Kiefergelenksprobleme und Weisheitszähne

    Hallo,


    ich habe bereits seit meinem 15. oder 16. Lebensjahr extrem lautes Kieferknacken, das seit ein paar Jahren von leichten, seit ein paar Monaten von immer stärker werdenden Muskelschmerzen begleitet wird. Hinzu kommen seit neuestem klickende und mahlende Geräusche bei stärkerer Beanspruchung (reden, essen,...). Nach einer erfolglosen Schienenbehandlung beschloss ich, mich in einer Poliklinik für MKG-Chirurgie beraten zu lassen. Folgendes wurde mir gesagt: Auf beiden Seiten ist der Diskus verlagert (posterior und anterior, soweit ich das verstanden habe). Ich soll der konservativen Therapie mit einer anderen Art von Schiene (Michigan-Schiene) eine weitere Chance geben und zur Behandlung der Symptome Ibuprofen einnehmen. Eine chirurugische Behandlung sei "selten und risikoreich". Außerdem wurde mir dazu geraten, mindestens den linken oberen Weisheitszahn entfernen zu lassen, da er keinen Gegenspieler mehr hat (Grund war eine Zyste an der Wurzel), evtl. auch die restlichen beiden. Alle drei sind recht sauber durchgebrochen und fast vollständig herausgewachsen, da mir vor Zahnspangenbehandlung die "Vierer" entfernt worden waren, also genug Platz.


    Nun meine Fragen:


    1. Würde die Entfernung der WZ Linderung bei meinen mittlerweile enorm störenden Kieferbeschwerden bringen ? Oder ist es eine rein präventive Angelegenheit und hat mit dem Kiefergelenk nichts zu tun ? Wenn ja, wie sinnvoll ist es ?


    2. Stimmt es, dass ein operativer Eingriff bei Diskusdislokation mehr Risiken birgt als Nutzen bringt ?


    3. Angenommen, ich würde mich dazu entschließen, die WZ bei Dämmerschlafnarkose ziehen zu lassen, ist es dann ratsam, gleich alle drei auf einmal zu entfernen ? Oder soll ich es leiber bei dem einen ohne Antagonisten belassen und dafür Lokalanästhesie ?


    Bin total überfordert mit der Entscheidung und extrem angenervt von den ständigen Schmerzen im Kiefer, die mittlerweile auf Schläfen, Nacken und sogar Rücken ausstrahlen. Ich habe sogar den Verdacht, dass meine gelegentlichen Ohrenschmerzen auch mit dem Kiefergelenk in Zusammenhang stehen.


    Bin für jede Antwort dankbar !!


    LG


    Jessi

  • 4 Antworten

    Die Diagnose

    Hallo jeddah,


    Frau, 24 Jahre alt, seit 8 Jahren läuft die Krankengeschichte mit "Kiefergelenksschmerzen" : alleine aus diesen Rohdaten wissen wir, dass Sie vermutlich keine einfache "Diskusverlagerung" haben können. Denn dann hätten Sie die Schmerzen beim Bewegen des Kiefers, keine "Muskelschmerzen", und Schmerzen in Schläfen, Nacken, Ohren, Rücken. Da paßt was nicht.


    Ich würde mal aus 500 km telediagnostischer Entfernung vermuten, dass Sie mindestens zusätzlich - aber meiner Meinung hauptsächlich - die Diagnose: Neuropathie der Schmerzrezeption ganz allgemein stellen. Auf deutsch: Ihre Schmerzverarbeitung ist viel zu empfindlich aufgedreht. Ich wette 10 Cent, dass der gleiche anatomische Befund bei einem gleichaltrigen Mann null (= 0!) Schmerz auslöst.


    Wir wissen inzwischen, dass das Risiko, unter Ihrem Gesamtbefund zu leiden alleine durch das Geschlecht um den Faktor 3 (!) steigt.


    Das ist auch der Grund, warum die Leute in der Klinik sich bei der Frage nach einer chirurgischen Behandlung sehr bedeckt halten. Sie wissen aus Erfahrung, dass die chirurgische Behandlung bei Ihrem speziellen Befund, der zur Zeit mit dem Arbeitstitel "TMD, Untergruppe: myofascialer Schmerz" versehen ist, eine Erfolgswahrscheinlichkeit in Höhe einer Placebobehandlung (Gipspillen) hat.


    Deshalb rate ich Ihnen von allen ! chirurgischen Eingriffen ab. Die werden wahrscheinlich kein Problem lösen, sondern - wenn Sie Pech haben - neue schaffen.


    Viele Grüße


    Joachim Wagner

    Hallo,


    eine interessante Theorie, aber wahrscheinlich habe ich mich da unklar ausgedrückt: Ich habe tatsächlich Kopfschmerzen im Schläfenbereich (sonst NIE), Nackenverspannungen, Schmerzen beim Kauen, beim Liegen auf dem Gesicht und gelegentlich "Knacken" oder Schmerzen in den Ohren, und leider mittlerweile auch Schmerzen beim längeren Reden. Die Kiefergeräusche sind darüberhinaus so laut, dass ich beim Essen mit fremden Leuten grundsätzlich gefragt werde, ob das mein Kiefer sei der da so knackt. Früher wurde das Knacken nicht von Schmerzen begleitet, was heute leider nicht mehr der Fall ist. Vielmehr sind mahlende Geräusche hinzugekommen, vor allen Dingen beim Reden.


    Würde sich denn eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit nicht auch in anderen Bereichen äußern ? Ich habe äußerst selten Schmerzen, spiele Eishockey, kann heiße Tassen anfassen und lebe auch ansonsten relativ beschwerdefrei. ;-)


    Vielen Dank für die "Ferndiagnose". Bin für jedes Statement dankbar.


    J.

    Nachtrag :)D

    Habe mir mal die Zeit genommen, den Artikel bei Wikipedia genau durchzulesen, und nicht gleich zu sagen "nein, das hab ich nicht", aber ich muss tatsächlich sagen, dass die Beschreibung nicht auf mich zutrifft. Meine Beschwerden fingen während oder nach einer mehrjährigen kieferorthopädischen Behandlung an, bei der der Biss leider nicht korrekt behandelt wurde (sprich: meine Zähne sind super-gerade, aber liegen falsch aufeinander, und daran haben auch 4 Jahre Zahnspange nichts geändert). Wie bereits gesagt hatte ich ursprünglich nur die Geräusche, nicht aber die Schmerzen. Diese haben erst Jahre später eingesetzt und waren anfangs genau im Kiefergelenk. Erst seit ein paar Monaten merke ich, dass der Schmerz ausstrahlt, und zwar immer weiter, und dass er abhängig von der Bewegungshäufigkeit des Kiefers ist. Wenn ich den ganzen Tag nichts esse und meinen Mund halte, habe ich eigentlich keine Beschwerden, aber ich rede und ich esse nunmal sehr gerne... Ich knirsche NICHT im Schlaf, das hat mir mein Partner bestätigt, der nun seit beinahe 5 Jahren neben mir schläft, und es ist auch kein Abrieb der Zähne festzustellen. Die Röntgenaufnahmen aus der Uniklinik Mainz zeigen eindeutig, dass beide Discusscheiben verlagert sind. Ich neige auch nicht zu Depressionen und ich würde mich absolut dagegen sträuben, wegen Kieferschmerzen Psychopharmaka zu nehmen ! Kurz gefasst: Ich bin mir relativ sicher, dass meine Beschwerden nicht psychosomatisch sind und dass meine Schmerzgrenze nicht anders liegt als bei anderen Menschen auch. Ich gehe eher unterdurchschnittlich oft zum Arzt und Zahnarzt. Es passt also einfach nicht. Da MUSS es eine andere Erklärung bzw. Lösung geben. Ich weiß nur nicht, inwiefern die Weisheitszähne ihren Teil dazu beitragen oder nicht....und es würde mich interessieren, ob und wann eine OP sinnvoll ist. Der Kieferchirurg in MZ meinte, sobald eine Arthrose (?) oder eine heftige Abnutzung des Gelenks erkennbar ist. Stimmt das ?? ???

    Fauenfeindlicher Artikel, J.Wagner!! Ursachen- und nicht ganz allein das NS bestimmen Schmerzwahrnehmungen. Eine Statistik sagt noch lange nichts über die Fakten aus- und, daß der Befund nur psychisch in Frauenproblemen läge:-(


    Also, wenn der Weisheitszahn einfach nur da ist, und funktionell nicht stört, WIESO soll dann seine Extraktion was bringen??


    Bei entsprechender Belastung reagiere ich auch mit Kiefergelenksschmerzen. Ich konnte mir letztes Jahr noch gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlt. Ursachen können auch im Kreuz, sprich, im ganzen Knochen-Muskelsystem liegen.