Privatrechnung für Zusatzleistung ohne Vorankündigung

    Hallo zusammen!


    Vorab: ich bin grundsätzlich mit meinem ZA sehr zufrieden, was die Qualität seiner Arbeit betrifft. Somit möchte ich auch nicht leichtfertig auf die Barrikaden gehen wegen einer von mir als ungerechtfertigt empfundenen Rechnung.


    Die Situation ist diese:


    Ich war kürzlich zur jährlichen Kontrolle. Weil der ZA eine kritische Stelle sah, wurde (erstmals seit vielen Jahren übrigens) geröntgt. Es stellten sich mehrere Problematiken raus, u.a. ein besonders angegriffener Zahn, bei dem zunächst nicht klar war, ob er noch zu retten ist oder ob es eine Wurzelbehandlung wird. Im Laufe der Behandlung (noch in der gleichen Sitzung) lief es auf eine Wurzelbehandlung hinaus, die dann komplett durchgeführt wurde. Von Kosten wurde mir nichts gesagt. Ich recherchierte später im Internet, dass die Voraussetzungen seitens der gesetzlichen Krankenkassen bei mir erfüllt sind, die eine Kostenübernahme sicherstellen.


    Nun bekam ich eine Rechnung über 90 Euro für "elektrometrische Längenbestimmung des Wurzelkanals", was auch, wie ich eben im Netz gesehen habe, von der GKV nicht übernommen wird.


    Ich wurde darauf aber nicht hingewiesen!! Auf dem Schreiben steht noch der übliche Blabla "nach eingehender Beratung... auf Wunsch des Patienten... auf Verlangen des Zahlungspflichtigen", in doppelter Ausführung, d.h. ich soll auch per Unterschrift bestätigen, dass evtl. eine vollständige Erstattung nicht gewährleistet ist. Aber hätten sie mir das nicht vorher vorlegen sollen?


    Diese ganzen Zettel sind auf ein Datum ausgestellt, das nach meinem ZA-Termin war.


    Wie würdet Ihr vorgehen? Soll ich evtl. auch noch die Krankenkasse um Rat fragen?


    Frohen 2. Weihnachtstag und danke schon mal für Eure Hinweise! :-)

  • 13 Antworten

    Er hätte dich vorher aufklären müssen.


    Ich würde in der Praxis anrufen und es reklamieren.


    Wenn du weiterhin Patientin der Praxis bleiben möchtest, würde ich auf einen langfristigen Rechtsstreit verzichten.


    Übrigends sollte zumindest alle zwei Jahren ein Röntgenbild gemacht werden und nicht erst, wenn was verdächtiges gefunden wurde.


    Alles Gute...

    Danke Dir! @:)


    Ja, reklamieren werde ich auf jeden Fall!


    Vorher evtl. noch die Krankenkasse fragen, ob sie es vielleicht doch übernimmt und falls nein, was sie zu meiner rechtlichen Position meinen?


    Rechtsstreit kommt nicht in Frage, das wäre es mir nicht wert.


    Aber ist natürlich schon gemein vom ZA, stillschweigend davon auszugehen, dass die Patienten schon zahlen werden. Habe auch von anderen bisweilen gehört, dass "solche" Vorgehensweisen wohl speziell bei Zahnärzten Usus zu sein scheinen? Finde ich fies. :-(

    Meine Zahnärztin hat es mich sogar unterschreiben lassen als ich nur ne andere Füllung wollte. Das waren noch nichtmal 30€.


    Ich würde sie doch bitten die Kopie der Erklärung samt Unterschrift zuzuschicken. So ist doch gar kein Behandlungsvertrag zustande gekommen.

    Dein Arzt ist laut §630c dazu verpflichtet den Patienten in Textform vorab über die zu erwartenden Kosten seiner Behandlung zu informieren, wenn er sich nicht sicher sein kann, dass diese von der Krankenkasse übernommen werden.


    Leider wird darauf gerne verzichtet und die meisten Patienten bezahlen trotzdem. Das auch verständlich, da so ein Rechtsstreit sehr nervenaufreibend sein kann und es gerade bei geringen Beträgen fast unmöglich ist, einen guten Anwalt zu finden. Ganz davon ab kennen viele diese Pflicht gar nicht.


    Den Arzt darauf anzusprechen finde ich trotzdem wichtig, jedoch kann es auch da vorkommen, dass das Arzt-Patienten Verhältnis dadurch gestört wird - zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht.

    @ Aleonor

    Diese Erklärung ist schon mit dabei, bereits von denen unterschrieben, nur meine Unterschrift fehlt logischerweise noch. Drum haben sie ja auch dazu geschrieben, dass ich eine Ausfertigung an sie wieder zurückgeben soll.

    @ Akasha767

    Genau das ist der Punkt:

    Zitat

    jedoch kann es auch da vorkommen, dass das Arzt-Patienten Verhältnis dadurch gestört wird

    Eben diese Befürchtung habe ich irgendwie auch (und darauf "bauen" wohl die Zahnärzte auch bei solchen unseriösen Vorgehensweisen :-/ ); ich bin ja langjährige bisher sehr zufriedene Patientin und möchte den Zahnarzt nicht wechseln müssen.


    Weiß jemand von Euch, ob im Rahmen der Wurzelbehandlung diese elektrometrische Längenbestimmung des Wurzelkanals medizinisch nötig ist (wohl eher nicht, wenn die Kasse es nicht zahlt?), bzw. warum das eigentlich gemacht wird?

    Zitat

    jedoch kann es auch da vorkommen, dass das Arzt-Patienten Verhältnis dadurch gestört wird

    also das wäre bei mir nach der Aktion sowieso gestört.

    @ Flamechen79

    Ja, verstehe ich. Das Problem ist, dass man nicht so ohne Weiteres fachlich gute Zahnärzte findet und ich somit nicht leichtfertig wechseln möchte. Bin bei diesem bereits über 10 Jahre Patientin und habe mich immer sehr gut aufgehoben gefühlt. Er macht nicht voreilig Behandlungen (und diese, die nötig sind, sind sehr gut gemacht), man wird auch nicht mit der üblichen Penetranz in punkto Professioneller Zahnreinigung bedrängt, und die Atmosphäre war bislang immer sehr angenehm.


    Ich habe nun in Kürze nochmals einen Termin wegen kleinerer Füllungen - da nehme ich grundsätzlich die teureren und zahle das auch drauf, wurde immer abgesprochen und ist also kein Thema.


    Soll ich am besten das Wurzelbehandlungs-Abzock-Thema erst NACH meiner Behandlung ansprechen, nicht dass mir erst recht wieder ungerechtfertigte Dinge dazu berechnet werden?


    Würde dann die Dame am Empfang damit konfrontieren, und mich kostet das auch ziemliche Überwindung, weil ich mich einerseits im Recht fühle, mir andererseits aber sicher bin, dass es mir nicht zugestanden wird und man mir argumentativ dann allerhand Mist erzählt, dem ich dann irgendwie nichts entgegensetzen kann. :-(


    Habe nun außerdem noch eine Mail an meine Krankenkasse geschrieben und um Rat gebeten.

    Zitat

    Wie würdet Ihr vorgehen?

    Reklamieren an den Arzt und dir vorher im Klaren sein, was du willst:


    * die Rechnung soll storniert werden


    * Rechnung soll reduziert werden: Hälfte/Hälfte


    * nur deinen Frust loswerden, du bezahlst aber die Rechnung


    In jedem Fall deutlich machen: ab nächstem Mal dann: Sauber mit Information vor der Behandlung, denn auf dem ZA-Stuhl während der Behandlung kann man nicht mehr reden und frei entscheiden. Und Einholen deines Einverständnisses bei IGEL-Leistungen und kurze Erklärung der Notwendigkeit und Höhe der Kosten.

    Zitat

    Soll ich evtl. auch noch die Krankenkasse um Rat fragen?

    Die Krankenkasse interessiert das nicht, ist ja nicht deren Bier. Aber vielleicht haben die einen Berater für Zahnarzt-Leistungen.

    Zitat

    Weiß jemand von Euch, ob im Rahmen der Wurzelbehandlung diese elektrometrische Längenbestimmung des Wurzelkanals medizinisch nötig ist (wohl eher nicht, wenn die Kasse es nicht zahlt?), bzw. warum das eigentlich gemacht wird?

    Steht hier:


    http://www.zahngesundheit-online.com/Medizingeraetediagnostik/Wurzelkanallaengenmessung-Endometrie-/


    https://de.wikipedia.org/wiki/Wurzelkanalbehandlung

    Ohne Unterschrift,kein Vertrag ist zur Stande gekommen, außer du hast die Kosten mündlich zugestimmt, was scheinbar nicht passiert ist.


    Daher bist du nicht verpflichtet zu bezahlen, allerdings muss du das innerhalb der Zahlungsfrist kommunizieren, sonst gilt die Rechnung als akzeptiert.

    @ Pythonist

    Danke Dir für den sehr differenzierten und fundierten Beitrag inkl. der Links!


    Hätte man mir vorher erklärt, dass/warum das Vorgehen sinnvoll ist, und mich gefragt bzgl. meiner Bereitschaft zur privaten Kostenübernahme, so hätte ich vermutlich zugestimmt, weil mir eine optimale Behandlung sehr wichtig ist.


    So aber hat es halt echt einen sehr miesen und auch unprofessionellen Beigeschmack.


    Übrigens ist auch noch eine "Vereinbarung des Steigerungssatzes" dabei, erst recht gemein, finde ich.


    Somit wäre als Kompromiss aufgrund der miesen Kommunikationspolitik eigentlich eine Reduzierung der Rechnung angemessen, finde ich.


    Nur Frust loswerden bringt es natürlich nicht.

    Zitat

    In jedem Fall deutlich machen: ab nächstem Mal dann: Sauber mit Information vor der Behandlung, denn auf dem ZA-Stuhl während der Behandlung kann man nicht mehr reden und frei entscheiden. Und Einholen deines Einverständnisses bei IGEL-Leistungen und kurze Erklärung der Notwendigkeit und Höhe der Kosten.

    Ganz genau. Das werde ich auf alle Fälle deutlich machen! :)^

    @ Luci32

    Nein, mündlich wurde nichts abgesprochen. Ich sagte halt, dass ich den Zahn unbedingt erhalten möchte. Als noch im Raum stand, dass es evtl. mit einer (großen) Füllung statt Wurzelbehandlung getan ist, wurde abgesprochen, dass ich in diesem Falle die bessere Füllung nehme. Daraus wurde wohl meine grundsätzliche Bereitschaft zur hochwertigeren Behandlung abgeleitet.


    Die Füllung ist letztlich dann aber - ebenso nach Absprache bzw. Empfehlung des ZA - eine Kassenfüllung geworden, weil ich angeblich eh relativ bald eine Krone für den Zahn brauche.


    Und ja, ich rede natürlich mit denen noch vor Ende der Zahlungsfrist.

    Ich bin ja selbst gerade ZA-Patient (auch WB(en) und Krone(n)) und kann mir das nur so erklären:


    ein ZA ist ein Spezialist mit Stundenumsatz (noch nicht Lohn) um 120 bis 180 EUR (mal über den Daumen gepeilt). Also kostet 1 min: ca. 2 bis 3 EUR.


    Der gleiche Spezialist kann nun in der gleichen Zeit:


    1) Igel-Zeug erklären und erläutern, Varianten mit dem Patient aushandeln (ich glaube, das hassen sie wie die Pest), aus Arzt-Sicht: unproduktiven Verwatungskram machen und zahnmedizinisch inkompetente Leute über ihre Behandlung entscheiden lassen


    2) die zahnärztlichen Leistungen ausführen - hierfür hat er/sie die jahrelange Ausbildung. Und das zählt ja am Ende auch.


    Also wird sowas wie die Abrechnung sofort ausgelagert, entweder ans Vorzimmer, teils auch an externe Abrechnungs-Firmen, schlicht weil die mit geringerem Stundenlohn arbeiten und die recht komplexen Regularien einhalten.


    Und manche Sache ergibt sich erst zur Behandlung: es kann nicht immer 100% ig vorhergeplant werden.


    Der ZA schafft Spezialtechnik für bestimmte Diagnosen und Behandlungen an - die will dann natürlich auch genutzt und bezahlt werden.


    Der Begriff der medizinischen Notwendigkeit ist ein dehnbarer. Die Kassen sind eher laaangsam, neue Diagnose- oder Behandlungsverfahren in ihren Leistungskatalog aufzunehmen.


    Der klassische ZA-Patient hat noch das Muster drin: ich geh hin, der macht was, dann ist es wieder gut und ich geh nach Hause. Und bezahlen tut die Kasse. Das wird sich ändern müssen: denn der Arzt wird ein Stückweit zum Verkäufer mit einem Verkaufsangebot und der Patient wird ein Stückweit zum Kunde, der aus dem Angebot auswählt.


    Die Geschichte mit dem Steigerungssatz bringt eine sehr große Kostenvarianz da rein. Dort können sich ratzfatz Kosten verdoppeln oder verdreifachen! So ziemlich ohne Begründung. Dies wird aber vom Patient als Willkür erlebt und abgelehnt.


    Aus diesem Spannungsfeld ergibt sich dann die Gesamtproblematik.


    Ein Ausweg wäre dieser:


    * Patient bekommt ein Info-Blatt mit zur nächsten Behandlung, Vergleich Igel- zu Kassenleistung mit Kostenvoranschlag, zuhause kann er sich informieren und entscheidet


    * 2-5 min werden anfangs der Behandlung reserviert um den konkreten Behandlungsumfang und ungefähre Kosten zu vereinbaren, dann Unterschrift


    * dann die Behandlung durch den ZA


    * dann die Abrechnung, vermutlich oft durch externe


    So verliert der Arzt nur wenig Zeit in Erklärungen, die immer das selbe sind, und der Patient ist informiert. Alles, was es dazu braucht ist, dass die Behandlungsumfänge besser geplant werden, damit der Patient die Igel-Informationen samt KVA vorher mitbekommen kann. Und so auch eine Vorstellung über Gesamtkosten (z.B. über mehrere Behandlungen) hat.


    Private Zahnzusatzversicherungen würden einen Teil auffangen, sind aber noch nicht weit verbreitet. Und sind dann wieder ein weiterer Player in dem Geschäft mit ihren Bedingungen und Klauseln. Über alle Versicherten wollen ja auch die mit Gewinn rausgehen.

    @ Pythonist

    Also wie der ZA seine Zeit einteilt und ob er auch ja auf seine Kosten kommt und nicht drauf zahlt (haha, als ob reihenweise Zahnärzte am Hungertuch nagen würden): nicht mein Problem.


    Ich habe schlicht und einfach ein Recht auf einen Kostenvoranschlag bzw. Frage nach meinem Einverständnis, wenn es um private Zuzahlung geht.


    Und ist doch logisch, dass es als Willkür erlebt wird, wenn dann auch noch mehrfache Sätze abgerechnet werden, OHNE Absprache.


    Insofern verstehe ich grad nicht, worauf Du mit Deinem letzten Beitrag hinaus willst. "Schön reden" bzgl. der unseriösen Vorgehensweise?


    Ein ZA kann nicht darauf beharren, "nur" seine zahnärztlichen Leistungen auszuführen; eben weil er auch Verkäufer ist, hat er hier korrekt vorzugehen.