Wieviele Vollnarkosen pro Jahr?

    Eine Zahnbehandlung mit örtlicher Betäubung ist bei mir seit mehreren Jahren nicht mehr möglich, da ich nach einigen Minuten einen Panikanfall bekomme und in Todesangst um mich schlage. Ich bin wegen Ängsten und Panikattacken inzwischen in psychotherapeuthischer Behandlung (wir sind den frühkindlichen Traumata auf der Spur); eine wesentliche Besserung ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht.

    Nun stehen bei mir im Lauf der nächsten Monate mehrere große Behandlungen an (voraussichtlich werden mehrere Implantate gesetzt). Mein Zahnarzt würde mich dazu mehrmals in Vollnarkose versetzen. Es wird wohl keine andere Option geben, einen Dämmerschlaf hält der Zahnarzt bei meinen Problemen für ungeeignet.

    Meine Frage nun: Wieviele Vollnarkosen beim Zahnarzt sind pro Jahr gesundheitlich unbedenklich? Natürlich so wenige wie möglich ... aber gibt es einen Richtwert, den man nicht überschreiten sollte?

  • 9 Antworten

    Hallo.


    Ich kann deine Ängste sehr gut nachempfinden. Eine Vollnarkosen ist mittlerweile und auch schon seit vielen Jahrzehnten ein sicherer (und immer sicherer werdender) medizinischer Eingriff. Es gibt hierbei keine Kummulation, die besagt das man eine gewisse Anzahl nicht überschreiten soll, wobei man natürlich immer eine geringe Häufigkeit anstrebt. In der modernen Medizin greift man mittlerweile aber auch immer häufiger lokale Anästhesien zurück, da man somit einen systemischen Eingriff in den Körper, der natürlich immer ein Risiko darstellt, vermeiden kann.


    Gibt es eine Begründung seines Arztes warum eine Sedierung mit bspw. Dormicum keine Option darstellt?

    Danke für Deine Antwort.

    Ja, der Arzt hat eine Begründung gegeben. Er sagt, bei der Behandlung könnte nicht alles Wasser abgesaugt werden und würde in den Hals laufen und ich müsste bei einer Sedierung aktiv schlucken bzw. würde, wenn ich es nicht tue, einen Hustenanfall bekomme. Und er kann nicht beurteilen, wie das bei mir ablaufen würde, denn Wasser in den Rachen bekommen führte bei mir bei der PZR schon öfters zu unkontrollierbaren Reaktionen. Seine Assistentin ist bei der PZR deswegen immer extrem vorsichtig, um das zu vermeiden, und ein Abstrahlen der Zähne lassen wir ganz weg (werden nur poliert). Aber bei der PZR hätte man ja jederzeit die Möglichkeit, diese zu unterbrechen oder im schlimmsten Fall ganz abzubrechen ... im Gegensatz zu einer großen Behandlung ...

    Ich habe vor einer Vollnarkose keine Angst. Ich hatte vor ein paar Jahren eine bei einer Darmspiegelung, null Nebenwirkungen, bin danach sogar auf eine Party gegangen :-)
    Aber meine Familie und Freundinnen haben große Sorgen, dass mein Gehirn durch mehrere Vollnarkosen Schaden nehmen könnte und beknien mich, mich "zusammenzureißen" und auf die Vollnarkosen zu verzichten ... aber "zusammenreißen" geht halt nicht, wenn die Psyche einen Schaden hat ...

    Ich denke mal, dass eine im Jahr bestimmt nicht schlimm ist, aber 3 oder 4 schon den Körper stark belasten könnten.

    Schniefel schrieb:

    Ich hatte vor ein paar Jahren eine bei einer Darmspiegelung

    Dass eine Darmspiegelung unter Vollnarkose gemacht wird, habe ich noch nie gehört. Früher wurde bei Koloskopien meistens Dormicum gegeben, inzwischen erhält man i.d.R. Propofol. Letzteres gibt man auch zur Einleitung einer Vollnarkose.


    Bei einer echten Vollnarkose ist grundsätzlich ein Anästhesist zugegen. Dies ist bei der bloßen Sedierung mit Dormicum oder Propofol nicht erforderlich.


    Dass es bezüglich der Anzahl an Vollnarkosen eine Obergrenze gibt, ist mir nicht bekannt. Ich hatte auch schon drei tiefe und lange Vollnarkosen innerhalb einer guten Woche und anschließend keine besonderen Probleme. In jenem Jahr kam ich auf insgesamt sieben Vollnarkosen und bin trotzdem nicht verblödet. ;-)

    Die Anzahl der Narkosen ist weniger entscheidend - viel wichtiger ist die korrekte Dosierung des Narkosemittels. Da bist Du bei einem erfahrenen Anästhesisten sicher in guten Händen. Problematischer finde ich das Kopfkino und die Zusammenreiß-Parolen aus Deinem Umfeld - die bringen Dich nämlich wirklich nicht weiter. Wenn Du Narkosen bisher gut vertragen hast, sehe ich keinen vernünftigen Grund, die geplante Vorgehensweise zu ändern. Viel Spaß dann mit den neuen Zähnen. Ach so, noch etwas für Deinen regulären Zahnarztbesuch: Bei einer nicht sub-gingivalen Zahnbehandlung, einer also, die nicht UNTER das Zahnfleisch geht (meist bei PZR, außer Du hast Zahnfleischtaschen, auch bei fast allen Füllungen) könntest Du gegen das Verschlucken mal eine Behandlung unter Kofferdam probieren. Frag' mal Deinen ZA danach.

    Eine Behandlung ist bei dir nur in Vollnarkose möglich. Lass dir da nicht irgendwas einreden, Ängste und Traumata sind nicht rational. Und es hat definitiv nichts mit anstellen zu tun.


    Gibt es vielleicht die Möglichkeit dir eine Zweitmeinung bei einem Kieferchirurgen/Oralchirurgen zu holen? Ich weiß nicht, wie es mit deiner Angststörung bei fremden Ärzten aussieht. Mein Gedanke dabei ist halt, vielleicht kann ein erfahrener Kiefer-/Oralchirurg in einer kürzeren Zeit die Implantate setzen als dein normaler Zahnarzt und es wären insgesamt ggf. dann weniger Vollnarkosen notwendig.

    Mein Mann leitet ein Wohnhaus für schwer mental und mehrfach behinderte Erwachsene. Zahnärztliche Eingriffe bei den Klienten sind immer nur unter Vollnarkose möglich. Ein älterer Klient mit schwerster Epilepsie musste sich nach seiner Chemotherapie einer umfangreichen Sanierung seines Gebisses unterziehen. Er hatte innerhalb eines halben Jahren vier oder fünf Behandlungen unter Vollnarkose und in der Folge keine Nachwirkungen. Auch nach Zahnbehandlungen anderer Klient(inn)en gab es keinerlei Probleme.