Keramik-Inlays, wirklich die beste Wahl?

    Letzten Mittwoch bin ich zu einem neuen Zahnarzt gegangen.


    Bis dahin dachte ich, ich hätte meine Zähne endlich im Griff, da die letzten 2 Jahre nichts war, aber weit gefehlt.


    In einem Backenzahn oben, wo ich bereits einmal unter einer Füllung ein Loch hatte, habe ich wieder ein Loch unter der Füllung (daher mittlerweile auch tief), das man nur auf dem Röntgenbild sehen kann.


    Auch ansonsten ist gefühlt jeder Zahn am Rand von bereits vorhandene Füllungen oder Versiegelungen kariös. Außerdem habe ich ein Loch in einem Backenzahn unten (gleiche Seite) am Rand einer Füllung.


    O-Ton Zahnarzt: es täte ihm in der Seele weh, so schöne Zähne aber alles nur geflickt, man hätte vor 2-3 Jahren alles erneuern müssen. (Ich war geschockt und hätte weinen können)


    Jetzt möchte er gerne oben den Backenzahn sowie die beiden anliegenden Zähne (gefüllt (nicht tief) aber keine neuen Löcher) mit Keramikinlays behandeln (1000€) und unten das Loch mit Kunstoff füllen, später wenn wieder Geld da ist mit Keramikinlay. Grundsätzlich muss wohl alles in meinem Mund erneuert werden, was dann über das nächste Jahr verteilt gemacht werden soll.


    Ich bin völlig aufgeschmissen, weiß nicht was ich machen soll. Es ist ja sehr viel Geld. Ich würde es allerdings zahlen, wenn ich wüsste, dass es dann auch gut gemacht ist und dies die beste Lösung ist. Aber Berichte über zerbröselnde Zähne und anhaltende Schmerzen machen die Entscheidung nicht leichter.


    Außerdem einen Frage: der Zahnarzt, hat mir erklärt, dass das Problem bei Kunststofffüllungen in dem kleinen Spalt zwischen Füllung und Zahnmaterial liegt, der beim Aushärten der Füllung entsteht.


    Bei meinen Nachforschungen habe ich jetzt aber erfahren, dass die Keramikinlays auch mit Kunststoff im Zahn festgeklebt werden. Habe ich dann nicht wieder genau das gleiche Problem und die gleiche Kariesgefahr wie mit Kunststofffüllungen?


    Die DGZMK sagt dass Keramikinlays max. 5 Jahre halten und es noch keine langfristige Forschungsergebnisse gibt. Da finde ich 1000€ schon sehr teuer, wenn Kunststoff 4-6Jahre halten soll.


    Wer hat Erfahrung mit Kermikinlays?


    Wer stand vor der gleichen Entscheidung und wie habt ihr euch entschieden?


    Vielen Dank an alle, die antworten!

  • 6 Antworten
    Zitat

    Grundsätzlich muss wohl alles in meinem Mund erneuert werden, was dann über das nächste Jahr verteilt gemacht werden soll.

    klingt nach einem ziemlichen Reibach für den ZA, auf jeden Fall erstmal zweite Meinung einholen!

    Keramikinlays halten länger. 10-15 Jahre:


    http://www.agz-rnk.de/agz/content/3/3_4/3_4_1/3_4_1_3/3_4_1_3_2/index.php


    Hast Du mal über Gold nachgedacht? Müsste in einem ähnlichen Preissegment liegen, ist aber das bessere Füllungsmaterial.


    http://www.agz-rnk.de/agz/content/2/aktuelles/akt_00005.php?ftsq=


    So oder so, schadet es nicht einen zweiten Zahnarzt zu befragenn

    Also:


    Keramikinlays sind toll, kann man machen, aber wo es geht, ist natürlich eine Composite-Füllung sinnvoller. Nun, wenn ein ZA sagt, dass er Keramikinlays mache und Composite nicht dicht ist, frage ich mich, wie er die Inlays klebt? Dazu braucht man Kofferdam und wenn man den schon mal da hat, sollte man auch Füllungen in Mehrschichttechnik machen können;-)


    Von daher lieber eine zweite Meinung einholen.

    Danke, für eure Antworten!


    Ich werde mir morgen einen Termin bei einem weiteren Zahnarzt geben lassen.


    Was mich wirklich noch interessieren würde, ist die Verklebung der Inlays mit Kunststoff. Entsteht dann nicht genau wie bei Kunststofffüllungen eine Spalt in dem sich wieder Karies bilden kann?

    Viele ZÄ verarbeiten das hochwertige Composite, wie Amalgam, da kann es nicht dicht sein. Das kann man nicht einfach so in das Loch kleben.


    Durch schichtweises aufbringen kann man die Schrumpfung weitesgehend verhindern.

    Bei allen Arten von Füllungen/Kronen/Brücken gibt es das Problem des Rand(spaltes).


    Amalgam: Wird direkt auf die Zahnhartsubstanz mit Druck gestopft. Amalgam schrumpft beim Härten nicht. Im Laufe des Gebrauches, wird Amalgam am Rande noch etwas "ausdehnen" am Zahn entlangkriechen (wird also eher dichter). Amalgam ist leicht zu verarbeiten, verzeiht auch Verarbeitungsfehler (Feuchtigkeit beim Legen) und kann, wenn ordentlich verarbeitet, sehr lange halten


    Gold: Wird im Labor hergestellt. Gold hat herstellungsbedingt einen Randspalt von wenigen Mikrometer, der durch Zement gefüllt wird. Bei sachgemässer Herstellung (sehr sensitiv in der Herstellung) und ordentlicher Zementierung extrem haltbar


    Kunststoff: Kunststoff wird ebenfalls direkt auf die Zahnhartsubstanz aufgetragen, aber geschichtet (die meisten sind nicht mechanisch stopfbar wie Amalgam, schichten heisst, man streichelt es drauf). Schichten ist auch notwendig, da Kunststoff beim härten schrumpft, was durch schichweise Verarbeitung ausgeglichen wird. Kunststoff ist hydrophob (wasserabweisend) und der Zahn hydrophil (wasserhaltig), was es schwierig macht und den Einsatz eines Haftvermittlers notwendig macht. Der Mund ist zudem voll Wasser. Wenn beim Verarbeiten wasser vom Mund drauf kommt (es reicht der Hauch eines Atems), wird schon beim Schichten ein Spalt entstehen. Deshalb soll Kunststoff immer unter absoluter Trockenlegung (Kofferdam) im Seitenzahnbereich verarbeitet werden, Watteröllchen reichen normalerweise nicht. Wenn Kofferdam und Haftvermittler verwendet wurde und gewissenhaft in Schichten gearbeitet wurde, ist eine Kunststofffüllung dann erstmal dicht. Allerdings reagiert Zahn und Kunststoff auf thermische Belastung recht unterschiedlich (beides dehnt sich unter Wärme aus und schrumpft unter Kälte, aber die Art und Ausmass dieser Bewegungen sind unterschiedlich). Das führt dann nach recht kurzer Zeit (wenige Jahre) zur Spaltbildung.


    Keramik: Keramik wird, wie ein Inlay, im Labor (oder auch mit einer Chairside-Schleifeinheit auch ohne Labor aber immer noch ausserhalb des Mundes) indirekt und mit einem herstellungsbedingten Spalt angefertigtt. Manche Keramiken müssen zementiert werden, aber in der Regel wird Keramik verwendet, die mit Kunststoff eingeklebt werden. Hier soll dann wieder Kofferdam verwendet werden, da es sonst die Wasserproblematik beim Einkleben hat. Schichten ist nicht notwendig, da nur ganz wenig Kunststoff verwendet wird. Wenn es erstmal dicht eingesetzt ist, tritt das Problem der Schrumpfung unter thermischer Belastung hier nicht so auf, da ja ein Makrofüllkörper ((das Inlay), welches deutlich näher am thermischen Verhalten eines Zahnes liegt, dies verhindert. Spalten können dennoch nach vielen Jahren auftreten.


    Für Gold und Amalgam hat es Langzeitergebnisse (Jahrzehnte), für Keramik und Kunststoff gibt es diese Daten nicht, da die Materialien in der jetzigen Form weniger als 10-30 Jahre auf dem Markt sind (Gold und Amalgam aber seit über 100 Jahren). Im allgemeinen geht man bei Keramik aber von einer langen Liegedauer aus.