450€ Rechnung für Professionelle Zahnreinigung? (Privatpatient)

    Hallo zusammen,


    eben ist mir als Privatpatient von meinem Zahnarzt (in Nürnberg) eine Rechnung für eine professionelle Zahnreinigung über 449€ hereingeschneit. Ich bin völlig geschockt.


    Nach Suche im Forum schiesse ich da wohl völlig den Vogel ab.


    Abgerechnet wurden eine PZR pauschal (90€ wegen vorheriger Pauschalvereinbarung als Privatleistung), dann u.a. 11xGOZ 407x3,5=238,26 (wegen "starker Sulcusblutungen"), 30xGOZ 405 (Politur)x2,3=42€. Weitere kleinere Positionen:


    - 1xGOZ402 (Lokalbehandlung Mundschleimhaut)


    - 1xGOZ201 (Behandlung überempfindl. Zahnkiefer)


    - 1xGOZ100 ("Erstellen eines Mundhygienestat., eingehende Unterweisung, 25 Min"??)


    - 1xGOZ101 ("Kontrolle des Übungserfolgs, eingeh. Unterweisung 15 Min"??)


    - 1xGOZ102 (Fluoridierung)


    - 1xGOZ400 ("Erstellen Parodontalstatus")


    Mein Eindruck ist, der Arzt oder die Kostenstelle will alles mögliche lukrativ doppelt und mit erhöhten Sätzen abrechnen und hat absolut jedes Augenmaß und jede Hemmung verloren.


    - Mein Auftrag lautete "professionelle Zahnreinigung", sonst nichts.


    - Die Prozedur umfasste Färben/Airflow/Politur/Floss/Zahnseide/Fluorid.


    - Die ganze Prozedur dauerte 60min, 1 Sitzung, und wurde ausschliesslich durch eine dafür ausgebildete Assistentin durchgeführt, ohne ZA-Nachkontrolle (womit nach meinem Verständnis GOZ407 und evtl andere hinfällig sind)


    - Bei einer früheren PZR waren die ganzen obigen Zusatzpositionen nicht dabei, außer einer Zusatzpos. 30x GOZ 102 "Fluoridierung" ~194€! Diese Position darf nach GOZ offenbar nur 1x gerechnet werden, was die Verrechnungsstelle trotz dreier Schreiben und Bestätigung durch meine KV nie berichtigt hat. Die ZAH am Telefon meinte nur "das dürfen wir" und erst auf meinen Hinweis zur Aussage der KV wollte sie "nochmals prüfen". Habe einfach die Zahlung reduziert und nie mehr davon gehört. Daher erwartete ich auch ähnliche Kosten für später.


    - Am Ende meinte die ZAH noch, dass alles sehr gut aussieht. Von wegen, grösserer Schwierigkeitsgrad, längere Beratung o.a.


    - Vor der ersten PZR mußte ich einen Schrieb bzgl der pauschalen 90€ als Eigenkosten unterschreiben (Kopie hatte ich mir selbst gemacht). Dort steht auch indirekt drin, was die PZR so umfasst, nämlich u.a. Beseitigung weicher Beläge und Konkremente.


    Wer kommt denn auch nur auf die Idee, für eine Stunde Arbeit von einer Assistentin 450€ zu verlangen? Das sind bei den Marktpreisen ja schon Wuchersätze, dafür könnte eine Werkstatt 4 Stunden arbeiten. Wer würde für den Preis noch ein zweites Mal kommen? (oder gar die empfohlenen 2x im Jahr)?


    Langsam kann ich jedem nur raten, für jedes Gespräch und wirklich jede Arbeit jedes Mal einen Kostenvoranschlag oder HKP zu machen.


    Wenn der ZA das nicht sofort als klaren Fehler korrigiert und für die Zukunft abstellt, war ich natürlich das letzte Mal bei ihm (ausserdem soll er dann mal den strittigen Rest einklagen). Fände ich zwar schade, weil es persönlich gepasst hat, aber 450€ ist irre.


    Für fachkundige Tipps über falsche Positionen wäre ich natürlich dankbar, auch wenn die Suche schon einiges hergegeben hat.


    Gruss von

  • 34 Antworten

    Nunja Hase hat dir ja schon was Gutes reingestellt ;-D


    Nunja komisch ist, dass ich nichts lese, dass da ne Beratungsposition drin steht, weiß jetzt aber auch nicht mehr, ob die da irgendwo drin enthalten ist. Wir haben früher grundsätzlich die Ä 1 dazu geschrieben bei privat, wenns ging auch noch ne Ä5..


    Grundsätzlich, damit will ich sagen, viele zu viele Zahnärzte rechen Dinge ab, die man abrechen kann. Und schreiben dann einfach ne Begründung auf, die nicht stimmt. Da hat man dann eben schnell ne übermäßige Papillenblutung, anstatt ne winzige die absolut nix ausmacht...


    Und das macht man gern bei Privaten, wieso? Weil man kann, bei denen kann man viel mehr Gebühren kombinieren, und einfach mal den Satz erhöhen... Finde ich ne Sauerei..


    Kannst du in deiner Rechnung noch sehen, mit welchem Satz abgerechnet wurde?


    Ansonsten sag ich nur, wehr dich, allein schon die Aussage der Helferin *wir dürfen das* würde mich soweit bringen, dass ich der an den kopf schmeißen würde: Zahnärtzekammer, und Beschwerde gegen sie beim Chef...

    Black Bear

    Ich habe bereits vor 10 Jahren mal ( als Privatpatient ) bei einer Zahnärztin für simples Zahnsteinentfernen ( halbe Stunde ) 1300.- DM bezahlen müssen ( sollen ). Sie hat mir sogar ihre Einweghandschuhe mit DM 2.- in Rechnung gestellt.


    Weiß nicht, wa sie heute nehmen würde, die Praxis existiert inzwischen nicht mehr:-ox:):=o

    So, habe jetzt mit allen gefundenen Infos der Abrechnungsstelle und dem ZA geschrieben und die Rechnung ausführlich zerlegt (ich ärgere mich selbst über diese vergebliche Arbeitszeit).


    Habe ihnen 10 Tage gesetzt, um eine neue Rechnung zu verschicken. Falls wie beim letzten Abrechnungsfehler nichts kommt, habe ich Ihnen angekündigt a) selbst Positionen zu streichen, b) Ihnen einen Bevollmächtigten für mögliche Mahn/Klageverfahren genannt, c) bei nicht-einvernehmlicher Lösung das Ende des Patientenverhältnisses angekündigt.


    Mal schauen, ob diesmal etwas kommt. Man glaubt manchmal, die wollen gar keine Patienten.

    Zitat

    Nunja komisch ist, dass ich nichts lese, dass da ne Beratungsposition drin steht, weiß jetzt aber auch nicht mehr, ob die da irgendwo drin enthalten ist. Wir haben früher grundsätzlich die Ä 1 dazu geschrieben bei privat, wenns ging auch noch ne Ä5..

    Mit der 100/101 darf man aber doch gar keine Ä1 mehr abrechnen? Ich bin nämlich inzwischen der Experte für GOZ-Positionen, nach intensivem Literaturstudium ;-D Eigentlich hätte ich aber meine Freizeit anders nutzen wollen und finde das Ganze nur noch traurig...

    Zitat

    Grundsätzlich, damit will ich sagen, viele zu viele Zahnärzte rechen Dinge ab, die man abrechen kann. Und schreiben dann einfach ne Begründung auf, die nicht stimmt.

    Das war auch mein erster Eindruck bei den ganzen Positionen. Schlimm, dass viele nicht mal ein Augenmaß (oder ein Gewissen) dafür haben, welche Summen sie dort eigentlich abrechnen.


    Naja, jetzt ist ein strenger Brief von mir draussen.

    muste im Oktober 2008 50,-.- Euro als Kassenpatient bezahlen - Krankenkasse zahlt nichts dazu. Das heisst - der zahnarzt bekam in meinem Fall wirklich nur die 50 Euro -


    In seinem Wartezimmer hat er ein Plakat hängen, dass die professionelle Zahnreinigung je nach Aufwand zwischen 50,-- und 75,-- Euro kostet. Und bei mir war wirklich viel zu machen (war nämlich vorher jahrelang nicht beim Zahn rzt).

    Black Bear, ui ui ganz ehrlich ich weiß es echt nicht mehr |-o|-o|-o


    Ich weiß, dass man die Ä1 bei der *001* dazu schreiben darf, bei Privaten, aber die Ä1 unheimlich viele Regeln für die Kassenpatienten haben, sind mir auch alle noch geläufig, aber das wäre jetzt unnötig das hier hin zu schreiben ;-D


    Aber wenn ich mir das so überlege ist es eigentlich logisch, ne Beratung ist da ja drin enthalten, da kann man dann ne beratungsposition nicht nbochmal abrechnen ;-D


    Tut mir echt leid |-o


    Erzähl mal was da raus gekommen ist, ja??? @:)

    @ Flüxi,

    doch die Krankenkasse bezahlt die normale Zahnsteinreinigung einmal im Jahr. Das heißt sie bezahlt die Entfernung von Zahnstein in der Unterkieferfront, und wenn vorhanden an den oberen 6ern ( erste große backenzähne). Und da werden nur die zahnsteinbeläge netfernt, keine kaffee/Teeablagerungen die soo schön braun sind ;-D


    Deswegen müssen Patienten die das so wollen, ne PZR haben und die kostet, sei froh dass du nur 50€ bezahlt hast, die meisten Zahnärzte verlangen weitaus mehr oder rechnen das noch anders ab, pro zahn an dem Airflow gemacht wurde, oder pro Quadrant, wenn nicht überall was dran ist...


    Und bei uns war das so, dass die jenigen die kein Airfllow gemacht bekamen und die zum zweiten Mal im Jahr für ZST kamen mussten, das normale ZST bezahlen und das waren auch schon um die 30 € ;-)

    Zitat

    Erzähl mal was da raus gekommen ist, ja ??? @:)

    Natürlich wieder keine Antwort von der Verrechnungsstelle oder Arzt auf meinen Brief, in dem ich alle Positionen zerlegt habe. Entweder Saftladen oder einfach kriminell.


    Kurz vor Ablauf der Rechnungsfrist habe ich dann schriftlich mitgeteilt, unangemessen erscheinende Positionen zu streichen (GOZ 407, 100, 101, 400) und letztlich eine Zahlung über ca 150€ angekündigt -- immer noch fürstlich, aber das ist sozusagen ein Abschiedsgeschenk dafür, dass das mein letzter Besuch dort war, und um ganz auf der sicheren Seite zu sein. Einen Rechtsanwalt als Bevollmächtigtenanschrift habe ich auch noch angegeben, falls sie es trotz der für mich recht klaren Sachlage versuchen wollen...;-)

    Hossa! Da hat aber einer mehr als kräftig hingelangt. Finde Deine Reaktion absolut i.O.! Ich zahle in München für die professionelle Zahnreinigung, die ebenfalls rd. eine Stunde dauert ca. 150 Euro, inklusive Kontrolle der Zähne durch den Arzt höchstpersönlich. Und auch als Privatpatient. Deine Erfahrungen geben einem aber zu Denken - da die Ärzte wohl von den gesetzlichen Kassen immer weniger vergütet bekommen, wird der Privatpatient zur Melkkuh! Eine ziemlich schräge Entwicklung, leider von unserer Politik herausprovoziert und hausgemacht!


    Ich hoffe in jedem Fall, dass bei Dir jetzt nichts mehr nachkommt und Du Dich noch wohlmöglich für Deine absolut richtige Reaktion gerichtlich rechtfertigen mußt.


    Alles Gute


    bombo

    Habe heute erst nen termin gemacht für ne Zahnreinigung und fragte am Telefon nach den Preisen. Kassenpatient zwischen 55 und 75 Euro und Privatpatient 140 Euro...aber deine Rechnung ist ja echt der Knaller....:|N:|N:|N


    Da würde ich auch gegenan gehen!

    Zitat

    Kassenpatient zwischen 55 und 75 Euro und Privatpatient 140 Euro

    Bitte was?! Es zahlen doch längst nicht allen privaten Kassen die PZR, das ist ja wohl eine absolute Unverschämtheit. Greift da eigentlich das AGG?

    Zitat

    da die Ärzte wohl von den gesetzlichen Kassen immer weniger vergütet bekommen, wird der Privatpatient zur Melkkuh! Eine ziemlich schräge Entwicklung, leider von unserer Politik herausprovoziert und hausgemacht!

    Genau der springende Punkt, denke ich. Mir gefällt nicht, was da in letzter Zeit bei der gesetzlichen Vergütung passiert, dass z.B. ab einer bestimmten Maximalzahl an Patienten der Arzt mehr oder weniger zum Nulltarif arbeiten soll. Das kann aber nicht heissen, dass manche Ärzte (neben den erhöhten Privatsätzen) auch noch unzulässige oder nichtangefallene Positionen bis zur Grenze der Unverschämtheit abrechnen -- und komischerweise bei Privatleuten, wo sie den geringsten Widerstand erwarten.


    Mir scheint, dass da manche nur noch dem Prinzip "jeder gegen jeden" verfallen sind, nach dem Motto, wenn es bei mir geholt wird, hole ich es eben bei anderen wieder.

    Zitat

    Ich hoffe in jedem Fall, dass bei Dir jetzt nichts mehr nachkommt und Du Dich noch wohlmöglich für Deine absolut richtige Reaktion gerichtlich rechtfertigen mußt.

    Damit habe ich kein Problem. Rechtsanwalt ist in meiner Familie. Und den reduzierten Rechnungsbetrag habe ich so gewählt, dass nach meiner Ansicht mein Risiko minimal ist. Natürlich ist vor Gericht und auf hoher See immer alles möglich -- aber das kann ich riskieren, es geht mir ums Prinzip und nicht ums Geld.