind sehr viele Fragen aufgetaucht, die mir auch das Internet nicht beantworten konnte. Ich versuche mal einige Punkte aufzuschreiben, die vielleicht für die einen oder anderen interessant sein könnten, die sich in der Situation befinden.


    1. Schwangerschaftstest.


    Nachdem ich zuerst vermutet habe, ich könnte schwanger sein, habe ich noch gewartet, ganz frei nach der Devise: Wird schon nicht sein, was morgen kannst besorgen, das mach doch erst übermorgen. Ich kann da allen nur den Ratschlag geben, den Test bei einer vermuteten Schwangerschaft so früh wie möglich zu machen, entscheidet man sich für einen Abbruch, dauert das ganze Prozedere noch, das ist nich zu unterschätzen.


    2. Arztbesuch


    Mein eigener Arzt hat mich abgewimmelt. Ich wollte eine Bestätigung und Datierung der Schwangerschaft. Trotzdem hat er mir erst einen Termin in 10 Tagen gegeben. Zum Glück habe ich noch einen Vormittag lange telefoniert, bis mir ein Arzt sofort einen Termin gegeben hat. Er hat mir auch erklärt, in so dringenden Fällen könne ich doch auch mal schnell ohne Termin vorbei kommen – sollte da aber genug Geduld für die Warterei im Wartezimmer mitnehmen.


    3. Beratungsgespräch


    Von der telefonischen Kontaktaufnahme bis zum Beratungstermin dauerte es 5 Tage, es lag dummerweise auch das Wochenende dazwischen. Die eigentliche Beratung dauerte nicht lange, die Beraterin insistierte vor allem auf einer Antwort, ob ich mir mit meiner Entscheidung wirklich sicher bin. Neben dem Beratungsschein habe ich noch eine Liste mit Ärzten bekommen, welche in ihrer Praxis oder in einer Klinik Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Diese Liste ist wichtig, denn


    4. Arztsuche


    Ein Arzt darf, so ich es richtig verstanden habe, von Gesetzes wegen nicht auf seiner Homepage informieren, ob er Abbrüche durchführt oder nicht. Dr. Google kann so nicht weiterhelfen und interessanterweise waren gerade zwei Ärzte, bzw. Kliniken überhaupt nicht im Internet vertreten.


    Es geht hier aber um mehr, als einfach einen Termin zu machen. Auf der Liste war differenziert, welche Ärzte den medikamentösen Abbruch machen, welche den operativen und welche beides. Ob sie den Abbruch nur in Vollnarkose oder auch lokaler Betäubung machen, war dem nicht zu entnehmen, ebenfalls hat man nichts über die Kosten erfahren. Ein halbes Dutzend Telefonate hat mich zu folgender Erkenntnis gebracht:


    Viele Ärzte geben am Telefon die falsche Information, eine Arzthelferin sagte mir sogar, ein Abbruch sei nur unter Vollnarkose UND unter Einlieferung in das Krankenhaus möglich. Zusätzlich sind die Kosten sehr unterschiedlich, der billigsten "Anbieter" mit Vollnarkose war 2,5 mal billiger als der teuerste, mit lokaler Betäubung hat es sogar weniger als ein Drittel bei mir gekostet als der teuerste Arzt mit Narkose verlangt hätte. Es scheint hier keine Regelung zu geben, was ein Abbruch kostet, jeder Arzt verlangt eine ganz andere Summe.


    5. Vorgespräch


    Beim Vorgespräch hat mich die Ärztin darüber informiert, wie der Eingriff durchgeführt wird. Zusammen haben wir entschieden, auf eine Vollnarkose zu verzichten. Mitbekommen habe ich eine Tablette zur Vorbereitung der Operation. Diese sollte ich am Vortag zu mir nehmen.


    6. Operation


    Ich wurde sofort aufgefordert mich freizumachen und auf den Stuhl zu legen. Ein OP-Hemd, wie ich es aus den Erzählungen einer Freundin gehört habe, habe ich nicht bekommen, sondern konnte oben meine normale Kleidung anbehalten. Mein Aufenthalt auf dem Stuhl dauerte knapp 10 Minuten. Die ersten drei Minuten unterschieden sich nicht von einer normalen gynäkologischen Untersuchung. Danach habe ich zwei Spritzen unten gespritzt bekommen, die nicht schmerzfrei waren, aber auszuhalten. Das Betäubungsmittel schien sofort zu wirken, denn die Dehnung mit den Stfiten, die vielleicht zwei, drei Minuten gedauert hat, habe ich nicht gespürt. Dann wurde der eigentlich Abbruch gemacht, das Absaugen. Dabei spürte ich ein starkes Ziehen in meinem Bauch, akustisch bekommt man die Vorgänge zusätzlich mit. Dieses Saugen, das knapp zwei Minuten gedauert hat, war nicht sehr schmerzhaft, aber sehr unangenehm. Nach Ende des Vorgangens wurde für weinige Sekunden noch mit einem Instrument nachgetastest, ob nicht Gewebe in der Gebärmutter übrig geblieben ist. Dann konnte ich schon aufstehen, in den Nebenraum gehen und ich mit anderen Frauen ausruhen. Das war zuerst sehr hilfreich, weil ich mit zwei Frauen kurz reden konnte, die vor mir den Abbruch hatten, man fühlt sich da nicht so als das böse Monstern, wenn man sieht, dass so etwas auch andere gerade durchgemacht haben. Leider kam danach eine sehr junge Frau in den Raum, die heulte, statt mich auf meine Stärkung zu konzentrieren, musste ich, da sie neben mir lag, sie aufmuntern. Das war schwierig, selbst in man auch nicht in einer leichten Situation. Leider hat sich das übrige Personal nicht um ihren Zustand besonders gekümmert. So war ich froh, als ich eine Stunde danach schon nach Hause fahren konnte.

  • 1 Antwort

    Ich hatte (zum Glück) noch nie mit diesem Thema zu tun aber ich möchte dir für diesen Erfahrungsbericht, der vorallem sehr sachlich ist, danken.


    Alles Gute für Dich @:)